Hurra, die Gartensaison ist eröffnet
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Für grüne Daumen Hurra, die Gartensaison ist eröffnet

4 min Lesezeit 16.03.2016, 13:48 Uhr

Auch wenn Luzern morgens noch regelmässig von einer dünnen Frostschicht bedeckt ist, hat die Gartensaison längst begonnen. In den Gärtnereien sind die Mitarbeiter fleissig damit beschäftigt, Setzlinge zu ziehen, und auch bei mir zuhause auf dem Fenstersims stehen seit gestern ein paar Töpfe mit Erde.

Für Vollblut-Grün-Daumen ist derzeit eine der kreativsten Phasen des Gartenjahres. In diesen Tagen wird vorentschieden, welche Pflanzen es diesen Sommer in den Garten schaffen. Es werden Pläne für die Einteilung der Gemüsebeete oder Balkontöpfe geschmiedet und in kleinen Töpfen auf dem Fensterbrett Samen zum Keimen gebracht.

Wer keinen eigenen Garten besitzt, hat in Luzern verschiedene Möglichkeiten, sich trotzdem gärtnerisch ins Zeug zu legen. In den Familiengärten werden immer wieder Flächen frei und es besteht auch die Möglichkeit, sich einem Gemeinschaftsgarten anzuschliessen. Davon abgesehen liegt Urban Gardening auf dem heimischen Balkon voll im Trend.

Vorlaufzeit für Setzlinge

Für alle, die noch nicht damit begonnen haben, aber eigene Setzlinge ziehen wollen, ist nun höchste Zeit. Besonders mediterrane Pflanzen brauchen genug «Vorlaufzeit», damit im Mai bereits gut entwickelte Setzlinge ins Freiland oder in grosse Balkonkübel gepflanzt werden können. In unserem Klima schaffen sie es sonst unter Umständen nicht, bis im Herbst reife Früchte zu produzieren.

Selber Setzlinge anziehen, ist kinderleicht. Dazu braucht es ein mit Aussaat- oder Komposterde befülltes flaches Gefäss (ca. 5 cm tief) und natürlich Samen. Ich befolge jeweils einfach die Anleitung auf dem Saatgut-Briefchen. Dort steht, ob und wie tief die Samen in die Erde gesteckt werden sollen – einige Samen keimen nur, wenn sie nicht von Erde bedeckt sind. Nach dem Säen ist es besonders wichtig, dass die Erde immer gut feucht ist. Je nach Pflanze dauert es 3−20 Tage, bis die ersten Blättchen sichtbar sind.

Gut eine Woche später pikiere ich die kleinen Pflänzchen jeweils. Wenn viele Samen gekeimt haben, reisse ich einfach alle «überzähligen» Keimlinge aus. Wenn es nur bei wenigen geklappt hat, nehme ich eine Federstahlpinzette und pflanze sie sorgfältig um. Ziel des Pikierens ist, dass die Pflänzchen nicht zu dicht beieinander wachsen, damit sie sich nicht gegenseitig konkurrenzieren. Die frisch umgepflanzten Setzlinge sind nicht sehr robust. Bei mangelnder Luftfeuchtigkeit oder zu wenig Licht welken die kleinen Pflanzen schnell. Ein kleines Treibhaus aus einer leeren PET-Getränkeflasche sorgt dafür, dass die Luftfeuchtigkeit um das Pflänzchen immer hoch bleibt und man nicht so oft giessen muss.

Ein Do-it-yourself-PET-Gewächshaus.

Ein Do-it-yourself-PET-Gewächshaus.

(Bild: zvg)

Mitte März als idealer Start

Damit die kleinen Pflänzchen nicht zu schnell in die Höhe spriessen, drehe ich sie mehrmals am Tag. Nach dem Pikieren kommen die Pflänzchen an einen möglichst hellen Platz. Am besten wäre ein Platz in einem gut isolierten Gewächshaus. Wer kein Gewächshaus hat, sollte lieber bis Mitte März mit der Setzlingsanzucht warten. Im März sind die Tage schon wesentlich länger, die Sonnenstrahlen kräftiger und das Licht auf der Fensterbank ausreichend.

In rund zwei Monaten werden aus den zierlichen Keimlingen stattliche Setzlinge gewachsen sein. Beim Auspflanzen achte ich auf gute Nachbarschaftsverhältnisse. Wer die richtigen Pflanzen nebeneinander pflanzt, kann dadurch den Ertrag steigern, Schädlingsbefall und Pflanzenkrankheiten vermindern.

Die Nachbarschaft macht’s aus

Pflanzen brauchen zum Leben nur Licht, Wasser und geringe Mengen an Nährstoffen. Die Bedürfnisse verschiedener Pflanzen sind aber unterschiedlich. Manche brauchen besonders viel Wasser, andere nur ganz wenig. Genauso verhält es sich mit dem Licht und den Nährstoffen. Zudem gibt es Pflanzen mit ganz besonderen Eigenheiten. Sie verströmen zum Beispiel einen starken Duft und halten so schädliche Insekten fern.

Wenn mehrere Pflanzen nebeneinander wachsen, so beeinflussen sich diese immer gegenseitig. Der Einfluss artgleicher Pflanzen ist anders als jener von artfremden. In einer Monokultur mit identischen Pflanzen nebeneinander überwiegen dabei die negativen Faktoren. Die Pflanzen konkurrieren um dieselben Nährstoffe, weshalb viel Dünger zugeführt werden muss. Zudem können sich Krankheiten und Schädlinge fast unbegrenzt ausbreiten. Ich setze in meinem Garten deshalb auf Mischkultur.

Ein organisiertes Durcheinander

Bei der Mischkultur werden verschiedene Pflanzen nebeneinander gepflanzt: Karotten neben Kopfsalat und Buschbohnen im selben Beet. Dabei gibt es gute und schlechte Nachbarn. Eine Mischkulturtabelle hilft mir jeweils, die optimalen Nachbarn ausfindig zu machen. Gute Nachbarn sind zum Beispiel Knoblauch und Erdbeeren, denn der Knoblauch hat eine pilzabwehrende Wirkung. Bei feuchter Witterung würden die Erdbeeren normalerweise bereits an der Staude zu faulen beginnen. In der Nachbarschaft von Knoblauch ist dies viel seltener der Fall. Zum Glück merkt man davon bei den geernteten Erdbeeren geschmacklich nichts. 

Bei meinen Setzlingen braucht es nun vor allem noch eines, Geduld. Aber das ist ja auch das schöne am Gärtnern. Das geduldige Abwarten, neugierige Beobachten und Freuen über jede kleine Veränderung. Pflanzen haben eben ihren eigenen Rhythmus.

Die Sprösslinge schaffen es hoffentlich irgendwann in den Garten.

Die Sprösslinge schaffen es hoffentlich irgendwann in den Garten.

(Bild: Emanuel Ammon/AURA)

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