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Vom Schnee verweht
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Meine «K2-Skier» (Bild: Katja Zuniga-Togni)

Wie ich meine Skier verlor und wiederfand Vom Schnee verweht

4 min Lesezeit 09.02.2019, 11:00 Uhr

Eine merkwürdige Geschichte erzähle ich da. Und sie hat sich wirklich so zugetragen, ob du es glaubst, oder nicht. Kürzlich bin ich sechzig geworden und nichts kann mich so leicht verwundern oder überraschen; hab ich gemeint. Aber gerade wenn du selbstsicher bist und meinst, dass du das Leben im Griff hast und es für dich nichts Neues mehr auf Lager hat, dann kommt dein Verstand an Grenzen. Dies schreibt Literaturbloggerin Katja Zuniga-Togni in ihrem neusten Beitrag.

Ich befinde mich in Begleitung von A in den Skiferien. Am dritten Tag scheint die Sonne auf die verstöberte Landschaft. Auf dem Sessellift zum Egghorn studiere ich die Schlaufen meiner Skistöcke. Waren die gestern nicht weiss? Egal, sie passen gut, und immer schneller brettern wir den Hang runter. Punkt Mittag machen wir Rast auf dem Bonistock.

Weisst du noch, wie jemand uns erzählte, dass sie ihm die Skier geklaut hatten?, spasste ich zu A. Nein? Das ist aber so. Wie im Film von Ursula Meier. Da gab es doch eine Alleinerziehende, die am Wochenende auf die Berge fuhr, Skier klaute und sie dann im Tal verhökerte. Aus Geldmangel! Im Bergrestaurant fläzen wir uns auf ein Sofa und holen den verpassten Schlaf der Nacht nach.

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A geht bald allein auf die Piste – ich bleibe noch bei einem Espresso sitzen. Ausgeruht mache ich mich wieder startklar, als A mich holen kommt. Handschuhe an, Skibrille auf – ich habe mir am selben Morgen extra eine neue gekauft, da die bisherige kaputtging. Wahrscheinlich Altersschwäche. Nein! Das ist jetzt nicht wahr! An der Hauswand stehen nur rot-weisse «Atomics»

Meine Skier sehen ganz anders aus. Sie fehlen. Das bildest du dir nur ein. Bestimmt hast du sie an einem andern Ort hingestellt und weißt es nur nicht mehr. Wobei – so gross ist der Radius auch nicht. In Skischuhen vermeidet man weite Strecken. Dreissig Minuten lang suchen wir. Umrunden das Bergrestaurant. Wühlen in verdächtigen Schneeverwehungen, hatte doch A am Vortag im Tiefschnee fast einen Ski verloren, als er stürzte.

Nichts

Ich stampfe zum Seilbähnli. Berichte dem Bahnbegleiter von meinem Unglück. Dann fährt A einige Abfahrten, während ich von einem Bänklein her die verwaiste Hauswand scharf beobachte. Vielleicht hat jemand die Skier verwechselt und stellt sie in einem Stündchen oder so wieder an den Ursprungsort zurück.Nichts. Kein Stündchen. Es vergehen zwei Stunden. A ist zurück. Erneute Suche. Ich weiss nicht einmal mehr, welche Skimarke ich habe.

Nur, dass die Skier violett/lila sind. Wilde Verzierungen wie verschlungene Blumenranken und etwas Swarowski. Absolute Frauenskier. Ich melde im Bergrestaurant den Verlust meiner Skier. An der Hauswand stehen immer noch die «Atomics». Der Mann im Bähnli meint, er rufe mir ein Schneetaxi, damit ich von der Talstation in meine Ferienwohnung gelange.

Zu Fuss müsste ich mit den Skischuhen ohne Stöcke auf dem Schnee heimstaksen. Keine anmächelige Perspektive. Sie können unter der Station im Raum warten, der ist warm. Es dauert noch zehn Minuten, bis der Schneetöff da ist, um Sie abzuholen. Der Obwaldnerdialekt mildert alles etwas ab.

Aber der Raum unter der Station ist eine Zumutung. WCs sind dort, und gleich nebenan nicht überhörbar der Maschinenraum. Kein Bänklein. Auf die Kloschüssel setze ich mich sicher nicht. Ich warte draussen. Fünf Minuten mindestens. Die Frutt liegt bereits im Schatten. Ich beginne zu frieren und muss mich bewegen.

Ein Gepäcktaxi fährt beim einem nahegelegenen Gebäude vor und der Fahrer lädt Koffer aus. Dann rattert er weiter. Es hat noch weitere Restaurants und Hotels in der Nähe. Vielleicht lädt er mich erst beim Rückweg auf, und das kann dauern. Ich marschiere heimwärts, versinke mit meinen Skischuhen immer wieder im Schnee. Sehr unbequem.

Endlich erreiche ich den Lift und gelange auf den höher gelegenen Weg. A wartet auf mich. Sie letzten hundert Meter legen wir gemeinsam zurück. Schon von Weitem sehen wir, dass Skistöcke vor dem Skiraum im Schnee stecken. Sehen sehr ähnlich aus wie meine Skistöcke mit den weissen Schlaufen und roten Tellern. Das sind meine Skistöcke! Mit dem Schlüssel öffnen wir den Skiraum. Ganz zuvorderst stehen sie. Wilde Verzierungen wie verschlungene Blumenranken und etwas Swarowski. Absolute Frauenskier. Nicht «Rossignol», wie ich angenommen hatte, sondern «K2»

Und genau meine Skier!!!

A und ich stellen immer noch Theorien auf, wie meine Skier vom Bonistock in den Skiraum gelangten. Das Rätsel haben wir nicht gelöst. Und die «Atomic»-Skier standen auch noch am Tag darauf unverändert an der Hauswand des Bergrestaurants auf dem Bonistock. Das hat A gesehen, als er am Morgen darauf hinauffuhr. Ich hätte ihn gern begleitet, aber ich konnte meine «K2» nicht mehr anschnallen, denn ich hatte mir am Morgen das Bein gebrochen. Aber das ist eine andere Geschichte. 

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