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Über das Kunstschaffen, das nichts mit der Kreativwirtschaft zu tun hat…
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Trotz vieler Ähnlichkeiten lassen sich die Kreativwirtschaft und das Kunstschaffen nicht vergleichen. (Bild: sic! Raum für Kunst. Montage: yb)

Nadine Wietlisbach Über das Kunstschaffen, das nichts mit der Kreativwirtschaft zu tun hat…

4 min Lesezeit 07.08.2014, 16:47 Uhr

…oder warum Jay Z und sein Picasso Baby besser zu Hause bleiben.

…oder warum Jay Z und sein Picasso Baby besser zu hause bleiben

Im Juni fand in der Kornschütte die Ausstellung Luzerner «Kreativwirtschafts-Werkschau» statt. Im Vorfeld wurde auch sic! Raum für Kunst eingeladen, sich zu bewerben. Als unabhängiger Kunstraum haben wir bewusst unsere Unterlagen nicht eingereicht. Einmal mehr wurde mir bewusst, wie wenig sich verschiedene Sparten und vor allem die unterschiedlichen Bedingungen der Kunst- und Kulturschaffenden und jene der Designschaffenden vergleichen lassen. Trotz vieler Überschneidungen und einem Gefühl der Zusammengehörigkeit.

Die Frage nach Wirtschaftlichkeit stellt sich in der bildenden/visuellen Kunst auf anderen Ebenen, als dies vielleicht im Designbereich der Fall ist. Seit Beginn der Diskussion um die Förderung der Kreativwirtschaft wird die Zurechnung der bildenden/visuellen Kunst heiss diskutiert; ich bin der Meinung, dass der Kunstmarkt dazu gehört. Nicht aber zwingend alle Akteurinnen und Akteure, die im Feld der visuellen Kunst tätig sind.

Galerie vs. Kunstraum 

Galerien und Kunsträume mögen von aussen vielleicht ähnlich aussehen, sich ähnlich «gestalten», aber die Arbeitsweisen, Visionen und Ziele unterscheiden sich grundlegend. Galerien investieren Zeit und Geld in den Aufbau und Ausbau einer KünstlerInnenkarriere, ihr erklärtes Ziel ist neben der Vermittlung von Kunst vor allem der Verkauf an private Sammlerinnen und Sammler, an Banken, Versicherungen, an Institutionen wie Museen. Die Ziele eines unabhängigen Kunstraumes können sehr unterschiedlich sein, vor allem bieten sie Zeit für Dialoge und einen Ort, Neues zu wagen, experimentell zu arbeiten. Sie bieten jungen Kunstschaffenden die Möglichkeit, ihre Arbeit erstmals einer Öffentlichkeit vorzustellen. Profit lässt sich daraus nicht schlagen und das ist gut so: Die Kunst braucht Raum, sich ohne den Druck der Rentabilität entfalten zu können. Eine Galeristin benötigt einen anderen «Werkzeugkoffer», als die Kuratorin in einem Kunstraum, einer Kunsthalle oder einem Museum. Gute Galeristinnen und Galeristen sind vor allem auch gute Händlerinnen und Händler.

Unabhängige Kunsträume, wie in Luzern beispielsweise der Ausstellungsraum Tribschenhorn oder sic! Raum für Kunst, sind keine Galerien und können demnach nicht unter dem Schirm des Kunstmarktes – der als Teil zur Kreativwirtschaft (zumindest in der Ausschreibung zur Ausstellung in der Kornschütte) gezählt wird – versammelt werden. Es gibt in Luzern Galerien, wenn auch nur noch sehr wenige und eine einzige, die international tätig ist, die Galerie Urs Meile.

Der Kunstmarkt ist verrückt

Der Kunstmarkt ist ein komplexes Gebilde bestehend aus einer Vielzahl von Teilmärkten, an deren Spitze Galerien und Kunstschaffende Unsummen verdienen können. Diese Spitze des Eisberges ist aber ungeheuer klein; ein Grossteil der in der Schweiz – und vor allem in der Innerschweiz – tätigen Künstlerinnen und Künstler im Bereich bildende/visuelle Kunst leben nicht von ihrer künstlerischen Produktion. Das Bild, welches besonders seit Kunst hip und glamourös ist, in den Medien zirkuliert, vermittelt nur einen verrückten Teil dieser Welt; an Auktionen werden Werke in Millionenhöhe verkauft, Jay-Z rappt im weissen Würfel des Galerieraumes und Damien Hirst installiert eine Webcam, wodurch man das Geschehen in seinem Atelier mit fast hundert Mitarbeitenden beobachten kann.

Woher kommt das Geld?

Bildungseinrichtungen wie Hochschulen lehren was man sich einhandelt, wenn man mit dem Titel Bachelor of Arts in Fine Arts abschliesst und verführen dabei gerne zu einer hohen Erwartungshaltung. Nur die allerwenigsten Abgängerinnen und Abgänger werden es schaffen, je von ihren Kunstverkäufen leben zu können. Wie man mit dieser Tatsache umgehen kann? Indem man sich alternative Arbeitsmodelle schafft und sich klar für die Haltung entscheidet, dass man Freiheit nicht kaufen, sondern sich schaffen kann. Neben Talent und Arbeitswut braucht es vor allem viel viel Glück – das man nicht lenken kann. Es gibt kein Rezept, wie man als Kunstschaffende kommerziell erfolgreich sein kann UND gleichzeitig in (Ausstellungs-) Institutionen präsent bleibt. Denn das eine hängt mit dem anderen nicht zwingend zusammen: Viele Künstlerinnen und Künstler, die gute Ausstellungen bestreiten – und/oder auf Mega-Events wie der Biennale vertreten sind – können nicht vom Verkauf ihrer Arbeiten leben. Mit Qualität hat das oft überhaupt nichts zu tun.

Warum sollen Arbeiten oder Projekte aus der Kreativwirtschaft, die bereits durch einen Kunden entgolten werden, zusätzlich finanziell unterstützt werden? 

Wenn sich nun Gestalterinnen und Gestalter aus dem Designbereich dafür aussprechen, dass die Kreativwirtschaft mehr finanzielle Unterstützung verdiene, möchte ich ein Veto einlegen: Warum sollen Arbeiten oder Projekte, die bereits durch einen Kunden entgolten werden, zusätzlich finanziell unterstützt werden? Wenn die Wirtschaftsförderung Gelder investieren kann, umso besser – die Töpfe der städtischen und kantonalen Kulturförderung anzuzapfen, soll auch in Zukunft primär den Kunst- und Kulturschaffenden jener Sparten möglich sein, die kaum oder nur sehr wenige Möglichkeiten haben, ihre Werke kostendeckend oder gewinnbringend weiter zu geben. Anders sieht es aus mit der Unterstützung ideeller Natur: Kommunikation nach aussen kostet viel Geld – von dieser Form der Unterstützung sollen und können alle Sparten profitieren dürfen.

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