Öffentliche Parkanlagen in der Stadt Luzern Diese Luzerner Quartiere bieten zu wenig Erholung

28.07.2021, 10:58 Uhr 4 min Lesezeit 4 Kommentare
Diese Luzerner Quartiere bieten zu wenig Erholung
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Eingangsbereich Lindengarten. (Bild: cim)

Auf den ersten Blick scheint Luzern keine unwirtliche Stadt. Die Lage am See, grössere Erholungsgebiete und Wälder in unmittelbarer Nähe lassen kaum vermuten, dass es dennoch Quartiere im Zentrum gibt, die für die Naherholung zu wenig bieten.

Nach der Homepage der Stadtgärtnerei befinden sich elf Parkanlagen im Zentrum. Betrachtet man die Verteilung auf dem Stadtplan, fällt auf, dass im Innenstadtbereich beispielsweise im Bruchquartier und bei der Rösslimatt eine öffentlich zugängliche Grünanlage offensichtlich fehlt.

Wie viele Parkanlagen braucht eine Stadt?

Nach Theorie muss für die Bevölkerung innerhalb von 300 Metern ein Naherholungsgebiet oder eine städtische Grünanlage erreichbar sein. Das bedeutet eine Gehdistanz von etwa fünf Minuten. Was genau hinter diesen Überlegungen steckt, lässt sich nur vermuten. In erster Linie geht es sicher um die Volksgesundheit. Weiter können Erholungsmöglichkeiten im Wohnumfeld das Verkehrsaufkommen verringern. Einen wichtigen Nebeneffekt haben Parkanlagen für die Durchgrünung der Stadt, die der Biodiversität dient und einen bedeutenden Beitrag an die Klimaanpassung leistet.

Wertvolle Naturflächen mit Totholz im Wettsteinpark.

Persönlicher Augenschein

Wie sind nun die vorhandenen Grünanlagen der Innenstadt beschaffen? Ich habe mir die Stadtparks, die nicht an den See angrenzen, etwas genauer angesehen.

Das Vögeligärtli – auch Sempachergarten genannt – entstand um 1900 und hiess damals Englischer Park. 1952 wurde er zum Sempacher Garten. Mit dem attraktiv gestalteten Kinderspielplatz, dem Strassenschach und dem Tischtennistisch ist der Park ideal ausgestattet. Etliche Bänke laden zum Verweilen ein und auch die Rasenfläche wird zum Rasten rege genutzt. Kein Wunder, ist hier bei schönem Wetter viel Betrieb. Wer etwas Ruhe sucht, wird allerdings in solchen Zeiten den Park eher meiden.

Vögeligärtli.

Geradezu idyllisch zeigt sich der Lindengarten an der Obergrundstrasse. Der Park wurde 1759 angelegt und dürfte eine der ältesten noch bestehenden Parkanlagen der Stadt sein. Anfangs diente er als Exerzierfeld und bot Platz für Volksfeste, bis Mitte des 19. Jahrhunderts die Allmend diese Aufgaben übernahm.

Trotz der stark befahrenen Strasse in unmittelbarer Nähe wähnt man sich hier in einer anderen Welt. Tischtennistisch und Schaukel sind durch einen Wall im nördlichen Teil des langgezogenen Parks abgeschirmt. Ein stattlicher Brunnen befindet sich im südlichen Bereich. Ein friedliches Plätzchen findet man hier leicht.

Klein, aber fein – der Lindengarten.

Für Ruhebedürftige empfehlen sich der Wettsteinpark und der Alte Friedhof. Beide zeichnen sich durch hohe, alte Bäume aus und haben ebenfalls eine besondere Geschichte.

Der Wettsteinpark war ursprünglich ein privates Anwesen der Gärtnerfamilie Wettstein. 1906 wurde die Grünanlage ein öffentlicher Park. Am Hang gelegen, ist er zwar nicht gerade rollstuhlgängig. Doch die spezielle Lage führt zu «Etagen» mit unterschiedlichen Erholungsräumen. Auch die Ausstattung lässt sich sehen, man findet einen Tischtennistisch, einen Spielplatz und etliche stille Ecken, wo man die Ruhe geniessen kann.

Der Alte Friedhof ist ebenfalls sehr attraktiv. 1927 wurde er zum Park. Die hohen Bäume bilden einen Raum, der einem das Gefühl vermittelt, in einer Kirche zu sein. Ein Spielplatz befindet sich abgeschirmt ausserhalb dieses mystischen Ortes. Besondere Erwähnung verdient das Heckenlabyrinth.

Sakrale Atmosphäre im alten Friedhof.

Das Bleichergärtli ist im Vergleich zu den beiden letztgenannten ein ganz anderer Ort. Auffällig ist die ausgedehnte, geteerte Fläche um den Brunnen (zentralplus berichtete). Die Ecke für die Kinder scheint mir fast überstellt mit Spielgeräten. Doch offensichtlich werden sie rege genutzt.

Meine subjektive Beurteilung macht klar, dass Bedürfnisse sehr unterschiedlich sind. Den perfekten Park gibt es wohl kaum, besonders wenn die Fläche begrenzt ist. Anforderungen wie Rollstuhlgängigkeit, Kinderfreundlichkeit, Naturnähe und Ruhe lassen sich nur in grossflächigen Parkanlagen auf einmal erfüllen. Ist dies nicht möglich, braucht es viele, eher kleinere Grünanlagen, die je unterschiedliche Bedürfnisse abdecken.

Viel Teer im Bleichergärtli.

Bedeutung städtischer Parkanlagen grundsätzlich erkannt

In ihren diversen Planungen, Strategien und Konzepten bezieht die Stadt die Parkanlagen immer wieder mit ein. Die Bedeutung für die Bevölkerung und die Biodiversität ist bekannt und Ideen sind reichlich vorhanden. Fehlende Flächen, Eigentumsverhältnisse, konkurrenzierende Nutzungsansprüche und die Finanzierung erschweren die Umsetzung. Bei der Aufwertung der Grünanlage Zwyssigplatz und des Geissmattparks konnten offensichtlich die Hürden überwunden werden (zentralplus berichtete).

Für Aufsehen sorgte die Idee der Grünen für einen Boulevard auf dem Gleis im Neustadt-Quartier (zentralplus berichtete). Und in weiter Ferne liegt der Vorschlag eines Stadtparks beim Bahnhof Luzern, wenn der Durchgangsbahnhof realisiert wird (zentralplus berichtete).

Das Thema städtische Parkanlagen ist und bleibt aktuell. So werden hoffentlich auch die unterversorgten Quartiere bald zu ihren öffentlich zugänglichen Grünanlagen kommen.

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4 Kommentare
  1. Hegard, 28.07.2021, 15:41 Uhr

    Beim Bahnhof ein Park zu bauen finde ich übertrieben, denn es hat Erholungsraum in der Nähe, den man aber vergrössern könnte.
    Ich fände es besser, dort öffentliche Ämter anzusiedeln. zB Schulen, Gericht, Einwohnerkontrolle, Passbüro usw., die dann mit ÖV gut erreichbar wären. Auch die Tiefgarage (mit Velo Abstellplatz) sollte ersetzt werden durch eine, die man für E-Fahrzeuge aufrüsten kann.

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  2. Hegard, 28.07.2021, 15:24 Uhr

    Im Neustadt Quartier gibt’s kleine grüne Ecken.Auch die Ehemalige Zentralbahn Trasse wurde aufgewertet.Aber der Eingang zum Tunnel könnte man verlängern und mit einer Überbauung mit einem Park Erholungsraum vergrössern

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  3. Hegard, 28.07.2021, 15:06 Uhr

    Das Inseli, wie es genannt wird, war wirklich eine Insel, bis es aufgeschüttet wurde.
    Mit Teilen des Aushubsmaterials vom Tiefbahnhof könnte man das Inseli zu einem grösseren Naherholungsgebiet aufwerten. Das gleiche mit dem General Guisan Quai, die Untiefen auffüllen und weiter draussen eine Insel für die Vögel ermöglichen.

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  4. Hegard, 28.07.2021, 14:54 Uhr

    Ich finde die Leute werden immer dekadenter. Das Rösslimatt Quartier ist etwas grauer als die Tribschenstadt als früher geworden. Der See vom Inseli bis zum Richard Wagner Anwesen wäre aber schnell zu erreichen.
    Wenn ich an meine Kindheit denke, wars nicht aussergewöhnlich auf den Dietschiberg, Sonnenberg und Fräckmündegg zu spazieren. Die gebratene Servelat war die Belohnung.

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