Nur so hat die Salle Modulable Chancen jemals gebaut zu werden
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Möglicher Standort für die Neue Theater Infrastruktur: Die grüne Wiese neben der Jesuitenkirche (Bild: Emanuel Ammon/AURA)

Mario Stübi Nur so hat die Salle Modulable Chancen jemals gebaut zu werden

3 min Lesezeit 15.03.2015, 09:57 Uhr

Was passiert hinter den Kulissen bezüglich Neue Theater Infrastruktur? Mario Stübi weiss es und liefert den Verantwortlichen auch gleich einen Vorschlag für das weitere Vorgehen. 

Häppchenweise erfährt der Luzerner Medienkonsument da und dort, was hinter den politischen Kulissen bezüglich Neue Theater Infrastruktur (NTI) formerly known as Salle Modulable vorabgeklärt, geplant und ausgearbeitet wird. Vor allem der Standort dieses 120-, äh sorry, 80-Millionen-Baus wird dabei heiss gehandelt, obschon unter den Entscheidungsträgern die Lücke zwischen Luzerner Theater und Jesuitenkirche bereits erstaunlich breit abgestützt ist. Dies hat unlängst die Debatte im Stadtparlament über ein entsprechendes FDP-Postulat gezeigt.

Nostalgische Gefühle fürs «Stadttheater»

Trotz der räumlichen Reduktion des ursprünglichen Salle Modulable-Projekts (die Musikhochschule ist nicht mehr Teil des Gebäudeplans, die steht voraussichtlich 2019 neben dem Südpol) scheint ausgeschlossen, dass das jetzige Gebäude des Luzerner Theaters – nennen wirs liebevoll-historisch Stadttheater – diesen Neubau überleben wird, rein aus Platzgründen. Wirklich? Werden da nicht die nostalgischen Gefühle der Stimmbevölkerung für diesen 175-jährigen Bau vergessen. 

Boa plante Volkshaus

In diesem Zusammenhang bekommt das Volkshaus-Konzept der IKU Boa von 2010 wieder Aufwind. Darin wird einem Abriss des Stadttheaters zünftig Wind aus den Segeln genommen. Vielmehr soll das Gebäude der nicht-kommerziellen Kultur zur Verfügung gestellt werden, damit diese im Stadtzentrum wieder den Platz erhielte, der ihr zustünde. Hauptargument ist dabei der alt bekannte Kulturkompromiss.

Engelhorn-Spende finanziert nur Bau, nicht Betrieb

Apropos Volksabstimmung, davon dürfte es mindestens zwei geben, wie vor einem Monat Hugo Bischof in der Neuen Luzerner Zeitung richtig erkannt hat. Wie sind diese zu gewinnen? An dieser Stelle breche ich eine Lanze für die Gedankengänge der IKU Boa. Für die Ansprüche des Luzerner Theaters mag deren Haus tatsächlich nicht mehr tauglich sein. Ich habe aber äusserst Mühe damit, eine funktionierende Kulturinfrastruktur einfach so dem Erdboden gleich zu machen, damit daneben ein zwar wunderbar ausgerüsteter Saal der Top-Liga seinen Betrieb aufnehmen kann und dessen Bau voraussichtlich durch die Engelhorn-Spende finanziert ist, keineswegs aber seine weiterhin durch Steuergelder finanzierten Betriebskosten. Und die werden, wie man da und dort aus den politischen Nähkästchen hört, mit der NTI so oder so höher sein als bis anhin.

Vorbilder Progr und Palace

Ich bin so frei und schlage den Projektverantwortlichen folgendes Vorgehen vor: Das Raumkonzept der Salle Modulable wird so dimensioniert, dass es in die Lücke an der Reuss passt, ohne das aktuelle Theatergebäude zum Abbruch zu zwingen. Das Stadttheater wiederum wird erhalten, ausgeschrieben und einer nicht gewinnorientierten (und durchaus noch zu gründenden) Institution zur Dauernutzung zur Verfügung gestellt, ohne Miete, Nebenkosten oder Subventionen, aber mit Übernahme von Sanierungskosten, wenn sie früher oder später anfallen werden (derzeit ist das Haus ja noch gut im Schuss). Vorbild könnten Institutionen wie Progr (Bern) oder Palace (St. Gallen) sein, wie sie im Volkshaus-Konzept erwähnt werden.

Nur so haben Volksabstimmungen Chancen

Glaubt mir, so bleibt der aktuell herrschende kulturpolitische Frieden bewahrt und Luzern schlittert nicht in einen Notstand an Kulturraum (Ateliers, Ausstellungs- und Proberäume usw.) nach dem Ende der diversen Zwischennutzungen bzw. dem absehbaren Ende der Idylle im Industriestrasse-Areal. Mit diesem Vorgehen kommt bei der Stimmbevölkerung auch das höhere jährliche Betriebsbudget durch, obschon die Kulturmäzene Stadt und Kanton Luzern aufgrund eigenverschuldeter neoliberaler Steuersenkungspolitik dabei am Rande des Bankrotts agieren. 

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