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Wo Pflanzen aus dem Asphalt spriessen

Ein Rundgang durch die Stadt Luzern

Wer durch die Stadt Luzern läuft, stösst immer wieder an unerwarteten Orten auf Pflanzen. Im Bild ein Farn, das von der feuchten Luft profitiert. (Bild: zvg)

Bloggerin Christina Imobersteg ist fasziniert von Pflanzen, die aus Lücken und Ritzen zubetonierter Flächen wachsen. In der Stadt gibt es einiges zu entdecken, wie sie zeigt.

Natur in der Stadt ist wichtig, das ist bekannt. Die Stadtgrün Luzern kümmert sich um 196 Hektaren öffentliche Grünflächen. Und offensichtlich macht sie es gut, sonst wäre die Stadt 2022 wohl kaum mit dem «Grünstadt Schweiz»-Gold-Label ausgezeichnet worden.

Bemerkenswert finde ich aber auch ungeplantes Grün. Es ist oft unglaublich, wo überall Pflanzen genug Erde, Licht und Feuchtigkeit finden, um sich anzusiedeln.

Blumenschmuck an der Pilatusstrasse. (Bild: zvg)

An vielen Stellen fällt im Frühling der blühende Löwenzahn auf, wie etwa an der Pilatusstrasse. Dass ihm die Stadt gefällt, ist kein Zufall, denn die Pflanze ist robust und mit ihren Flugsamen verbreitet sie sich schnell. Das Gewächs mit den goldenen Blüten ist allerdings bei Hobbygärtnern verpönt. Bei Insekten wie Wildbienen und Schmetterlingen hingegen ist sie beliebt – nicht zuletzt deshalb, weil sie eine der ersten Pflanzen ist, die im Frühling blüht. Und in der Naturheilkunde finden viele ihrer Wirkstoffe Verwendung.

Das Zimbelkraut hat den Platz unter der Stufe erobert. (Bild: zvg)

Zwischen den Pflastersteinen entsteht eine eigene Welt

Mein nächstes Ziel ist der Jesuitenplatz und ich spaziere der Reuss entlang. Da entdecke ich einen Strauch, der aus der Ufermauer wächst. Erstaunlich, dass er genügend Nahrung zum Gedeihen findet. Da und dort haben sich an der Mauer Flechten gebildet. Sie sind allerdings keine Pflanzen, sondern ein Mischwesen aus Algen und Pilzen. Ihr Wachstum ist sehr langsam. Sie sind genügsam und brauchen nicht viel zum leben. Die Art der Flechte und ihre Wachstumsgeschwindigkeit können Auskunft über die Luftqualität geben. Dazu beobachtet man Flechten vornehmlich an Baumrinden.

Beim Zeughausbrunnen an der Pfistergasse inspiziere ich den Pflastersteinbelag. Die speziellen Moose, Gräser und Kräuter zwischen den Fugen sind wie eine eigene Welt.

Die Vegetation zwischen Fugen hat wenig Platz zum Wachsen. (Bild: zvg)

Ich mache einen Abstecher in die Sentimatt zum Sentiweg. Ich möchte mir die entsiegelte Fläche ansehen. Durchlässige Böden ermöglichen nicht nur Pflanzen bessere Bedingungen. Regenwasser wird im Boden zurückgehalten und fliesst langsamer ab als auf zubetonierten Flächen. An heissen Tagen kann die Verdunstung des gespeicherten Wassers die Umgebung kühlen.

Die Stadt hat schon mehrere Flächen entsiegelt und weitere sind geplant wie beim Löwenplatz und beim Bundesplatz. Die Entsiegelung wird beispielsweise auch durch das neue Siedlungsentwässerungsreglement gefördert. Es enthält Bestimmungen, die die Versiegelung reduzieren sollen (zentralplus berichtete).

Der entsiegelte Sentiweg. (Bild: zvg)

Bei der Geissmattbrücke überquere ich die Reuss. In der Nähe des Nölliturms wächst ein Steinkraut aus der Mauer. Vermutlich gelangte es aus einem Garten dahin. Auch hier finden sich wieder verschiedene Flechten.

Zum Abschluss meiner Suchrunde bummle ich durch die Altstadt. In der Weggisgasse und der Hertensteinstrasse halte ich vergebens Ausschau nach sichtbarem, spontanem Grün. Hier ist es offensichtlich doch zu unwirtlich für Pflanzen.

Ein Steinkraut gedeiht prächtig in der Mauerlücke. (Bild: zvg)

Unkraut trägt zur Biodiversität bei

Es ist überraschend, wie und wo sich die Natur unermüdlich Plätze zurückerobert. Doch das spontane Grün ist nicht überall willkommen. Gerade in Privatgärten fällt es häufig dem Sauberkeitswahn zum Opfer. Es passt nicht zum Golfrasen und zu den gepflegten Blumenrabatten mit Zierpflanzen. Der Plattenweg und dessen Fugen werden fein säuberlich mit dem Kärcher gereinigt. Schade eigentlich. Manch ein Unkraut ist für die Natur wertvoll und trägt zur Förderung der Biodiversität bei.

Die Gelbflechte fühlt sich auf Bäumen wohl. (Bild: zvg)
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