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Der Pakt
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  • «Little Ben – ein unglaubliches Polizeiauto»
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Illustration: sli.ch / Pascal Blaser

Kinderbuch Little Ben: Kapitel 3 Der Pakt

7 min Lesezeit 20.12.2018, 10:49 Uhr

Am späten Abend dieses 6. Oktobers 1939 fuhr ein überglücklicher Big Ben mit seinem neuen Polizeiauto nach Hause. Ein eigenes Auto hatte er zwar nie besessen. Trotzdem befand sich neben seinem Häuschen eine Garage und die sollte ab sofort das neue Zuhause seines neuen Freundes werden. Die Sitze glänzten wunderschön in blauem Leder …

Auch diese Sache hatte einen kleinen Haken. Bevor der kleine Kerl sich dort so richtig wohlfühlen konnte, musste in der Garage erst einmal gründlich aufgeräumt werden. Sie war nämlich vollgestopft mit Kisten, Kartons, alten Möbeln – und alles stapelte sich kreuz und quer. Über die Jahre hatte sich dort viel angesammelt! Big Ben musste also erst einmal direkt vor dem Tor parken. Dann begann er sofort mit der Entrümpelung der Garage. Das war leichter gesagt als getan, denn es lag eine Menge Arbeit vor Big Ben, auch wenn er die Sache mit grossem Elan anging.

Es polterte und krachte gewaltig und Bens Nachbarn steckten alle ihre neugierigen Nasen aus dem Fenster. Natürlich wollten sie sehen, was da unten bei Big Ben los war. Erst nach ein paar Stunden herrschte Ruhe. Endlich war es so weit: Es gab genug Platz in der Garage. Big Ben zwängte sich wieder in das Auto und fuhr seinen neuen Liebling langsam und vorsichtig in sein neues Zuhause.

Als er ausgestiegen war, nahm er einen weichen Lappen und polierte liebevoll noch einmal die Wagentür, damit auch wirklich alles piekfein war, bevor er die Garage versperren würde. Aber dann geschah schon wieder etwas Seltsames: Während der gesamten Aufräumungsprozedur hatte er, fröhlich und bei bester Laune, ununterbrochen ein Lied vor sich hin gepfiffen und nach getaner Arbeit einfach aufgehört zu pfeifen. Aber Moment mal! Was war denn das? Wurde da etwa das Lied weiter gepfiffen? Big Ben schaute sich verdutzt um. Wer zum Teufel war ausser ihm denn noch hier? Dann hörte das Pfeifen plötzlich wieder auf. Es war so, als ob sich jemand ertappt fühlte. Schnell bückte er sich und schaute unter das Auto. Nichts!

 

Illustration: sli.ch / Pascal Blaser

Illustration: sli.ch / Pascal Blaser

Doch dann war es wieder da: «Pfiff, pfiff, pfiff …» Big Ben schüttelte ratlos den Kopf. Wer konnte das denn bloss sein? «Warum versteckst du dich? Zeig dich her, du Feigling!», rief er laut in die Stille hinein. «Was willst du? Ich verstecke mich doch gar nicht!», hörte er eine freche Stimme aus der Dunkelheit. «Wer bist du? Was machst du in meiner Garage?» Big Bens Stimme hatte jetzt einen leicht gefährlichen Ton angenommen. «Oh, oh – bitte, reg dich doch bitte nicht so auf. Ich bin’s doch nur – der Thomas Burton!»

«Warum versteckst du dich dann vor mir, Thomas Burton?» Big Ben schlich leise um das Auto herum und spähte in jede Ecke. Aber er konnte beim besten Willen niemanden sehen. Der Kerl musste sich wirklich gut versteckt haben! «Was läufst du denn die ganze Zeit im Kreis herum? Mir wird ja schon ganz schwindlig. Hier bin ich doch!» Und bei diesen Worten wurde es plötzlich gleissend hell in der Garage. Big Ben musste die Augen zusammenkneifen. Dann schaute er direkt in die strahlenden Scheinwerfer seines neues Autos.

Denn jetzt, wo er genau hinblickte, konnte er sehen, wie lebendig dieses Auto zu sein schien und wie viele Gestalten es verkörperte!

Von vorne und von hinten sah es aus wie ein gefährliches Polizeiauto. Ein silbernes, riesengrosses Maul, daneben zwei grosse Augen, die mit ungeheurer Strahlkraft jedermann so richtig blenden konnten. Doch von der Seite gesehen sah es fast so schön aus wie eine Königin, und auch gar nicht mehr gefährlich.

Big Ben hatte sich schon ein bisschen erschreckt, aber er war auch total begeistert! «Du bist das also! Ich habe mir fast schon gedacht, dass irgendetwas Besonderes an dir sein muss. Und», fügte er hinzu, «du bist wirklich ein verdammt schönes Auto. Du hast so einen eleganten Schwung!»

«Wie bitte? Was heisst hier schöner Schwung? Ich bin ein gefährlicher Polizeiwagen! Vor mir wird man sich fürchten. Vor meinem Anblick wird man erzittern! Meine unglaubliche Schnelligkeit wird jedem Räuber zum Verhängnis werden. Meine Alarmglocke wird jeden leisen Dieb zu Tode erschrecken, und schon der Gedanke an mein lautes Motorengebrüll wird jedem Verbrecher wilde Albträume bescheren! Grrr», knurrte er so grimmig, wie er konnte – und das war ziemlich grimmig.

Lange konnte er aber dieses grimmige Gesicht nicht durchhalten, denn bei den letzten Worten lächelte er Big Ben mit glänzenden Autoaugen an. Dabei sah das Wägelchen dann überhaupt nicht mehr gefährlich aus, sondern sehr, sehr liebenswert. Big Ben lächelte zurück. Es war wirklich unglaublich, was er soeben erlebt hatte. Langsam wurde ihm auch klar, was da tagsüber so alles passiert war. Dafür gab es jetzt wenigstens eine plausible Erklärung: Sein neuer Freund war ein ganz besonderes Auto. Ein Auto mit Eigenleben, mit Herz und offenbar mit ganz schön viel Verstand, denn alle Diebe und Verbrecher dieser Welt mochte es genauso wenig wie Big Ben selbst. So einer kam ihm gerade recht! Anerkennend klopfte er ihm auf die Motorhaube, so wie man einem guten Freund auf die Schulter klopft:

«Wow, mein kleiner Freund, du bist wirklich ein ganz erstaunliches Kerlchen. Ich finde, wir passen doch prima zusammen!»

«Also sollten wir ab jetzt auch zusammenarbeiten. Was hältst du davon? Wir schliessen hier und jetzt einen Pakt auf ewige Partnerschaft. Das erfordert Ehrlichkeit, Vertrauen und Schutz. Was ist? Bist du dabei?»

«Tuff, tuff, tuff.» Der Wagen schüttelte sich kurz und alle vier Räder wackelten dabei bedenklich: «Klar!», lächelte er begeistert zurück, «klar bin ich dabei! Das ist genau das, was ich mir immer gewünscht habe!»

Dann blickte er Big Ben noch einmal verlegen an:«Aber eine ganz kleine Bitte hätte ich da noch!» «Dir kann ich doch keine Bitte abschlagen! Was ist es denn?», nickte Big Ben zustimmend. «Na ja», begann der Kleine zögerlich, «erinnerst du dich noch, wie mich die Kinder heute Nachmittag genannt haben?» Was die Kinder dem Kleinen hinterhergerufen hatten, dieses fröhliche «Little Ben» klang ihm immer noch in den Ohren. «Klar weiss ich das noch. ‚Little Ben‘ haben sie dich genannt!»

Das kleine Polizeiauto fieberte jetzt vor Freude und sogar die Wassertemperatur im Kühler stieg leicht an. Er wünschte sich nämlich nichts sehnlicher, als endlich seinen «alten» Namen ablegen zu dürfen. Thomas Burton war schliesslich ein schrecklicher Name für ein Polizeiauto! Aber obwohl Big Ben nachfragte, wer ihm denn diesen Namen gegeben hätte, erfuhr er nichts darüber. Das schien eine ganz andere Geschichte zu sein, und offenbar war es noch nicht an der Zeit, diese zu erzählen. «U… u… und ich», stotterte er aufgeregt, «und ich ff… finde, das wäre ein wirklich guter Name für mich. Dann könnten wir doch auch ein noch tolleres Team zusammen werden, oder?»

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Big Ben nickte schmunzelnd. «Ja, mir hat das auch sehr gut gefallen, wie die Kinder uns genannt haben. Little Ben und Big Ben – ja, so werden wir ein wirklich tolles Team sein!» Damit war jetzt erst mal alles erledigt und Big Ben wandte sich mit ernster Miene an seinen neuen Partner:

«Also, Little Ben, nun ist Schluss für heute!», sagte er streng, «mach schön brav die Augen zu, ruh dich aus und vor allem schlaf gut. Morgen wird unser erster gemeinsamer Arbeitstag werden. Da wollen wir beide doch fit sein!» Big Ben war sehr fürsorglich mit seinem Little Ben und das sollte auch so bleiben – ein ganzes Polizeileben lang! «Klar, Sir, das mache ich jetzt. Sofort! Es war ja wirklich auch ein langer und anstrengender Tag heute!» Little Ben hatte nicht lange überlegen müssen. Er war einfach nur hundemüde und schlief sofort ein.

Big Ben schloss leise das Garagentor und auf dem Weg zu seiner Haustür grinste er über das ganze Gesicht. Er hätte vor lauter Freude bis ins Haus hüpfen und tanzen können – wenn er nicht selbst so fürchterlich müde gewesen wäre. Und auch in der Garage konnte ein gewisser Little Ben nicht aufhören, ganz leise zu lächeln, obwohl er schon längst in seinen wohlverdienten Schlaf gefallen war.

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