Jetzt Community-Mitglied werden und profitieren!
Geisterstunde
  • Blog
  • «Little Ben – ein unglaubliches Polizeiauto»
  • Sponsored Blog
Illustration: Pascal Blaser / sli.ch

Kinderbuch Little Ben: Kapitel 7 Geisterstunde

4 min Lesezeit 13.02.2019, 11:00 Uhr

Nachdem sich Collin Viper völlig erschöpft verabschiedet hatte, schmiedeten Big Ben und Little Ben einen Plan, wie sie dem armen Collin helfen könnten.

Sie wollten jetzt schnell handeln und den Plan noch in der gleichen Nacht umsetzen. Die beiden waren so richtig gut drauf und dabei blitzte ihnen der Schalk aus den Augen. Kurz bevor sie die Lane Street erreicht hatten, kamen sie an einem Haus vorbei, in dessen Garten grosse weisse Bettlaken auf der Wäscheleine aufgehängt waren. Little Ben bremste leise ab und Big Ben schlich sich auf das Grundstück und borgte sich kurzerhand zwei von diesen praktischen Laken aus. Natürlich würde er sie später wieder zurückbringen.

Damit ging es weiter schnurstracks bis zum Haus von Mrs. Viper, und Little Ben positionierte sich so, dass er direkt in das Schlafzimmer von Mrs. Viper hineinschauen konnte.

Für Mrs. Viper war es eine ruhige Nacht, bis plötzlich das gesamte Schlafzimmer in ein unheimliches weisses Licht getaucht wurde. Voller Schreck erwachte die Alte und sie starrte entsetzt in das unangenehm grelle Licht. Sie konnte kaum etwas sehen. Aber was sie hörte, war noch unheimlicher. Es war ein lautes, fast ausserirdisches Stöhnen, begleitet von einem ächzenden, erbärmlichen Gesang.

Zitternd vor Angst tapste sie unbeholfen zum Fenster und was sie da sah, war der blanke Horror.

Eine riesige, weisse, hell leuchtende Gestalt schwebte draussen durch ihren Garten. Dann öffnete ein gewaltiger, unheimlicher Windstoss ihr Fenster.

«Uhuuuhhhuu… Wir sind gekommen, um dich zu warnen!»

Es war eine tiefe, unheimliche Stimme, die nach ihr rief. Es war unzweifelhaft die Stimme des Geistes, der draussen zu ihr sprach: «Du musst dein Leben ändern! Sofort! Du bist eine böse alte Frau!»

Mrs. Viper wurde immer bleicher im Gesicht, und als der Geist seine Stimmer wieder erhob, klang diese noch lauter und gefährlicher als zuvor.

«Niemand hat dir etwas getan, du böse alte Frau! Aber du beschimpfst alle und jeden. Gerechtigkeit muss herrschen hier auf Erden, und du musst dich vor allem mehr um deinen Enkel kümmern. Der ist arm wie eine Kirchenmaus», brüllte der Geist sie förmlich an, «doch du lebst hier in Saus und Braus und kümmerst dich nicht um ihn!»

In ihrem tiefsten Inneren hatte die Alte längst gewusst, dass ihr eigenbrötlerisches, selbstsüchtiges Leben gegen jede Gerechtigkeit verstiess. Aber dass jetzt sogar die Geister nach ihr griffen, damit hatte sie nie gerechnet. Wie gelähmt und unfähig zu reden, stand sie da und zitterte wie Espenlaub.

Hier direkt bestellen

Hier direkt bestellen

«Wir geben dir noch eine letzte Chance, Mary Viper», donnerte die Stimme weiter. «Dein Geld muss in der Familie bleiben! Verstehst du: Du musst lernen, teilen zu können!»

Jetzt brachte Mary Viper wenigstens ein heftiges Kopfnicken zustande. Sie hatte schon immer
gewusst, dass die Geister mit ihr redeten. Aber so nahe hatte sie sie noch nie erlebt. Es war schrecklicher, als sie sich das je ausgemalt hätte.

«Tue also genau das, was wir dir befehlen!» Die alte Mary Viper nickte jetzt noch heftiger mit dem Kopf.  «Wenn nicht, wird ein Fluch über dich kommen, und beim nächsten Mal nehmen wir deinen faulen, fetten Kater mit zu uns in unser Reich. «Uuuhhhuuuhhhhuuu…»«Natürlich, natürlich, natürlich. Ich mache alles, was ihr befehlt. Nur bitte verflucht mich nicht. Bitte!» Da fing das strahlende Licht an zu flackern und leise hörte man eine unheimliche Sirene heulen. Mrs. Vipers Knie zitterten so heftig, dass sie unsanft zu Boden glitt.

Eines war sicher: Diesen Geistern würde sie sich nie widersetzen. Dann wurde es schlagartig wieder dunkel. Das Licht war genauso schnell verschwunden, wie es gekommen war, und mit ihm der Geist. Alles war wieder so still wie zuvor, nur unter dem Bett hörte man ein klägliches «Miau». Cäsar und Mrs. Viper würden diese Geisternacht so schnell nicht vergessen. Little Ben war leise im Leerlauf die Lane Street hinuntergerollt und startete seinen Motor erst bei der grossen Kreuzung. Dann prusteten beide los. Big Bens Bauch hüpfte dabei auf und ab, und auch Little Bens Motorhaube wackelte beträchtlich hin und her. Immer wieder mussten sie nach Luft schnappen.

«Uuuhhhuuuhhhhhh…», lachte Little Ben laut, «ich wusste gar nicht, dass du so viel Schauspieltalent hast. In der Geisterbahn würden sie dir sicher auch einen guten Job geben!»

Big Ben grinste über das ganze Gesicht. «Und wie du da so in dem Garten rumgetänzelt bist – wie eine drittklassige Primaballerina.» Big Ben wischte sich die Tränen vom Lachen aus den Augen. «Und dein Sirenengeheule klang wie eine Trompete unter Wasser! Wie hast du denn das hingekriegt?» «Ich habe eben auch so meine Tricks!», antwortete Little Ben. Big Ben war sich sicher, dass er dabei über das ganze Gesicht grinste. «Hauptsache, wir haben diesen Fall gelöst!» «Schade nur», antwortete Little Ben, «dass wir das keinem erzählen können.» «Tja, das ist nun mal so im Leben. Gerade die guten Taten passieren oft im Stillen. Aber wir können uns ja immer wieder davon erzählen und unseren Spass daran haben. Und», fügte er hinzu, «den Schafen können wir es auch erzählen. Die verraten es sicher keinem!»

Erneut fingen beide an, laut zu lachen. In dieser fröhlichen Stimmung fuhren sie gemütlich nach Hause. Nach Osten, immer der Sonne entgegen, die gerade dabei war, sich am Horizont zu zeigen.

Keine Lust zwei Wochen auf das nächste Kapitel zu warten? Dann bestellen Sie hier Ihr Buch.

War dieser Artikel nützlich für Dich?

Ja

Nein

In diesen Artikel haben wir viel Zeit investiert. Löse ein freiwilliges Abo und hilf uns, Artikel wie diesen auch in Zukunft anzubieten.

CHF

Deine Meinung ist gefragt!

Um kommentieren zu können, musst Du auf zentralplus eingeloggt sein. Bitte logge dich ein oder registriere dich jetzt und profitiere von den Vorteilen für z+ Community Mitglieder.

Deine Meinung ist gefragt!

0 Kommentare

Abonniere den Newsletter

Und erhalte unsere Post ganz nach Deinen Bedürfnissen und Wünschen: Täglich oder wöchentlich.