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Guerilla Conditions
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Bild von Brion Gysin (Bild: zvg. Pablo Haller)

Pablo Haller Guerilla Conditions

3 min Lesezeit 13.11.2016, 09:00 Uhr

Die Bedingungen müssen immer wieder neu geschaffen werden. Aufbau, Abbruch, Verschleppung, Vergessen. Oder sein Bündel schnüren & los. Mit jener Fackel in der Hand, mit der man die Brücken hinter sich angezündet hat.

Aufbruch & Abbau. Die Häuser, die Städte leer. Wind weht Staub zwischen den eingeschlagenen Fensterscheiben hin & her. Was kommt nach dem Paradies? Ein Acker.

Der König ist zurück. Er steht auf einem öden Acker & ruft den Anfang aus. Die Häuser der Stadt wie leere Monolithe, die Licht schlucken. Kontinuität ist der Tod.

Die Karten immer wieder neu mischen. Die Karten immer wieder neu entwerfen, ausarbeiten, herstellen. Niemals Kontinuität zulassen. Bringt Zufriedenheit, bringt Trägheit. Die Karten immer wieder neu machen. Oder auch mal würfeln.

Die Umstände müssen immer wieder neu geschaffen werden. Bindungen gelöst & anders geknüpft.

Ein Netz kann Fische fangen oder Dinge miteinander verbinden, Menschen miteinander verbinden oder Dinge & Menschen miteinander verbinden. Freundschaft? William S. Burroughs sagte: «Es gibt keine Freunde, es gibt nur Komplizen». Es gibt keine simplen Lösungen für Wachstum. Schrumpfen ist keine Alternative. Oder «Wer zu wachsen aufhört, beginnt zu sterben».

Aufbau & Abbruch. Oder einfach hinter sich lassen. Das verfallende, modrige Land. Die verschimmelten Stützen. Die Häuser, die Ruinen wirken wie hohle Monolithe, durch die es zieht. Kontinuität ist der Tod. Bringt Trägheit & Zufriedenheit. Die Karten immer wieder neu mischen. Die Karten immer wieder neu zeichnen, drucken. Oder auch mal Würfeln. Wir brauchen keine Fenster sondern Klarheit. Zwischen Stuhl & Bank macht krank.

Die Bedingungen können stets neu verhandelt werden. Ein Koffer, ein Wagen. Natural Born Travellers. Es gibt kein Ankommen ohne Aufbruch. Ein alter Mann sitzt im «Honrillo», streift die Kapuze seiner grob gewebten, braunen Djellaba vom Kopf. Durch ein digitales Fenster schaut er auf den Djemaa el Fna, den Platz der Gegangenen, den asymmetrischen Eintopf aus Geistern & Gauklern. Das Ende der Karawanen, das Ende einer Reise. Ankommen.

Über Amsterdam das Meer unter Marrakesch die Wüste, beide Häfen wo allerhand Hungrige einlaufen. Der alte riecht die Gerüche von Urin, Schweiss & hundert Garküchen, er fühlt die Eruptionen der Körper, der kühle Windhauch der Geister. Athene schüttelt traurig ihren Kopf & tippt mit dem Zeigefinger auf einen verstaubten Mahagonischreibtisch. Ihr Haar hängt strähnig & fettig vom Kopf. Ihr fleckiger Schlafanzug müffelt, sie schaut verkatert aus. «Es gibt keine Weisheit, nichts. Es gibt kein wo, das nicht ein woanders sein kann».

Ein Koffer, ein Wagen. Natural Born Travellers. Athene im Chevi, wie aus dem Ei gepellt. Sie hat die Runde der alten Tanten verlassen. Kein Ankommen ohne Aufbruch. Jede Armee braucht einen Feind. Die miesen alten Tanten zerpflücken beim vier Uhr Tee ihre Jünglinge wie Gänseblümchen. Die Tanten sind faltig & trocken wie die Cookies, die sie, bevor sie diese mit ihren fahlgelben Gebissen zermahlen können, in den Schwarztee tunken. Ihrer Männer haben sie sich schon lange entledigt & jedes Mal ein Vermögen geerbt.

«Ich will doch nur den Blues singen», krächzt ein Gänseblümchen, doch unerbittlich wird es zerpflückt.

Die Bedingungen müssen immer wieder zerpflückt werden. Fukaeri aus dem Land der Zeichen & Symbole hat sich einen Fluchttunnel geschaffen. Es sind die alten Platten – der alte Blues, der alte Jazz, der alte R&B, der alte Rock & Roll – die alles zusammenhalten. Wenn die Nacht gekommen ist & das Land dunkel & da nicht mal ein Mond zu sehen ist, nichts zu sehen ist ausser das Neon des Time Squares. Bist du bei mir habe ich keine Angst.

Fukaeri hat das binäre System hinter sich gelassen & sitzt nun am Tresen einer Jazzbar in Tokyo. «Spar dir die Liebe», haucht ihm Athene ins Ohr. Es gibt einen Stromausfall & sie hocken mit blankem Arsch auf einem öden Acker. Was kommt nach dem Paradies?

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