Salle Modulable – für eine Finanzdiskussion ohne Scheuklappen
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Reto Ambauen Salle Modulable – für eine Finanzdiskussion ohne Scheuklappen

5 min Lesezeit 1 Kommentar 06.07.2016, 10:14 Uhr

Luzern versteht sich auf das Realisieren grosser Bauprojekte: Unter anderen sind das KKL, ein neues Fussballstadion und die Uni in den letzten zwei Dekaden gebaut worden. Gehen wir also davon aus, dass die Salle Modulable alle Hürden nehmen wird.

Luzern versteht sich auf das Realisieren grosser Bauprojekte: Das KKL, der Südpol, ein neues Fussballstadion, die Uni und neue Messehallen sind in den letzten zwei Dekaden gebaut worden. Neue Gebäude für die Hochschule und für die Verwaltung sind in Planung oder bereits in der Bauphase. Gehen wir also – als Gedankenspiel – davon aus, dass die Salle Modulable alle Hürden nehmen wird, und dass sie ebenfalls errichtet wird.

La volià – la Salle!

Meine Überlegungen wenden sich bewusst nicht dem Standort, den Baukosten, den engen zeitlichen Vorgaben der Vergleichsvereinbarung zwischen Butterfield Trust und Stiftung Salle Modulable noch den Inhalten des neuen Kulturhauses zu. Nachgedacht werden soll über die Folgekosten, die bei einem solch ambitionierten Unternehmen anfallen können.

Das heutige Luzerner Theater erhält von der öffentlichen Hand rund 24 Millionen Franken. Für den Unterhalt, Betrieb und die Produktionskosten der Salle Modulable wollen Stadt und Kanton neu jährlich 31 Millionen Franken zur Verfügung stellen, rund 7 Millionen Franken mehr als bis anhin.

Künstlerischer Anspruch

Das ist viel Geld, bedeutet aber letztlich nur eine minimale Erhöhung der öffentlichen Zuwendungen, wenn man bedenkt, um wie viel grösser der Neubau, im Vergleich zum heutigen Luzerner Theater, geplant ist. Die Salle Modulable ist ein Musiktheaterhaus mit ganz anderen räumlichen Dimensionen und mit einem hohen künstlerischen Anspruch.

Das Luzerner Theater kann seine kulturellen Dienstleistungen heute zum genannten Betrag nur deshalb zur Verfügung stellen, weil das Theater an der Reuss über langjährige Erfahrung in der Betriebsführung seines Hauses besitzt und weil die Betriebsabläufe straff und optimiert organisiert sind.

Auf Weltklasse-Niveau

Die neuen Möglichkeiten, die das grössere Kulturhaus bietet, wird die Kulturschaffenden beflügeln. Sie werden diese Möglichkeiten ausschöpfen wollen. Das wird neue Begehrlichkeiten wecken. Die Produktionen werden dadurch bestimmt nicht kostengünstiger werden.

Der Unterhalt der aufwendigen technischen Infrastruktur wird massiv teurer werden. Die Administrativ-, Personal-  und Reinigungskosten werden ansteigen. Orchester und Musiktheaterchor sollen personell aufgestockt werden, denn es sollen Musiktheaterproduktionen auf Weltklasse-Niveau produziert werden.

Folgekosten

Alles wird neu und vieles unbekannt sein. Zusätzliche höhere, heute noch unbekannte Folgekosten sind bei einem Projekt dieser Grössenordnung aber nicht auszuschliessen. Die allererste nicht gelungene Einschätzung der Kosten haben wir bereits vor uns. Der Projektierungskredit für die Salle Modulable ist mit 12 Millionen Franken fast doppelt so hoch, als veranschlagt.

Das hat nichts mit bösem Willen oder Unfähigkeit zu tun. Bei einem so komplexen Projekt liegt das in der Natur der Sache. Die Politik und die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger erwarten finanzielle Gewissheit über die Projektkosten, die letztlich nicht zu haben ist (Reto Ambauen berichtete).

«Ein Vergleich lässt die Vermutung zu, dass 31 Millionen Franken jährlich nicht reichen werden.»

Den Sprung wagen

Luzern ist nicht Zürich. Trotzdem sei der Blick auf die Kulturausgaben von Stadt und Kanton Zürich erlaubt. Dies deshalb, weil die Salle Modulable bezüglich Grösse und erwünschter künstlerischer Qualität einen Quantensprung wagen und in eine neue Dimension vorstossen will.

Die Geschäftsberichte von Schauspiel- und Opernhaus geben folgende Auskunft: Die öffentliche Hand unterstützte 2014/15 das Schauspielhaus Zürich (Theater) mit 38’709’160 Franken und das Opernhaus (Ballet und Oper) mit 81’440’000 Franken.
Für den Dreispartenbetrieb seiner beiden institutionalisierten Theater (ohne freie Theater- und Tanzszene) geben Stadt und Kanton Zürich jährlich also rund 140 Millionen Franken aus.

31 Millionen reichen nicht

Dieser direkte Vergleich ist nicht legitim, werden doch damit verschiedene Häuser und Spielstätten betrieben. Trotzdem zeigt der Vergleich eine finanzielle Grössenordnung auf. Und er lässt die Vermutung zu, dass die 31 Millionen Franken jährlich nicht reichen werden, um den neuen Ansprüchen gerecht zu werden und um die neue Salle Modulable als neuen kulturellen Leuchtturm erfolgreich betreiben zu können.

Nun wird aber bereits um die zu erwartenden Betriebs- und Unterhaltskosten von 31 Millionen gefeilscht. Wie wenn wir heute mit Gewissheit wissen könnten, dass die Salle Modulable dereinst im Betrieb so viel kosten wird.

Dieser Betrag sei zu hoch und soll während der weiteren Planung gesenkt werden. Das mag politisch legitim und klug sein, da, in Anbetracht der überaus angespannten Staatsfinanzen, ein solcher Betrag Stadt und Kanton starke Kopfschmerzen bereitet.

Nur hilft diese Diskussion der Salle Modulable nicht auf die Beine.

«Wir dürfen vor möglichen höheren Betriebskosten nicht die Augen verschliessen.»

Luzern will einen Rolls-Royce

Wenn wir uns einen Rolls-Royce leisten wollen, müssen wir dazu auch die finanziellen Möglichkeiten haben und bereit sein, langfristig Geld für das Benzin zur Verfügung zu stellen. Und wir müssen bereit sein, bei Bau und Betrieb mit finanziellen Unwägbarkeiten zu leben. Letztlich wird erst das Leben, sprich der Betrieb der Salle Modulable zeigen, ob man mit 31 Millionen Franken jährlich auskommen wird, ob die Zukunft, die aus vielen unvorhersehbaren Faktoren besteht, sich so verhält, wie wir uns das wünschen und vorgestellt haben.

Eine weitere Planung der Salle Modulable macht nur Sinn, wenn auch erhöhte Betriebskosten kein Tabu sind und zur Diskussion gestellt werden können. Bereits das Kulturhaus Südpol wurde 2008 mit zu knappen Betriebsmitteln ausgestattet. Die Leistungsvereinbarung konnte glücklicherweise nach sieben Betriebsjahren endlich nach oben korrigiert werden.

Zu knapp bemessene Betriebsmittel

Dieser Denkfehler sollte diesmal nicht wiederholt werden. Zu knapp bemessene Betriebsmittel könnten die Salle modulable in ihrem Betrieb nicht nur einschränken, sondern sogar gefährden. Und welche Auswirkungen eine unterfinanzierte Salle modulable auf den Kulturplatz Luzern haben würde, darüber liesse sich weiter nachdenken.

Wenn wir die Salle Modulable wollen, sind wir aufgefordert, genau hinzuschauen. Wir dürfen vor möglichen höheren Betriebskosten nicht die Augen verschliessen. Die werden nämlich nicht dadurch kleiner, weil wir sie nicht zu denken wagen.

Das sind unangenehme und schwierige Vorgaben. Wenn die Salle Modulable realisiert und ein Erfolgsprojekt werden soll, müssen wir uns diesen Vorgaben stellen. Dafür sind politische Mehrheiten zu gewinnen. Und das ist bestimmt keine einfache Aufgabe.

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1 Kommentare
  1. Beat Stocker, 06.07.2016, 20:39 Uhr

    Danke, Herr Ambauen, für den Kostenvergleich mit Zürich. Die Projektoren der Salle Modulable wollen aber viel höher hinaus, auf führendes internationales Spitzenniveau. Massstab sind nicht Zürich, sondern London, New York (je 8,5 Mio. Einwohner), Sidney und Toronto (je 5 Mio.). Nachzulesen in der Arupstudie. Das ist keine unangenehme und schwierige, sondern eine unmögliche, schlicht und einfach größenwahnsinnige Vorgabe. Und ein Affront für die Luzerner Theaterszene, die gegen internationale Gastspiele auf diesem Kostenniveau keine Chancen hat. Seien wir realistisch und verzichten wir auf die erpresserischen 80 Mio. Illusionen und Träume führen für die Luzerner Theaterszene ins Desaster.

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