Auch Hosen oder Fonduesets lassen sich im Haus teilen
Geteiltes Ding, halbe Belastung – wie ich mich organisiere

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Es ist überhaupt nicht neu, und doch steckt im Teilen grosses Potenzial: Viele Dinge brauchen wir nur wenige Mal im Jahr – und doch besitzt sie fast jeder. Dabei lehne ich nicht nur mal ein Velo oder ein Zelt aus: Warum nicht den Staubsauger im ganzen Haus teilen, wenn ich mir beim Mitbewohner heute schon die schöne Hose für Präsentationen beschaffe?

In letzter Zeit beschäftigt mich immer wieder, dass ich so viele Sachen besitze: Stadtvelo, Mountainbike, Tourenskier, Klettermaterial, Kleider in allen Farben und Formen, Bücher, Zeitschriften und so weiter. Von verschiedenen Kollegen erhalte ich beispielsweise immer wieder alte, teilweise leicht defekte, Smartphones – wir scheinen vom meisten genug oder zu viel zu haben und können uns dies auch leisten. Die Frage ist: auf wessen Kosten.

Es geht sich leicht im neuen Schuh

Nehmen wir zum Beispiel die Schuhe. Sechs bis sieben Paar im Jahr kaufen wir pro Person in der Schweiz im Durchschnitt. Die Bedingungen, unter denen der Grossteil unserer Schuhe gefertigt wird, sind sehr oft weit entfernt vom Label «nachhaltig». Ein erster Schritt für mich besteht darin, weniger Schuhe zu kaufen; und wenn, dann möglichst solche, die wertig sind, lange halten und sich auch reparieren lassen. Es gibt jedoch auch relativ viele Schuhe, die ich nur wenige Mal pro Jahr brauche. Schmucke Lederschuhe für ein Hochzeitsfest kann ich von meinem Vater ausleihen.

Mit Dank und Geschenk zurück

Zugegeben: Ich hatte und habe auch meine Bedenken gegenüber dem Teilen. Es gibt wohl in jedem Freundeskreis die notorischen Ausleiher, die die Sachen nie, zu spät oder kaputt zurückgeben. Ich mache aber insgesamt fast nur gute Erfahrungen: Meist kommt das Ausgeliehene mit einem kleinen Geschenk zurück, was gleich doppelt Freude bereitet. Und ja: Es gibt einfachere Dinge zum Teilen als die Hochzeitsschuhe. Sie müssen passen und der Geschmack ist vielleicht verschieden. Es gibt aber viele Dinge, die lassen sich relativ problemlos teilen.

Kürzlich durfte ich beispielsweise das Velo eines Kollegen für eine Tour nach Italien ausleihen; von einem anderen Bekannten bekomme ich immer wieder das Zelt ausgeliehen. Ich bin froh, mir kein eigenes anschaffen zu müssen und decke ihn dafür mit selbstgemachtem Sirup ein. Von meinem Mitbewohner erhalte ich die schöne Hose, wenn ich einmal eine Präsentation halten muss. Das sind alles Dinge, die ungebraucht bei mir rumliegen würden.

Pumpipumpe

Eine genial einfache Idee finde ich diesbezüglich Pumpipumpe. Der Verein verschickt auf Bestellung Kleber mit Konsumgütern drauf, die Nachbarn bei einem ausleihen dürfen. Diese klebt man einfach auf den Briefkasten, damit die Nachbarn wissen, dass man bei uns beispielsweise den Werkzeugkoffer ausleihen kann. Ich bin erstaunt, auf was für kreative Ideen der Verein von Pumpipumpe gekommen ist. Es sind Sticker vom Zeitungsabo über das Fondue Set bis zur Kabelrolle im Angebot. Wer sich die Karte auf ihrer Website mit belieferten Adressen anschaut, merkt: Auch im Raum Luzern sind schon viele Briefkästen bestickt.

Bei uns im Haus haben wir zudem einen Chat, bei dem fast alle Nachbarn dabei sind – auch eine Möglichkeit, um Sachen auszuleihen. Dort wird geholfen, wenn jemand Hilfe braucht: wenn jemand zum Beispiel mehr Gäste als Weingläser hat oder wenn der Mitbewohner einmal im Jahr eine grössere Form für die Lasagne braucht.

Bedingungen festlegen

Die Produktion und der Verkauf von Konsumgütern lasten schwer auf den drei Säulen der Nachhaltigkeit: Sie verbrauchen Ressourcen und sind oftmals weder sozial noch wirtschaftlich fair hergestellt. Der Blick in eine nachhaltige Zukunft fällt daher auf eine Welt, in der sich mehr Menschen weniger Güter teilen.

Ich persönlich nehme mir vor, künftig noch mehr Sachen zu teilen. Das Mountainbike können doch auch Kollegen mit ähnlicher Körpergrösse ab und an nutzen. Unsere Raclette-Öfelchen schmelzen den Käse auch für Nachbarn und Verwandte. Meist lässt sich mit einer einfachen Abmachung im Voraus auch regeln, wer was bezahlt, falls einmal doch etwas kaputt geht.

Wenn ich den Gedanken weiterspinne, dann scheint mir sogar nicht einmal abwegig, wenn wir in Zukunft in Mietshäusern ein bis zwei Staubsauger hätten, die sich alle Nachbarn teilen. Bei der Waschmaschine klappt dies ja meist auch ganz gut.

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