Dichtestress auf Luzerner Velostreifen
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Auf Luzerns Velowegen wird's eng. (Bild: tsc)

Mehr als 200'000 Velos brauchen mehr Platz Dichtestress auf Luzerner Velostreifen

3 min Lesezeit 5 Kommentare 02.09.2020, 11:01 Uhr

Seit einigen Jahren nimmt die Anzahl der Velofahrer in Luzern zu. Eigentlich eine erfreuliche Nachricht, doch der Platz für die Velofahrer wird (nicht nur) dadurch immer enger. Was dieser Veloboom für Konsequenzen hat und wie eine mögliche Lösung aussehen könnte, schreibt Thomas Scherer in seinem Blogpost.

Seit Jahrzehnten bin ich nahezu täglich mit dem Velo unterwegs. Ich sehe und erlebe viel – Erfreuliches und auch Anderes. Manchmal gerate ich dabei ins Grübeln. Daher habe ich mir vorgenommen, einen dieser flüchtigen Gedanken niederzuschreiben.

Mehr Velos unterwegs

Seit vielleicht zwei Jahren gewinne ich zunehmend den Eindruck, dass immer mehr Menschen Velo fahren. Stimmt das? Erleben wir tatsächlich einen Veloboom? Coronabeobachterinnen und Trendforscher berichten davon.

Velosuisse, der Verband der Schweizer Fahrradlieferanten, veröffentlichte im Juli Verkaufszahlen, wonach in den letzten zwölf Monaten etwa zwei Prozent mehr herkömmliche Velos und fast 25 Prozent mehr E-Bikes verkauft wurden. Die Velozählstellen in Luzern und Umgebung weisen von Jahr zu Jahr höhere Zahlen aus. Am Schweizerhofquai wurden im Monat Juli, erstmals seit gemessen wird, mehr als 200’000 Velos gezählt.

Der subjektive Eindruck stimmt mit den objektiven Daten überein. Das wäre dann geklärt. Es sind mehr Velos unterwegs, auf den Velostreifen wird es eng.

Freud und Leid auf dem Velostreifen

Ein paar Prozent mehr Velos unterwegs und ich empfinde es schon als beengend? Bin ich hypersensibel? Nein. Es wird auf dem Radstreifen nicht einfach enger, weil es mehr Velos hat. Es fühlt sich vor allem enger an. Ich bin mir nicht sicher, ob ich mich über die vielen Velos freuen oder ärgern soll.

Waren vor wenigen Jahren klassische Velofahrer auf den Radstreifen unter sich, teilen sie sich den knappen Raum immer häufiger mit rasanten E-Bikes und neuerdings mit E-Trottis. Diesen Sommer habe ich zudem viele Leihvelos gesehen. Geschwindigkeit, Regelkenntnisse (oder der Wille, diese einzuhalten), Fahrkönnen, Ortskenntnis, Fitness – alles auf ganz unterschiedlichen Niveaus.

Velowege werden zur Rennstrecke

Es kommt zu häufigen, gefährlichen Überholmanövern. Oft fühlt es sich an wie auf der Rennstrecke, wo um jeden Zentimeter gekämpft wird. Mal überraschen einen die Manöver der Vorderleute, mal überholt ein Zweirad links oder rechts haarscharf.

Mit Überholmanövern und anderen Verkehrsteilnehmern wird’s noch enger. (Bild: tsc)

Unachtsame Autofahrer, rücksichtslose Taxifahrerinnen oder gestresste Buschauffeure kommen dazu. Der Platz wird knapp und knapper. Ich kann verstehen, dass es manchen zu eng wird. Es scheint mir nachvollziehbar, dass Eltern, denen es auf dem Velostreifen unwohl ist, ihren Kindern den Schulweg mit dem Velo untersagen.

Mehr Menschen auf den Velos müssten doch uneingeschränkte Freude sein. Der Erfolg des Velos kehrt sich ins Gegenteil. Auf den Velostreifen herrscht so etwas wie Dichtestress. Das führt zu Stress.

Die Lösung

Was es also braucht: mehr Platz für mehr Velofahrerinnen und Velofahrer. Velowege in Kopenhagen oder anderen Vorzeigestädten sind so breit, dass mehrere Velos nebeneinander fahren können, so breit, dass Überholmanöver leicht sind. Denn auch in den velofreundlichsten Städten sind nicht alle gleich schnell und gleich geübt unterwegs.

Es bräuchte breitere Velowege. (Bild: tsc)

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5 Kommentare
  1. Jörg Willi, 03.09.2020, 10:45 Uhr

    Dass heute bedeutend mehr Velos und E-Vehikel unterwegs sind, ist offensichtlich. Das gilt auch für Autos. Wenn für diese der Platz zu knapp wird oder Staus entstehen, baut man neue und breitere Strassen. Dafür wird wertvolles Kulturland geopfert.
    Für Velos in der Stadt mehr Platz zu schaffen geht nur auf Kosten anderer Verkehrsteilnehmer. Dort wo es noch möglich ist, schafft man Velowege, die aber wegen der schnellen Bikes und der vielen rücksichtslosen Velofahrer nicht ungefährlich sind. Gebüsst werden diese ja nicht und an den Kosten für die Infrastruktur (z.B. mit dem Lösen einer Vignette!) beteiligen sie sich auch nicht. Unsere rot-grüne Regierung lässt sie munter gewähren. Nur weiter so bis zum geht nicht mehr!

  2. Tobias Mueller, 02.09.2020, 18:45 Uhr

    Eigentlich ist die Antwort einfach, und der Ansatz wurde anhand des rasant zunehmenden motorisierten Verkehrs in der Vergangenheit bereits praktiziert: Das Verfügen, Einhalten und vor allem Durchsetzen von Regeln. Das ist nachhaltig, was sogar dem Namen dieses Blogs gerecht wird.

    Die Lösung liegt auf der Hand, steht aber diametral zum offiziell kolportierten Dogma. Sperren wir deshalb einfach noch ein paar weitere Durchgangsstrassen und nennen sie „Begegnungszonen“. Dies unter Ausblendung der städtebaulichen Realität und der ausführenden Bedeutung des Wortes Begegnung.

    1. Hans Hafen, 03.09.2020, 09:56 Uhr

      Das grüne, moralisch überlegene Narrativ wurde von Ihnen leider noch nicht verinnerlicht und nur ungenügend innerseelisch etabliert. Vernunftsgeleiteter Widerstand noch immer spürbar und latent oszillierend. Urmenschliche Sensitivitäten noch immer nicht durch die neue Rahmenerzählung abgelöst, Verdacht auf bürgerlichen Querulantismus chronisch. Verborgularisierung ungenügend fortgeschritten. Darum: Suchen Sie Entspannung in einem der vielen pittoresken und hübschen Pop-up-Parks und trinken Sie einen vegan-moralisierenden Brennessel/Ufo-Tofu-Smoothie. Danach gehts besser – ich versprech’s Ihnen.

  3. Andreas Peter, 02.09.2020, 13:26 Uhr

    „Die Lösung“? Das soll wohl ein Witz sein? Sie machen es sich ja sehr einfach.
    Wo soll man die denn in Luzern bauen?
    Auf Kosten von Autos, Bussen, Lastwagen, Taxis, Polizei, Feuerwehr?
    Sogar in Ihrer grünen Traumwelt braucht es wohl Platz für Pferdekutschen.
    Denken Sie noch einmal nach und kommen Sie dann mit einer richtigen „Lösung“.

    1. Remo Genzoli, 02.09.2020, 15:06 Uhr

      lieber herr andreas peter
      fakt ist, dass der fahrradverkehr stetig zunimmt. bestimmt haben sie eine patente lösung. oder beschränken sich ihre beiträge nur auf beschimpfung der anderen?

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