Atom. Mehr als ein Wort
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Max Huwyler Atom. Mehr als ein Wort

2 min Lesezeit 06.08.2015, 09:03 Uhr

Wörter haben Geschichten. Menschen bezeichnen alles, versuchen selbst dem Unbenennbaren ein Wort zu geben. Gott ist alles in allem, ist als alles unbenennbar. Der Schöpfer ist alles andere als das Geschaffene. Der Mensch, der Namengeber, will alles benennen, vom Innersten zum Äussersten, vom Grössten zum Kleinsten.

Wörter haben Geschichten. Menschen bezeichnen alles, versuchen selbst dem Unbenennbaren ein Wort zu geben. Gott ist alles in allem, ist als alles unbenennbar. Der Schöpfer ist alles andere als das Geschaffene. Der Mensch, der Namengeber, will alles benennen, vom Innersten zum Äussersten, vom Grössten zum Kleinsten.

Als der Mensch noch Jäger und Sammler war, war das noch einfach. Mit der weiteren Entwicklung der Menschheit kamen immer mehr Wörter dazu für Unsinnliches und Übersinnliches und für alles sinnlich Erfassbare. Als er glaubte, das Kleinste vom Kleinen erkannt zu haben, gab er diesem den Namen Atom, das ist Griechisch und heisst wörtlich «Das Unteilbare». Als ihm das Teilen des Unteilbaren gelang, behalf er sich mit einem Begriff eines sehr frühen Handwerks und sagte dem Teilen des vermeintlich Unteilbaren «spalten». Spalten wie einen Holzklotz, zu welchem Zweck er das Beil erfunden hat. Die Spaltung des Atoms veränderte die Weltgeschichte.

Im August 1945 war ich im «Wilden Mann» in Buonas in den Ferien. Nachts teilte ich mit dem alten Franz die Knechtekammer. Franz war kein Gspröchiger. An einem Abend, ich war schon am Einschlafen, sagte er ins Dunkel hinein. «Z Japan ääne händs e Bombe abegloo. Die heb e ganzi Stadt kabutt gmacht.» Eine einzige Bombe hat am 6. August 1945 Hiroschima zerstört. Die erste Atombombe. Die Erfinder nannten die kleine, dicke Bombe «Little Boy», wie wenn sie ihr Kind wäre. Drei Tage später Nagasaki. Die unvorstellbare Zerstörungskraft mit dem Mittel der Kernspaltung hat die Welt erschüttert. Max Frisch schrieb: «Die Sintflut ist herstellbar.» Friedrich Dürrenmatt schrieb «Die Physiker», Uraufführung im Schauspielhaus Zürich am 21. Februar 1962. Zitat zum Stück: «In Friedrich Dürrenmatts Komödie ‹Die Physiker› schafft die moderne Naturwissenschaft das Irrenhaus: eine aus dem Lot geratene Welt.» Von der Gedenkveranstaltung im Theaterhaus Schiffbau anno 2000, 10 Jahre nach Dürrenmatts Tod, hat sich bei mir ein Satz eines Jungregisseurs festgemacht: «Dürrenmatt kann man nicht mehr machen.» Ich konnte nicht begreifen, was er meinte. Er wohl auch nicht. Dürrenmatt muss man machen, lange noch.

Es ist nicht nur die A-Waffe, die die Welt in Atem hält, solange es noch zu schnaufen gibt. Man spricht gerne von der friedlichen Nutzung.

 

Wermutskraut

Hiroschima
Nagasaki
Fukuschima
Tschernobyl

Klangklare Wörter
Wie für Poesie gemacht

Fukuschima heisst
Insel des Glücks
Tschernobyl heisst
Wermutskraut

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