Parallelen zu den Schicksalen in Zug
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Adrian Hürlimann Parallelen zu den Schicksalen in Zug

3 min Lesezeit 07.06.2015, 11:28 Uhr

Es ist schwierig, ein Thema für diesen Blog, diese Kolumne zu finden. Besonders, wenn es um Literatur gehen sollte, ums freie Schreiben, um Kunst, ja um L’art pour l’art. Schlägt man aber frühmorgens die Zeitung auf, dann schreien einem die neusten Katastrophen entgegen und beanspruchen für den Tag, ja für viele Tage die Deutungshoheit.

Es ist schwierig, ein Thema für diesen Blog, diese Kolumne zu finden. Besonders, wenn es um Literatur gehen sollte, ums freie Schreiben, um Kunst, ja um L’art pour l’art. Schlägt man aber frühmorgens die Zeitung auf, dann schreien einem die neusten Katastrophen entgegen und beanspruchen für den Tag, ja für viele Tage die Deutungshoheit. Da will das Zuger Politestablishment mit einen Milliardentunnel die Stadt unterhöhlen, um die Hanglage mit Seeblick vom Verkehr zu entlasten, den die Wohnquartiere im Westen umso stärker zu spüren bekommen sollen. Das war vor zwei Jahren, und der Spuk ist immer noch nicht vorbei. Sitzungen und Verteilaktionen, Velocorsos usw. waren die Folge, und alle, die ebenfalls nicht tatenlos zusehen wollten, wie die Stadt vor die Hunde geht, plangen auf das Ende, das uns die Abstimmung demnächst hoffentlich bescheren wird.

Goethe hatte immerhin zwei Wochen Ruhe, wenn er einen Brief nach England geschickt hatte und auf die Antwort wartete. Damit ist es in Zeiten der anschwellenden E-Mail-Briefkästen endgültig vorbei.

Der Gewerbeverband führte eine Kampagne zur Abschaffung der SRG, des verhassten «Staatssenders» und beliefert uns mit Extrablättern des SVP-Werbers, die dem «Stürmer» an Hetzegrad in nichts nachstehen? Die wollen den Service Public kaputtmachen, das Echo der Zeit, den Kontext, 52 beste Bücher? Hallo, da sind wir ganz schnell wieder bei der Literatur, im Falle der Mundartsendungen sogar bei der regionalen! Kann man hier den Diskussionsrunden und Podien fernbleiben? Immerhin geht es für Claude Longchamp nicht um die Abschaffung der SRG, sondern um die Abschaffung der Schweiz. Das Feld Leuten wie Geri Pfister überlassen? Geht doch nicht!

Hat das je ein Ende?

Steht nach dem 14. Juni eine Ruhephase bevor? Eher nicht, denn vor einigen Wochen kam aus, dass die Kantonale Gebäudeversicherung und zwei weitere Immobilieninhaberinnen sämtliche 17 Wohnblocks mit den letzten zahlbaren Mieten abreissen und durch Neubauten samt Garagen ersetzen wollen. Im Rahmen der Aufnahme ins ISOS des gesamten Quartiers, der «Gartenstadt» kam es an den Tag. Die grüne Politik muss wachgerüttelt werden, die in Panik geratenen Nachbarn ermutigt und fürs Engagement gewonnen werden. Arbeitsgruppen kommen in Gang. Wo bleibt da das Schöngeistige, das Literarische? Wohl liebäugle ich mit dem Gedanken, dass statt eines öden Quartierfestes eine Theatergruppe aufgeboten und ein Stück von Anne Leppers aufführen könnte. Hat nicht Leppers am Theatertreffen in Winterthur den Vogel mit einem Stück über dicke Aussenseiter abgeschossen, Zauberberg revisited? Sehe ich nicht im Netz, dass es von ihr auch ein Stück über eine schrullige Dame gibt, die aus ihrem Altbau verbannt zu werden droht? Eignete sich das nicht als Parallele zu den Schicksalen in Zug, die nach 70 Jahren ihre Bleibe, und wohl auch ihren Wohnort, das teure Zug, verlieren? Gute Wortkunst für eine gute Sache. Schön wärs!

Das neue Zug

In Zug, das neuerdings als «globale Stadt» eine neuen PR-Auffrischung erfährt, ist eben zu viel los. «Jetzt ist schon wieder was passiert», orakelt Wolf Haas in seinen Brenner-Krimis. Allerdings. Alle Spuren des FIFA-Skandals führen nach Zug. Hat nicht der Baudirektor als Jurist darin gewirkt, bis 2007 als Direktor der Rechtsabteilung? Ist nicht der einzige bisherige Fall eines Rechtsverfahrens dasjenige um die ISL in Zug gewesen? 140 Millionen? Doch lassen wir das. Darum werden sich jetzt andere kümmern.

Ich wende mich derweil Goethe als Briefschreiber zu. Albrecht Schöne hat eine wunderbare Studie über ihn verfasst. Oder Andreas Gryphius, der schon vor Jahrhunderten zum selben Thema schrieb: «Was der eine baut, reisst der andere ein»… Kaum Neues unter der hiesigen Sonne. Bleiben wir gelassen. Mindestens bis morgen früh, wenn die Zeitung auf dem Tisch liegt.

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