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Eine Geschichte zur Weihnachtszeit
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Der Marienkäfer gilt in vielen Kulturen als Glücksbringer. (Bild: PIxabay)

La coccinelle oder der Käfer unserer Lieben Frau Eine Geschichte zur Weihnachtszeit

3 min Lesezeit 09.11.2019, 11:30 Uhr

Der Marienkäfer ist ein Glücksbringer und in vielen Kulturen heisst er ganz verschieden. In der deutschen Sprache trägt er den Namen der Mutter Jesu und hat damit eine tiefe Verwurzelung in der abendländischen Kultur. Unser Literatur-Blogger Max Huwyler weiss, was es sonst noch zum roten Käfer mit den schwarzen Punkten zu sagen gibt.

Es ist ein kleines Tier. Nur ein paar Millimeter lang ist er, der hartflügelige Käfer, dem man besondere Kräfte zuschreibt. Darum sagen Menschen, er sei nützlich. In vielen Sprachen hat er Namen mit frommem Bezug. Im Deutschen hat das Tierchen den Namen einer jungen Frau, die, fast noch ein Mädchen, unter nicht gerade komfortabeln Umständen ihr erstes Kind gebar. Sie war mit ihrem Mann in einer fremden Stadt in eine Notabstiege geraten, als die Wehen einsetzten.

Der Mann wusste nicht wie und was, hatte keine Ahnung von Geburtshilfe. Er betete um Hilfe, derweil die schöne junge Frau presste und schwitzte und schnaufte und presste.

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«Jesses Maria», sagte der Mann, als des Kindleins nasser Kopf aus der Frau herauskam. «Ein Bub!» , sagte sie leise, als das Kind sichtbarlich auf der Welt war. Sie zog hörbar Luft ein, sagte: «Gott sei Dank.»

Und nach einer Weile, als sie sich ein wenig erholt hatte: «Wir haben es ja gewusst. Hast du vergessen, der Engel?» Sie blickte ihren Mann an. «Ein Bub, lieber Josef!» – «Ah ja, dein Engel. Klar, ein Bub.» Er war sprachlos. Sie waren miteinander glücklich, dass es so gut gegangen war.

Er holte Wasser. Er holte trockenes Heu für die Liege. Er war froh, dass er zu tun hatte. «Schon gut, ein Bub.» Er war Handwerker, Zimmermann, konnte sich einen Buben besser vorstellen in seiner Werkstatt als ein Mädchen. Er dachte handfest und lebensnah.

«Jah, lieber Josef, ein Bub», sagte sie müde und glücklich. «Ein Bub. Gott sei Dank.» Vielleicht hatte ihr der Engel eine Art Gewissheit gegeben, denn vom Leben kannte sie noch wenig. Sie wusste oder ahnte: Mit einer Tochter wäre es schwieriger geworden mit dem Mutter-Gottes-Werden.

«Komm, gib mir den Bub.» Sie legte ihr Kind an die Brust, und der Kleine wusste sofort, was er zu tun hatte. Auch die grössten Propheten haben bescheiden und selbstverständlich an der Mutterbrust angefangen.

Der kleine Käfer, der den Namen dieser jungen Mutter trägt, kommt sein ganzes Leben nicht übers Saugen hinaus. Es saugt um sein Leben, das Marienkäferchen mit den vielen Namen.

Marienkäferchen, Muttergottskäferchen,

Madonnenkühlein, Frauenkühlein,

Marienkälbchen, Herrgottskuh,

Johanneskäfer, Herrgottskäfer,

Himmelskindchen, Herrgotts Hühnlein,

Herrgottsmugge, Madonnenvogel, Ladybird,

Himmelsgeiss, Herrgottsmugge, Herrgotts Hühnlein,

Herrgottssau, Herrgotts Kuh, Pfarrers Ochs,

Madonnenvogel, Ladybird, la bête à bon Dieu,

La coccinelle

Prosaisch und mit Flair fürs Mathematische nennen ihn die Italiener klangschön

La coccinella settepuntata: Der Käfer mit den sieben Punkten.

In Frankreich setzen die Kinder la bête à Bon Dieu auf die Fingerspitze und rufen: «Flieg auf zum Himmel. Reserviere mir einen Platz beim lieben Gott!»

Von den ehrenden Namen, mit denen der kleine Nützling bedacht wird, hat Maria noch nicht wissen können. Zuerst musste sie ihrem Kind einen Namen geben. «Du bist Jesus», sagte sie und war überrascht, dass sie das einfach so gesagt hatte.

«Jesus. Ist’s recht, lieber Josef?» – «Musst doch nicht fragen. Hast’s ja vom Engel.» – «Ich wollte doch nur, dass du …» – «Ist schon gut, liebe Maria.» Josef ging nahe zu Maria hin, strich dem Kind übers Köpfchen, neigte sich zu seiner Frau und gab ihr einen Kuss.

«Nicht jetzt, Josef», sagt sie. Sie hatte gesehen, wie hinter dem Rücken ihres Mannes ein paar Hirten hereinkamen mit Schafen dabei. Das war der Anfang vom Ende ihres privaten Glücks.

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