La bête à Bon Dieu oder Der Käfer unserer Lieben Frau
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Der Käfer mit dem bedeutenden Namen. (Bild: Natalie Boo/AURA)

Max Huwyler La bête à Bon Dieu oder Der Käfer unserer Lieben Frau

2 min Lesezeit 31.12.2014, 09:42 Uhr

Nur ein paar Millimeter lang ist es, ein hartflügeliges Käferchen. Man schreibt ihm besondere Kräfte zu. Bei uns trägt es den Namen einer jungen Frau, die, fast noch ein Mädchen, unter nicht gerade komfortablen Umständen ihr erstes Kind gebar.

Sie war mit ihrem Mann in einer fremden Stadt in eine Notabsteige geraten, als die Wehen einsetzten und sie das Kind aus der Geborgenheit des Fruchtwassermeeres auf die härtere Welt entliess. «Ein Bub», sagte der Mann. Sie schnaufte tief, sagte: «Jah.» Und als sie sich ein wenig erholt hatte: «Ein Sohn. Wir haben es ja gewusst. Hast du vergessen? Der Engel?» – «Ah ja, der Engel. Klar, ein Bub.» Sie waren miteinander glücklich, dass es gut gegangen war. «Schon gut, ein Bub.» Er war Handwerker, Zimmermann. Er konnte sich einen Buben besser vorstellen in der Werkstatt als ein Mädchen.

«Ja, lieber Josef, ein Bub», sagte sie müde und glücklich. «Ein Sohn. Gott sei Dank.» Mit einer Tochter wäre es schwieriger geworden mit dem Mutter-Gottes-Werden. «Komm, mein Kind», sagte sie leise und war gerührt, dass sie «mein Kind» gesagt hatte. Sie legte ihn an die Brust, und der Kleine wusste sofort, was er zu tun hatte. Auch die grössten Propheten haben ganz bescheiden an der Mutterbrust angefangen.

Das Käferchen, das den Namen dieser jungen Mutter trägt, kommt sein ganzes Leben lang nicht übers Saugen hinaus. Es saugt um sein Leben, das Marienkäferchen.

In vielen Sprachen gaben ihm die Menschen besondere Namen, viele zur Ehre der jungen Sohnesmutter: Marienkäferchen, Muttergotteskäferchen, Madonnenkühlen, Frauenkühlein, Marienkälbchen, Herrgottskäfer, Herrgotts Hühnlein, Herrgottskuh, Himmelskindchen, Himmelsgeiss, Himugüegi, Herrgottssau, Pfarrers Ochs, Herrgottsmugge, Madonnenvogel, la bête à Bon Dieu, mariquita, Ladybird.

Die Italiener nehmen es handfest und eindeutig, doch klangschön musikalisch: La coccinella settepuntata. Da braucht’s kein Amen dazu. 

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