Was die Medien über die Salle Modulable berichten werden
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Die Zeitungen sind momentan voller «Salle Modulable» (Bild: Copyright by AURA )

Mario Stübi Was die Medien über die Salle Modulable berichten werden

4 min Lesezeit 1 Kommentar 13.07.2016, 08:36 Uhr

Sie lesen im Folgenden einen fiktiven Artikel aus irgendeinem Luzerner Medium, wie er am Tag nach der parlamentarischen Debatte über die Salle Modulable erscheinen könnte. Dieser basiert nicht etwa auf einem Informationsvorsprung meinerseits, sondern ergibt sich aus öffentlich bekannten Tatsachen sowie persönlichen Einschätzungen zu diesem Projekt. Aber lesen Sie selbst:

Keine Volksabstimmung: Salle Modulable scheitert bereits im Stadtparlament

Nach langer Debatte tritt der Grosse Stadtrat nicht auf das Geschäft Salle Modulable ein, sondern weist es zur Überarbeitung zurück. Damit ist die Vision eines modularen Theaterhauses auf dem Inseli bereits Geschichte, noch bevor sich der Souverän dazu hat äussern können.

Luzern, 30.9.16 – Das Stadtluzerner Stimmvolk ist seit Monaten davon ausgegangen, dass es am 27. November an der Urne gefragt werde, ob es eine Salle Modulable möchte oder nicht. Zwar wollten im Verlaufe des Sommers – wenn man beiläufig Gesprächen in Cafés und Badis gelauscht hat – immer weniger an ein Ja glauben, aber dass es schon an der Ratssitzung des Stadtparlaments mit dem Mega-Bau bachab gehen könnte, damit haben nur wenige gerechnet. Was ist gestern passiert?

Wertschöpfung versus undemokratischer Prozess

In der Eintretensdebatte über den Projektierungskredit zum neuen Theatergebäude äussern sich neben den sechs Fraktionssprechern (allesamt Mitglieder der eigens für dieses Projekt gewählten Spezialkommission) auch diverse Parlamentarier mit teilweise emotionalen Einzelvoten.

FDP und SVP betonen gleichsam «Quantensprung» und «Wertschöpfung» für die ganze Region Luzern, ohne den Finanzen zu starke Beachtung zu schenken. Die Grünen bemängeln gemeinsam mit der SP den «nicht mehrheitsfähigen» Standort Inseli sowie den «undemokratischen» Prozess um die Schenkung mit Auflagen des verstorbenen Mäzenen Christof Engelhorn.

Nicht ganz schlüssig wird man aus der Meinung der CVP, wohl aufgrund der widersprüchlichen Haltung ihrer Kantonalpartei, welche vor den Sommerferien angesichts der desaströsen Finanzaussichten des Kantons ein Ausgabenmoratorium gefordert hat (welches auch die Salle Modulable betreffen würde). Keine einfache Rolle in der ganzen Szenerie hat überdies Stadtpräsident Beat Züsli, der das Dossier erst vor wenigen Wochen von seiner Vorgängerin Ursula Stämmer übernommen hatte.

«Die monatelange öffentliche Debatte hat allseits Erschöpfung hinterlassen.»

Abweichler, Abwesende und ein Befangener

In der Abstimmung dann offenbart sich eine geschlossene Linke gegenüber einer zersplitterten bürgerlichen Ratsseite (als stellvertretendes Beispiel SVP-Grossstadträtin Lisa Zanolla, welche als Määs-Schaustellerin verständlicherweise kein Interesse an einem überbauten Inseli hat).

Eine kurzzeitig aufflammende Diskussion über die Befangenheit von Stefan Sägesser (GLP-Ratsmitglied und kantonaler Kulturchef), der seines Zeichens mitten im Boot der Projektierung sitzt, wird durch seinen freiwilligen Ausstand jäh beendet. Auch die beiden aus beruflichen Gründen abwesenden FDP-Parlamentarier hätten das Ruder nicht mehr rumreissen können.

Der Rat tritt nach einer Abstimmung per Namensaufruf nicht auf das Geschäft ein, womit der enge Zeitplan des Projekts definitiv nicht mehr eingehalten werden kann. Es ist offiziell: Die Salle Modulable wird niemals gebaut werden.

«Schon morgen Vorschlag für eine Alternative»

Die Enttäuschung ist den Unterstützern des neuartigen Theaterhauses im Anschluss an die Debatte anzusehen. Freuen mag sich auf Seite der «Verhinderer» indes ebenso niemand, schliesslich hat die monatelange öffentliche Debatte allseits Erschöpfung hinterlassen.

Von einem Scherbenhaufen mögen aber nicht alle sprechen: «Schon morgen werden wir unseren Vorschlag für eine Alternative der Neuen Theater Infrastruktur öffentlich machen», kündigt Grüne-Fraktionschefin Korintha Bärtsch an.

Der Stiftungspräsident teilt aus

Bis zuletzt an die Salle Modulable geglaubt hat Hubert Achermann, Präsident der gleichnamigen Stiftung. Er ist sichtlich konsterniert nach der Ratsdebatte, die er als Zuschauer mitverfolgt hat, und kann nicht glauben, was für eine Chance hier die Politik willentlich sausen lässt. «Ich falle aus allen Wolken. Regierung und Parlament haben es tatsächlich verpasst, ein wohlwollendes Geschenk anzunehmen und in ein visionäres Haus für alle zu verwandeln», so Achermann.

Darauf angesprochen, entgegnet Stapi Züsli trocken: «Wenn es dem Trust und damit den Engelhorn-Erben tatsächlich um die Realisierung eines von der breiten Bevölkerung akzeptierten Theaterhauses gegangen wäre, hätten sie der Politik nicht so ein enges Zeitkorsett vorgegeben.»

«Der Trust war zu keinem Zeitpunkt willens, Geld für dieses Haus auszugeben.»

Ging es dem Trust jemals um die Realisierung des Projekts?

Der Stadtpräsident spricht damit einen wunden Punkt des Projekts an. Eigentlich ist diese Rückweisung im Verlaufe eines politischen Prozesses nicht mehr als ein Wink an den Stadtrat, dass er eine Vorlage nochmals überarbeiten bzw. verbessern und einige Monate später erneut dem Parlament vorlegen soll.

Genau das wird hier aber durch die Initianten der Salle Modulable selber verhindert. Denn ab dem jetzigen Zeitpunkt ist es der Politik nicht mehr möglich, den vom Trust vorgegebenen engen Zeitplan zur Realisierung des Projekts einzuhalten, wenn denn die 80-Millionen-Schenkung dafür verwendet werden soll.

Der langjährige Luzerner Kulturaktivist Sandro Hofstetter, der ebenfalls in den Zuschauerrängen sass, spricht nach Sitzungsende aus, was viele in diesem Zusammenhang schon lange gedacht haben: «Der Trust war zu keinem Zeitpunkt willens, Geld für dieses Haus auszugeben. Warum hätte er sonst jahrelang gegen die Stiftung prozessiert und damit sinnlos geschätzte 40 Millionen Franken verbraten? Seien wir ehrlich: Die Erben von Christof Engelhorn waren schon immer scharf auf diese Kohle und nach seinem Tod wollten sie um jeden Preis verhindern, dass davon irgendwas in einem Kulturtempel verbaut wird.»

Mission offenbar erfüllt, denn nach dem Schiffbruch dieser fast zehnjährigen Odyssee um die «geschenkten» Engelhorn-Millionen fliessen diese also definitiv nicht in den Hafen des Inseli, sondern direkt aufs Konto der Erben.

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1 Kommentare
  1. Beat Stocker, 26.07.2016, 19:19 Uhr

    Rhetorische Frage an Mario Stuebi: warum wohl blenden Sie das eklatante Versagen des Stadtrats bei der Standortwahl aus? – Es ist doch so praktisch, den Sündenbock allein beim Trust zu orten, um von Kritik an der eigenen SP-Stadtraetin abzulenken. Sehr durchschaubar! Der Stadtrat hätte trotz Arup- und Basler-Auftragsstudien den Motorboothafen wählen können. Und Herr Engelhorn war gemäß gut unterrichteter Quelle sogar mit dem Standort Lidoparkplatz einverstanden! Leider finde ich weder bei zentralplus noch bei der LZ einen Artikel darüber, warum der Stadtrat den Lidoparkplatz verworfen hat. Leider erinnere ich mich nicht mehr, aber vielleicht kann Mario Stuebi oder z+ nachliefern?

2021-01-27 19:25:44.975888