Niko Stoifberg über Demokratie und Dummheit
Wenigstens in der Landwirtschaft ist Bullshit beliebt

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EIn Trost bleibt: Es gibt durchaus Orte, an denen Kuhmist nicht ganz so unbeliebt ist. (Bild: Adobe Stock)

Unser Blogger Niko Stoifberg verzweifelt an der Politik. Trost findet er ausgerechnet in der Landwirtschaft.

Neulich habe ich eine Zuschrift von einem Herrn erhalten, der offenbar die Websites paxloveismus.ch, helvetiatell.ch sowie scienceartbrut.ch betreut. Ich weiss nicht, wie er gerade auf mich kam – vielleicht, weil ich tatsächlich den Frieden liebe, in der Schweiz geboren bin und hin und wieder Interesse an Wissenschaft und Kunst bekunde.

Jedenfalls hat mich dieser Herr, der sich selbst als «Universalgeleerter» (sic!) bezeichnete, eingeladen, im Rahmen eines interdisziplinären Kulturprojekts einen Vortrag zu halten. Thema: «Wie erklärt man das 1×1 der Liebe einem Mitmenschen in seinen sogenannten Fibonacci-Lebensflussjahren 0, 1, 2, 3, 5, 8, 13, 21, 34, 55, 89, 144 … so dass er das 1×1 der Liebe wesensgerecht versteht und adäquat handeln kann in jeder Lebenssituation?»

Meine Theorie zu Verschwörungstheorien

Ich habe die Anfrage abgelehnt; es ist einfach nicht genug Zeit für alles. Gleichzeitig habe ich mich wieder einmal gefragt, wieso derart viele Leute jeden noch so abstrusen Bullshit glauben. Nicht etwa nur Leute, die ihr Hirn universell geleert haben, sondern auch Menschen in meinem Bekanntenkreis, viele mit höherer Schulbildung, manche mit akademischem Titel. Diese Menschen machen Säure-Base-Therapien, trennen ihr Essen nach Farben oder halten die Luft an, wenn eine Wespe vorbeifliegt. Sie glauben, Impfen mache impotent, Elektroautos seien schädlicher als Benziner oder der Westen schuld am Ukraine-Krieg.

Was eigentliche betrifft, habe ich eine These: Verschwörungstheoretiker sind frustriert von ihrem Leben, sie werden in der Welt, wie wir sie sehen, nicht heimisch, also erfinden sie eine andere. Eine, die nur sie verstehen, die ihnen ein Gefühl der Überlegenheit gibt, das sie aus der richtigen Welt nicht kennen.

Sie bestimmen mit

Aber die meisten Bullshitter in meinem Umfeld sind keine Verschwörungstheoretiker. Diese Leute haben ein gutes Leben, haben Häuser, Kinder, Autos, iPhones und Cloudflow-Schuhe von On. Und trotzdem: Wo anderen ein Licht aufgeht, explodieren bei ihnen die Nebelpetarden.

Mir macht das grosse Sorgen, denn diese Menschen entscheiden nicht nur über ihren Säure-Base-Haushalt, sondern auch über den Staatshaushalt des Landes. Über Rentengelder, Klimaziele, Forschungsprojekte, Sicherheitspolitik. Sie bestimmen mit, was die Zukunft bringt, und ihre Stimme hat dasselbe Gewicht wie jede andere Stimme auch.

«Demokratie ist die schlechteste Staatsform, mit Ausnahme aller andern», hat Winston Churchill angeblich gesagt. Da hatte er sicher recht, aber viel Hoffnung macht das Diktum nicht gerade. Liesse sich die Demokratie denn nicht wenigstens ein bisschen verbessern?

Ein Test zum Abstimmen

Vor drei Jahren habe ich in einem Zeitungsbeitrag zum 1. August mal einen Vorschlag dazu gemacht. Wie wäre es, habe ich mich gefragt, wenn man jedem Abstimmungscouvert ein paar Quizfragen beilegen würde – zu den Themen, über die abgestimmt wird. Nichts Kniffliges, bloss Basiswissen, das man braucht, um die Vorlage überhaupt zu verstehen. Die Idee: Stimmzettel würden nur dann gewertet, wenn die Quizfragen richtig beantwortet wären. Ob das der Fall gewesen wäre, würden wir nie erfahren – es bräuchte also niemand beleidigt zu sein. Aber die Abstimmungsresultate wären hoffentlich weniger peinlich.

Leider harrt der Vorschlag auch nach drei Jahren immer noch der Umsetzung. Womöglich ist er nicht verfassungskonform oder er klingt zu verdächtig nach einer Verschwörung. Jedenfalls: Es wird wohl erst mal nichts daraus.

Dennoch: Es gibt Hoffnung

Ist also alles verloren? Müssen wir uns wirklich mit der Tatsache abfinden, dass 50 Prozent der Leute (Achtung, Mathematik!) nicht nur unterdurchschnittlich intelligent sind, sondern dass diese 50 Prozent, wenn sie sich zusammentun, das Land mit jedem erdenklichen Bullshit eindecken können?

Ich suche verzweifelt nach einem Grund, das nicht allzu tragisch zu finden. Etwas Trost finde ich in der Landwirtschaft. Dort ist Bullshit – also Kuhmist – als Dünger beliebt. Wer weiss – falls er in der Politik ähnlich wirkt, dann stehen wir am Ende doch vor einer blühenden Zukunft.

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2 Kommentare
  1. Dominik RIEDO, 17.08.2022, 11:40 Uhr

    Gute Idee, bei den Abstimmungen. Ich habe mal ganz allgemein einen Test vorgeschlagen, den man mit 18 oder so ablegen müsste, um zu zeigen, dass man die nächsten 5 oder 10 Jahre abstimmen darf, also zu Fragen, die zeigen, ob jemand überhaupt differenziert denken kann …

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  2. Hegard, 17.08.2022, 01:08 Uhr

    Nicht nur Bullshitt kann mann verändern,indem mann zB Biogas daraus macht und mehr daraus gewinnt. Auch ich sagte in meiner Jugend, Stimmen bringts nicht,die Alten bestimmen!Hab aber auch gemerkt,das die ältere Generation die Abstimmung meist gar nicht verstanden hatt.Aber aus Stolzer Schweizer an die Urne gegangen sind und die Jungen eine Faust im Sack gemacht haben, unterdessen bin ich auch Alt.
    Und finde es wiederholt sich immer wieder,dieser Generationen Gebahren.
    Aber auch die Extrem Apostel verändern sich,früher hat man vermeintliche Hexen verbrannt.
    Früher ist mann mit Feusten aufeinander losgegangen,heute zieht mann eine Knarre!Ich habe auch den Platzspitz gesehen,mit der Hippizehne aufgewachsen,es wiederholt sich immer wieder in einer anderen Form. Auch Herman Hesse(mit 16J meine Bibel)hat das in seinen Romanen beschrieben.
    Nur der Technische Vortschritt verändert sich immer schneller.
    Ich habe das erste Händy,(Marke;Natel) im Aktenkoffer für 10’000.- erlebt und Heute hat mann im Smartpfohne ca 1000.-einen besseren Rechner als in den 70er(3 Zimmer Gross) Jahren.Und so erlebt jeder den Vortschritt seiner Generation

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