Vom Geld und vom Lieben Gott
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Wer seine Krankenkassenprämien nicht bezahlt, landet im Kanton Luzern auf einer Liste. Diese will die SP abschaffen. (Bild: Emanuel Ammon/AURA)

Max Huwyler Vom Geld und vom Lieben Gott

2 min Lesezeit 28.01.2015, 14:59 Uhr

«Domine conserva nos in pace». Randschrift an einer Goldmünze von 1724. Zur Schau gestellt und zum Bedenken gegeben ist sie im Money Museum in Zürich. Ein Gebet: «Herr, erhalte uns in Frieden»…

Dass da diese Anrufung an den Allmächtigen in Gold gegossen ist, hat mit der Befürchtung zu tun, es könnte zwischen Geld und Friedensbedrohung einen Zusammenhang geben. 1724 war unmissverständlich klar, welcher Herr gemeint ist. Der Herrgott hat beim Paradiesmachen nicht ans Geld gedacht. Paradies braucht kein Geld. Ist ja alles da. Gemäss der Schöpfungsgeschichte machte der Herr als Krönung den Menschen und siedelte ihn im Garten Eden an. Auch wenn man es so vielleicht nicht glauben mag: Es ist eine schöne Geschichte, eine Sehnsuchtsgeschichte. Im Paradies kam dann die Sache mit der Versuchung, es mit dem Kreator aufzunehmen. Die Menschen setzten die Ebenbildlichkeit mit dem Schöpfer aufs Spiel und sie vergriffen sich am Baum der Erkenntnis. Und der Herr sandte den Engel mit dem flammenden Schwert und vertrieb die gefallenen Kinder Gottes aus dem Paradies.

«Chunsch de schono äinisch uf d Wält.» Der Schweizerdeutsche Droh-, Warn- und Erziehungssatz. Um die Partnerschaft der Geschöpfe mit dem Schöpfer war es geschehen. Die Menschen mussten selber kreativ werden. Die Münzgiesser setzten das Bittgebet auf die Staatsmünzen, wohl wissend, dass den Geschöpfen nicht in allen Dingen zu trauen ist: «Domine conserva nos in pace». 

Irgendeinmal allerdings haben die Zürcher Münzherren den Lieben Gott aus dem Spiel genommen und durch «Justitia et concordia» ersetzt und damit den aufgeklärten Menschen in die Verantwortung genommen, mit dem immerhin mahnenden Leitspruch «Gerechtigkeit und Eintracht». Ein zu allen Zeiten bedenkenswertes Wortpaar, in beiden Richtungen zu lesen.

Geld ist eigentlich gedacht als Gegenwert für Ware und Leistung. Geld hat aber mutiert zu undurchschaubaren monetären Grössen. Geld wird um des Geldes wegen gehandelt, verdunstet ins Virtuelle. Scheinleistungen ohne adäquaten Gegenwert werden bonifiziert. Die handelnden Hände tätigen mit leichtfingerigem Tastentippen ihre Handlung, vertrauend, der Rechner werde es richten. «Justitia et concordia» sind wie aus dem Handlungssinn verschwunden. Und plötzlich, wie aus heiterem Himmel, schreckt ein Desaster. Sturz der Sterne. Börsenhändler starren auf Bildschirme, greifen sich an die Köpfe, wie um das Denken zu sichern. Den Mündern entfährt ein «Oh good god». Das Bild ging um die Welt. Mit welchem Stossgebet wir wieder angekommen wären beim «Domine conserva nos in pace».

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