Ab in die Startlöcher – damit wir für die Wanderung der Amphibien parat sind!
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Die Arbeit am Amphibienzaun macht auch Kindern Spass. (Bild: M. Kieffer)

Frösche und Molche erwachen aus der Winterruhe Ab in die Startlöcher – damit wir für die Wanderung der Amphibien parat sind!

3 min Lesezeit 03.02.2021, 11:01 Uhr

Jedes Jahr gegen Ende des Winters machen sich engagierte Personen an die Vorbereitung von Amphibienschutz-Massnahmen. Die Tiere sind in unserer dicht besiedelten und mobilitätsgeprägten Landschaft auf Hilfe angewiesen, damit die jährliche Laichwanderung nicht als Fiasko endet.

Noch ist es ruhig an der Amphibienfront, aber es kann schon bald losgehen. Sobald die Temperaturen Ende Winter ansteigen und nasses Wetter herrscht, wachen Frösche, Kröten und Molche aus der Winterruhe auf. Sie nehmen dann nachts den Weg zum Laichgewässer unter die kleinen Füsse. Das Laichgewässer kann mehrere Hundert Meter entfernt sein vom Winterquartier.

Wenn dann der Weg über eine viel befahrene Strasse führt, kann das für die Tiere katastrophal enden. Der Anblick von überfahrenen Amphibien ist hässlich. Als ich noch vermehrt im Amphibienschutz tätig war, habe ich solche Szenen leider öfters gesehen. Natürlich wird so weit wie möglich versucht, derartiges Leid zu verhindern, doch unser von Mobilität geprägter Lebensstil macht es für wandernde Tiere schwierig. So sind denn auch 70 Prozent der 20 Schweizer Amphibienarten in ihrem Bestand gefährdet.

Massnahmen für den Amphibienschutz

Es gibt mehrere Möglichkeiten, den Konflikt zwischen mobilem Mensch und wanderndem Tier zu entschärfen: Man versucht den Amphibienzug zu einem sicheren Durchgang zu leiten. Dies geschieht mit fixen oder mobilen Zäunen. Manchmal ist kein Durchgang in der Nähe und es muss ein neuer Amphibientunnel gebaut werden – das kostet viel und wird meist erst realisiert, wenn eine Strasse neu gebaut werden muss.

Wichtige Adressen

Eine Übersicht über die rund achzig Luzerner Zugstellen findet sich hier
Informationen zur Amphibienwanderung findet man hier
Amphibienmeldungen: Karch-Regionalvertretung

Es gibt noch eine weitere Möglichkeit, wenn sichere Durchgänge fehlen: Man stellt temporäre Zäune auf und vergräbt in regelmässigen Abständen Kessel. Dort fallen die Amphibien hinein und werden dann von Hilfspersonen über die Strasse getragen. Diese Methode kann man aber nur anwenden, wenn genügend Personen mithelfen. Die Kessel müssen nämlich täglich geleert werden, bis die Wanderung abgeschlossen ist. Und diese dauert rund drei Wochen.

Tausende Amphibien

Die am wenigsten aufwendige Amphibienschutz-Massnahme ist die nächtliche Sperrung von Strassenabschnitten – das stösst beim Menschen auf Rädern natürlich auf wenig Gegenliebe. Oft ist dies auch gar nicht umsetzbar.

Ich helfe seit Jahren jeweils beim Aufstellen und Abbauen von mobilen Zäunen bei der Zugstelle Hagimoos in der Gemeinde Ettiswil. Hier wandern in manchen Jahren mehr als 10’000 Erdkröten, Grasfrösche und Molche in breiter Front von einem Waldstück zu den Weihern im Naturschutzgebiet. Die mobilen Zäune leiten die Tiere zu den vorhandenen fixen Unterführungen und Leitwerken, die Strasse können die Amphibien dann selbständig unterqueren.

Es macht Spass, mit der Familie und einer engagierten Gruppe draussen aktiv zu sein. Angeleitet werden wir von Urs, einem witzigen Urgestein des Amphibienschutzes und daneben auch ein ausgewiesener Reptilienspezialist.

Wenn auch du Lust hast mitzuhelfen – es gibt sicher auch in deiner Nähe eine Zugstelle, wo Hilfe willkommen ist. Das Miterleben der Amphibienwanderung ist für Erwachsene und Kinder ein einmaliges Erlebnis. In Escholzmatt, Flühli, Reiden, Schlierbach und Römerswil werden derzeit dringend Helferinnen gesucht. Bei den anderen Zugstellen darf man sich aber natürlich gerne ebenfalls melden. Gesamtschweizerisch werden jährlich von rund 200 Helfergruppen über 150’000 Amphibien gerettet!

Diese seltene Kreuzkröte hat die Überquerung der Strasse leider nicht überlebt. Am nächsten Tag beseitigen Füchse und Krähen die Überreste. (Bild: M. Kieffer)

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