Sprachpolizei als Auswanderungsgrund
Menschen mit Menstruations- und Phalluskörpermerkmalen

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Politisch unkorrekte Fasnachtsmaske Ende der 60er-Jahre. (Foto: ebe). (Bild: ebe)

Die neuen Sprach- und Schreibvorschriften der Gendersprachpolizei verhunzen Literatur und Lesbarkeit. Ängstliche (Selbst-)Zensur, Formulierungsunsicherheiten und Humorlosigkeit sind die Folge. Das Kind wird mit dem Bade ausgeschüttet.

Wenn ich meine Mutter anspreche, nenne ich sie entweder bei ihrem Vornamen oder ich nenne sie Mamma. Sie ist keine Menschin mit Menstruationshintergrund. Für sie ist es selbstverständlich, dass es getrennte Toiletten für Damen und Herren gibt. Wobei ich hier bereits unsicher bin, ob es politisch korrekt ist, wenn ich die Begriffe «Damen» und «Herren» verwende. Vielleicht fühlt sich da jemand bereits in seiner Identität verletzt, was so auch nicht formuliert werden darf, weil es Personen weiblicher Identität (oder Geschlechts?) nicht mitmeinen könnte, obwohl es so gemeint ist.

Kinder spielen Indianerlis: unstatthaft?

Die Fasnacht steht vor der Tür. Ich gebe zu, dass ich als 10-Jähriger an der Fasnacht eine Maske trug, die nach heutigen Kriterien politischer Korrektheit unstatthaft wäre. Und bestimmt einen Shitstorm des anonymen Social-Media- und Elfenbeinturm-Mobs auslösen würde.

Und ich gebe zu, dass ich es ablehne, mich öffentlich zu entschuldigen, Reue zu zeigen und mich selbst anzuklagen, weil ich vor über fünfzig Jahren zusammen mit Nachbarskindern «Räuber und Poli» gespielt und damit eine Opfergruppe diskriminiert haben könnte. Ganz zu schweigen davon, dass ich mich damals auch mal als Indianer oder als Gespenst verkleidet habe. Und ein Gespenst spielen, darf – politisch korrekt — heute nur, wer selber eines ist oder eine gespenstische Identität hat.

Mark Twains «Tom Sawyer und Huckleberry Finn» lesen: politisch unkorrekt?

Natürlich habe ich seinerzeit «Onkel Toms Hütte» gelesen und gestehe, dass mir das Buch damals den Ärmel reingezogen hat. Genauso wie Mark Twains «Tom Sawyer und Huckleberry Finn», Charles Dickens‘ «David Copperfield» oder Michael Endes «Jim Knopf und Lukas, der Lokomotivführer».

Diese Bücher stehen heute zusammen mit vielen anderen auf dem Index der selbsternannten Wächter von absoluter Moral und Tugend. Sie wähnen sich im Besitz unumstösslicher Wahrheiten und verstehen sich auch als allwissende Hüter der richtigen respektive als Bekämpfer der angeblich falschen, diskriminierenden Sprache und Literatur.

Wie sind Zeichensymbole auszusprechen?

Wenn ich mich nicht irre, besteht das Alphabet der deutschen Sprache aus Buchstaben, die Vokale und Konsonanten bezeichnen. Ich möchte hier keine sprachwissenschaftliche Abhandlung formulieren. Aber die Zeichen * (Stern), : (Doppelpunkt) oder _  (Unterstrich) stehen nicht für Vokale und Konsonanten. Doch wie soll ich sie aussprechen, wenn sie der Genderspeech in Fliesstexten einbaut?

Wenn da politisch korrekt geschrieben steht «Bürger*innenmeister*innen» oder «Influencer*innen» oder «Follower*innen» (obwohl das Englische eigentlich kein grammatikalisches Geschlecht kennt)? Soll eine Pause gemacht werden, wenn solche Texte vorgelesen werden? Wie lange soll diese gemäss Aussprachevorschrift sein? Eine Zehntelsekunde? Zwei Sekunden? Ach ja, das nennt sich jetzt «Gendergap». Deshalb werden ja auch zu Beginn von Ansprachen die Anwesenden mit «liebe Mitglieder*innen» angesprochen, denn alles, was auf die Silbe «-er» endet, muss ja männlich sein. Und alles, was auf -in endet, weiblich – im Englischen sowieso (was für meinen Vornamen bezeichnend ist).

Missverständliche Endungen ersetzen?

Deshalb darf man – Achtung, die Verwendung von «man» ist unstatthaft – nicht mehr «Mutter» sagen. Dieser Begriff oder Terminus oder Ausdruck beziehungsweise dieses Wort endet ja auf «-er». Aber darf man/frau noch «Vater» sagen, oder muss man nicht, analog zum politisch korrekten Wort «Mensch mit Menstruationshintergrund» für den heute nicht mehr statthaften Begriff «Mutter» nun beispielsweise für den ebenso unzulässigen Begriff «Vater» neu den Begriff «Mensch mit Zwischenbeinbaumelmittelglied» einführen? Weil an dieser Stelle des männlichen Körpers das gewisse Etwas baumelt?

Auch wenn Personen mit diesem «Etwas» ausgestattet sind, die eine weibliche Identität angenommen haben und deshalb nicht so bezeichnet werden dürfen? Und der Terminus «Mensch mit Erektionsmöglichkeitskörper» wäre ja unzulässig, weil nicht jeder vormals als «Vater» bezeichnete Mensch (hier wäre der Begriff «Mensch*in» nicht zulässig) erektionsfähig ist; also doch eher «Mensch mit Phallusinnenschwellhohlkörper»? Aber ist denn der Begriff «Mensch mit Menstruationshintergrund» nicht diskriminierend, weil es – ich bitte vorbeugend um Verzeihung, dass ich politisch unkorrekt diesen Terminus hier nochmals verwende – «Mütter» gibt, die aktuell keinen «Menstruationshintergrund» mehr haben?

Brüderchen und Schwesterchen: Verschwisterte?

In die gleiche Kategorie fallen auch die Wörter «Schwester» und «Bruder». Ein Bruder ist ganz klar ein Mensch mit biologisch gesehen männlichem Hintergrund, ausser, es handle sich um den Bruder einer Schwester, der sich aus Gründen seiner – bzw. ihrer – selbstbestimmten Identität als Frau hat eintragen lassen, was ja gesetzlich nun möglich ist und nichts mehr mit Biologie zu tun hat. Also ist der vormalige Bruder nun zur Schwester der Schwester geworden.

Aber die Endung -er deutet klar auf eine männliche Form hin, also müsste es sprachlich korrekt doch heissen: «Schwester*in»? Oder «Schwestin»? Oder wie wärs mit «Schwesta»? Vielleicht sollte man es so festlegen im Genderspeech-Regelwerk, das mittlerweile ja enzyklopädische Ausmasse angenommen hat, wie es beispielsweise für Studentinnen und Studenten der Brauch geworden ist: die Studierenden. Also: die Geschwisternden oder Verschwisterten. So sind die Verschwisterten die Nachkommen nicht ihrer Eltern, sondern ihrer Vorfahrenden, von Menschen mit Menstruations- und Phalluskörpermerkmalen, obwohl Kinder beiderlei Geschlechts und körperlich beeinträchtigte Mensch*innen sich durch diesen Begriff diskriminiert fühlen könnten.

Keine Kinder mehr, sondern Nachfahrende?

Also sollte man auch nicht von «Kindern» sprechen, sondern von «Nachfahrenden». So, wie ich in einer Bäckerei ja auf Produkte treffe, die diskriminierungsfrei von Backenden stammen, nicht von Bäckerinnen oder Bäckern. Und in der Metzgerei kaufe ich Würste von Metzgenden, auch wenn diese zurzeit vielleicht Feierabend haben und nicht mehr am Schlachten sind.

Mir ist es eigentlich wurst, aber Sie sehen, ich bin eine Koryphäe in Genderspeech. Und weil «Koryphäe» grammatikalisch weiblich ist, nenne ich mich biologisch korrekt ab sofort nicht mehr männlich Edwin, sondern weiblich Edwina, auch wenn die Endung «-in» – Sie wissen schon. Damit kann man mich wenigstens nicht grammatikalisch weiblich korrekt als «Memme» bezeichnen, denn diese Zuschreibung ist semantisch gesehen Personen männlichen Geschlechts vorbehalten.

Übrigens: laut NZZ ist der Schriftsteller Matthias Politycki letztes Jahr nach Wien ausgewandert, weil er «den jakobinischen Eifer der Sprachreiniger» mit ihrer «Umbegreifung der Begriffe» in Deutschland nicht mehr ertragen hat. Den Ausschlag gegeben hat ein Newsletter, in dem die Rückkehr der «Störchinnen und Störche» aus dem Winterquartier vermeldet wurde.

Glosse eines linguistischen Laien

Abschliessend möchte ich festhalten: Mein obiger Text ist die Glosse eines linguistischen Laien und keine wissenschaftlich korrekte Arbeit. Deshalb – und hier endet die Glosse – noch ein Hinweis auf einen Artikel der Sprachwissenschafterinnen Diewald und Nübling in der NZZ: «Genus ist eine innersprachliche grammatische Kategorie, Sexus ein aussersprachliches, biologisches Phänomen. Dazwischen liegen weitere Phänomene, innersprachliche und aussersprachliche, so dass die Genderlinguistik (…) vier Ebenen annimmt. Dies sind: das natürliche Geschlecht (a); die gesellschaftlich geltenden Genderstereotype (b); das semantische Geschlecht (c); das grammatische Geschlecht (d)». So wünsche ich allen Fussgehenden Karnevalteilnehmenden viel Spass.

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28 Kommentare
  1. franziska.roten, 24.02.2022, 13:42 Uhr

    Was für ein verbittertes, rückständiges, transphobes Stück Text.
    Erst mal informieren? Einlesen? Ja, aber bitte sich auch selber daran halten.

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  2. Richard Koechli, 23.02.2022, 23:01 Uhr

    Danke, Edwin Beeler, für den pointierten und humorvollen Text. Sam Pirellis Auftritt hier als Sprachpolizist spricht Bände – über die unsägliche Arroganz, für sich und ein paar wenige Prozente der demokratisch legitimierten Mitbestimmer:innen in Anspruch zu nehmen, exklusiv darüber entscheiden zu können, wohin die Reise unserer gemeinsamen Sprache geht. Ist es das, was aus dem 68er-Spirit geworden ist …? Für mich DIE Enttäuschung! Wenn ein Sprachpolizist (der abgesehen von Korrektor-Arbeiten keinen mir bekannten kulturellen Beitrag in Form eigenständiger Schriftwerke leistet) vollkommen humorlos wie ein Bünzli einem unerreichbaren Ideal politischer Korrektheit nacheifert – wird er erstens nicht glücklich, und zweitens am Ende sehr verbittert sein, wenn er merken wird, dass sich kulturelle Veränderungen nicht mit dem Holzhammer einer Minderheiten-Diktatur erreichen lassen. Jedenfalls nicht, wenn sie nachhaltig sein sollen.

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  3. Sam, 22.02.2022, 14:22 Uhr

    Ignorant, reaktionär – enttäuschend. Es gäbe gute Literatur zum Thema. Früher hätte man sich erst immerhin minimal eingelesen, ehe man sich zu einem Thema äusserte.
    Und den eigenen Absolutheitsanspruch als «Glosse» zu bezeichnen, schützt nicht vor Kritik, sondern wirkt bestenfalls erbärmlich.
    Si tacuisses, Edwin, si tacuisses.
    Und dann solcher, nie auch nur eine Sekunde durchdachter Habakuk: «Wenn da politisch korrekt geschrieben steht ‹Bürger*innenmeister*innen› oder ‹Influencer*innen› oder ‹Follower*innen› (obwohl das Englische eigentlich kein grammatikalisches Geschlecht kennt)?»
    Ein Wort, das deutsch dekliniert wird, ist ein deutsches Wort. Was masst man sich an, sich über ein solches Thema auszulassen, wenn einem tatsächlich jeder Hauch von linguistischer Sachkenntnis abgeht? Sagst du im Plural «die Influencer»? Voilà, deutsches Wort! Denn sonst wären es «die Influencers». Steht aber wie «Follower» halt schon im Duden, drum ist es Deutsch.
    Die Pause übrigens nennt sich stimmloser glottaler Plosiv oder Glottisschlag. Kannst du «Spiegelei» aussprechen? Oder «beachten»? Grandios, du hast die Pause schon gemeistert!
    Man kommt übrigens ab vom Genderstern, denn der trennt das Suffix weit vom Stamm ab, wirkt aufdringlich im Schriftsatz und wird von Screenreadern für Blinde nicht erkannt – man setzt deswegen Doppelpunkt (oder wie im französischen Sprachraum Mediopunkt, wie in «linguistische Komplettignorant·innen»).
    So wenig hätte es gebraucht, sich als halbwegs kompetent darzustellen …

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    1. Sam, 22.02.2022, 14:33 Uhr

      Allen, die immer noch meinen, das generische Maskulinum bilde die Wirklichkeit ab, es reiche durchaus, sei «Das Deutsche als Männersprache» der eminenten Luise F. Pusch empfohlen. Ein Standardwerk – seit bald 40 Jahren.
      Und sie mögen in ihrem Umfeld ein Experiment machen: Fragt einige Bekannte nach ihren fünf Lieblingsmusikern. Und dann fragt eine Kontrollgruppe nach ihren fünf Lieblingsmusiker·innen (ihr dürft auch «Musikerinnen und Musiker» sagen). Dann vergleicht die Ergebnisse.

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    2. adrian.venetz, 22.02.2022, 15:23 Uhr

      Eine grosse Mehrheit der Schweizer (und Schweizerinnen!) lehnt diesen Unsinn ab. Wurde schon hinlänglich dargelegt. Alle reaktionär? Alle ignorant? Natürlich. Üben Sie ruhig Ihre Glottischläge und weisen Sie uns Amateuren den richtigen Weg.

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      1. Sam P., 22.02.2022, 15:45 Uhr

        Ich bezog mich auf diese «Glosse».
        Aber ja, ich halte auch die Ablehnung für ignorant und reaktionär. Aufhalten lässt sich die Entwicklung allerdings nicht mehr, dafür sorgt nur schon die Jugend. Und alle Älteren mit funktionierendem Sprachgefühl.

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    3. Edwin Beeler, 22.02.2022, 20:06 Uhr

      Lieber Sam Pirelli
      Wir kennen uns flüchtig von der Zeit der «alten» Boa her; ich erinnere ich an Debatten, als Raucher aus ideologischen Gründen vehement dagegen protestierten, dass die «Viper» sich von einer bekannten Tabakfirma sponsoren liess. Die «Viper» ist damals nach Basel abgewandert und dort leider untergegangen.
      Ich schätze Deine «linguistische Sachkenntnis», die Du mir absprichst. Nun, beim Formulieren meiner «Glosse» habe ich auf entsprechende Beispiele zurückgegriffen und mich unter anderem inspirieren lassen von Josef Beyer (emeritierter Professor für allgemeine und germanistische Linguistik an der Universität Konstanz), Ewa Trutkowski (promovierte Sprachwissenschafterin), Gabriele Diewald (Professorin für germanistische Linguistik), Damaris Nübling (Professorin für historische Sprachwissenschaft), Eugen Ruge (Schriftsteller und Übersetzer), Rasha Khayat (Schriftstellerin und Übersetzerin), Matthias Politycki (Schriftsteller), Nicoletta Wagner (Schweizer Vertreterin im Rat für deutsche Rechtschreibung), Claudia Mäder (Journalistin), Martin Ebel (Journalist), Judith Sevinç Basad (freie Journalistin und Publizistin), Alexander Kissler (Redaktor), Gerfried Ambrosch (Literatur- und Kulturwissenschafter) usw. Die Hetzjagd gegen die britische Philosophin Kathleen Stock und andere Frauen, die in Freiheit Lehren, Forschen und Publizieren möchten/wollten, ist bekannt…

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      1. Sam P., 23.02.2022, 13:07 Uhr

        Hoi Edwin
        Du kannst namedroppen, wie du willst – kümmert mich nicht. Du wirst immer Dinosaurier·innen finden, die deine Ansicht stützen, und ich könnte dir Dutzende namhafte Linguist·innen nennen, die Gendern als notwendig sehen. Und es gibt natürlich Forschung zum Thema sonder Zahl – was beispielsweise das generische Maskulinum betrifft, sind die Effekte des konsequenten Totschweigens von Frauen wohlbekannt. Zu den von dir erwähnten Namen lass mich dich zitieren: «Sie wähnen sich im Besitz unumstösslicher Wahrheiten und verstehen sich auch als allwissende Hüter der richtigen respektive als Bekämpfer der angeblich falschen, diskriminierenden Sprache und Literatur.» Dieser Satz steht auch exemplarisch für das erwähnte Totschweigen – es gibt für dich offenbar nur Männer, ausser natürlich, du kannst Frauen als «Argument» positionieren, wie in der Namensliste.
        Der ganze Text klingt nach «Sag mir, dass du ein alter weisser Mann bist, ohne zu sagen, dass du ein alter weisser Mann bist»; eine Gattung übrigens, zu der ich immerhin altersmässig auch zähle. Du hast ausschliesslich nach Quellen gesucht, die dich in deiner Ansicht bestätigen – ich gehe jede Wette ein, dass du deine These nicht zu falsifizieren versucht hast (sonst wüsstest du immerhin um den Glottisschlag). Und dabei sind dir sachliche Fehler unterlaufen, von denen ich einige oben angeführt habe.
        Ich bin Lektor und Korrektor EFA mit über 20 Jahren Berufserfahrung – und habe entsprechend allen Grund, auf meine Kompetenz und mein Urteil zu vertrauen. So weiss ich beispielsweise auch, das «Schwester» nicht auf -er endet, sondern auf das uralte Suffix -ter, das eine Verwandtschaftsbeziehung kennzeichnet; du findest es auch in «Mutter», «Tochter», «Vater».* Du hättest das leicht selber herausfinden können, aber du zogst es vor, ein billiges Witzchen zu machen (wie auch mit dem Glottisschlag). Doch was taugt Humor, der auf völlig falschen Prämissen beruht? Das ist intellektuelle Faulheit, im Dienste eines reaktionären Narrativs. Und das kann ich nun mal nicht ab.
        Sprache lebt; dass sie endlich inkludierender wird, ist uneingeschränkt zu begrüssen. Wandel ist nie einfach, und auch hier gilt es, einen gangbaren Weg zu finden («Mitglieder:innen» beispielsweise ist absurd – hat aber immerhin Wurzeln im Feminismus der Achtziger, wo von «Mitklit» und «Mitschlitz» die Rede war). Du aber verschliesst dich diesem Wandel vollends und bespielst gezielt ein Publikum, das genauso verhockt ist. Und das finde ich tatsächlich enttäuschend.

        * https://www.grin.com/document/108699

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      2. Edwin Beeler, 27.02.2022, 13:40 Uhr

        Lieber Sam Pirelli
        Schade, hast Du meine Glosse nicht wirklich gelesen, das kümmert Dich ja nicht. Aber Du weist auf Deine langjährige Erfahrung als Korrektor hin, wovon Du erwartest, dass es die Leserinnen und Leser kümmert. Zum Genderstern: den verwende ich teils durchaus, wenn ich es für angebracht halte – aber das kannst Du ja nicht wissen, weil Du meine Texte nicht liest, sondern nur kommentierst. Du meinst ja auch, mir meine Identität zuschreiben zu können. An Dein linguistisches Sprachgefühl, das Du für Dich reklamierst, kommt ein Germanist wie Peter von Matt natürlich nicht heran; der beantwortet die Frage, «Können Sie sich vorstellen, das Sternchen zu verwenden, um mehr Inklusion in Ihren Texten zu schaffen?», mit einem Wort: «Nein.» Und Anna Stern meint dazu: «Während ich total pro Inklusion bin, sehe ich in meinen literarischen Texten für das Gendersternchen momentan keinen Platz bzw. keinen Bedarf. Ich arbeite in meinem Schreiben stark mit dem Rhythmus, weshalb mich die nicht eindeutig geklärte Artikulation des Sternchens zögern lässt, dieses auch zu verwenden. Ich bin jedoch überzeugt, dass Literatur — und Kunst im Allgemeinen — Teilhabe und Akzeptanz auch mit anderen Mitteln erreichen beziehungsweise fördern kann, soll, ja sogar muss: Wo, wenn nicht in der Kunst, können wir alles ausprobieren; wo, wenn nicht in der Kunst, ist alles möglich.» (Quelle: TA, 28.3.2021)

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  4. Gruesse vom Einhorn Schlachthaus, 22.02.2022, 13:37 Uhr

    Wie absurd, krank und sektenhaft (und brandgefährlich) das Ganze ist, zeigt auch das Buch
    von Prof. John McWorther auf: Die Erwählten.
    Darin geht es zwar um den komplett fehlgeleiteten Begriff des ‹Antirassismus›, aber meiner Meinung nach gibt es hier diverse, wichtige und substanzielle Berührungspunkte.
    Es handelt sich gerade auch bei der Agenda Gendermainstreaming um eine ideologisch unterfütterte Gesellschaftsumformung, welche sich jeder naturwissenschaftlichen Sachlichkeit – leider mit ziemlich grossem Erfolg – resistent verwehrt!

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    1. Sam P., 22.02.2022, 15:04 Uhr

      Der heisst John McWhorter. Und wo genau äussert er sich zum Gendern in der deutschen Sprache?
      Und inwiefern tangiert Linguistik die Naturwissenschaft? Und denkst du nicht auch, dass eine Gesellschaft, die derart schnell und ungebremst auf den Abgrund zurast, tatsächlich der Umformung bedarf? Wo genau lässt sich in deinem Kommentar «Sachlichkeit» finden?

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  5. Paul Stopper, 22.02.2022, 13:15 Uhr

    Selten so gelacht. Treffender Beschrieb der absurden Diskussion um diese Sternchen.
    Liebe Frauen und Frauinnen, habt ihr keine anderen Probleme?
    Nur weiter so.

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    1. Die schöne Susie, 22.02.2022, 13:54 Uhr

      Ich bin Mannequin von Beruf und verlange, dass dies sofort eine neue Namin bekommt.

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  6. Urs Niederberger, 22.02.2022, 12:55 Uhr

    Toller Artikel. Fühle mich abgeholt. Dieses übertriebene Gendertum in Europa und in der Schweiz gibt mir sehr zu denken. Ich lebe hier seit drei Jahren auf den Philippinen. Die haben andere Probleme!

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    1. Sam P., 22.02.2022, 15:26 Uhr

      Dann findest du, wir sollten hier dieselben Probleme haben?
      Im Übrigen wird die inklusive Sprache auf den Philippinen ebenso diskutiert wie hier.
      Zum Beispiel: https://philstarlife.com/geeky/342880-filipino-language-sexism-buwan-ng-wika?

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  7. denouta, 22.02.2022, 12:22 Uhr

    Zwei gut gemeinte Tipps für Herr Beeler:

    1. Anglizismen verwenden! Die werden nicht gegendert. Passendes Beispiel: «Boomer»

    2. Zwischendurch mal das Fenster auf Kipp machen. Dieser verbitterte Text liest sich, als würde dringend etwas frische Luft benötigt

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    1. Hugo Ball, 22.02.2022, 13:48 Uhr

      Die krampfhaft verbissene und pathologische Verbitterung ist wohl eher auf der «anderen» Seite zu suchen und zu finden. Deshalb wird ja gerade äusserst umtriebig versucht, die Mehrheitsgesellschaft auf die Bedürfnisse einer exorbitanten Minorität vorzubereiten, umzupolen. Damit diese sich dann in der so neu entstandenen Gesellschaft ‹wohlfühlen› kann und nicht mehr an das Andersein erinnert werden muss, was offenbar einem schmerzlichen Vorgang gleichkommt. Kurzum: Die Mehrheitsgesellschaft soll sich den Bedürfnisse einem gesellschaftlichen Milieu unterwerfen, welches sich – gutgemeint – im Promillebereich bewegt.

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      1. denouta, 22.02.2022, 15:07 Uhr

        Es ist halt immer wieder spannend, wie sich Menschen über Dinge aufregen können, die sie A. nicht selber betreffen und B. nicht im geringsten in ihrem eigenen Leben einschränken.

        Und mit Verlaub: Für mich klingt die «Unterwerfung der Mehrheitsgesellschaft» im Bezug auf inklusive Sprache halt schon wieder ziemlich… naja… verbittert? Aber was weiss ich schon.

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      2. Sam P., 22.02.2022, 15:08 Uhr

        Klar. Frauen machen ja auch nur einen Promillebereich aus.* Lass dir mal von Emmy Hennings gehörig den Kopf waschen.

        * Ich gehe jede Wette ein, dass du das generische Maskulinum für absolut ausreichend hältst. Falls nicht, sag mir, inwiefern «Musiker·innen» nicht ökonomischer und eleganter ist als «Musikerinnen und Musiker».)

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      3. Sam P., 22.02.2022, 15:23 Uhr

        Lustig auch, dass du «sich in der Gesellschaft wohlfühlen» derart negativ konnotierst. Du sprichst also einer ganzen Gruppe rundweg das Recht ab, sich inkludiert zu fühlen. Was soll es denen auch wohl sein hier!
        Wie viele Promille/Prozent muss eine Gruppe ausmachen, dass sie für dich das Recht hat, Teil der Gesellschaft zu sein und nicht durch Sprache diskriminiert zu werden? Sagst du noch «N*ger»? Ich meine, sooo viele Schwarze gibts hier nun auch nicht.
        Man geht in der Regel von ein bis drei Prozent trans Menschen aus. Das könnten somit 260’000 sein in der Schweiz. Für dich immer noch zu wenig?
        Und du vergisst die vielen Hunderttausend, die Wert legen auf eine inkludierende Sprache. Wenn das für dich mit «Unterwerfung» zu tun hat, solltest du mit diesem Problem zu einer Fachperson.

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      4. franziska.roten, 24.02.2022, 17:00 Uhr

        Wer oder was genau ist diese «exorbitante Minorität»?

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    2. Edwin Beeler, 22.02.2022, 19:33 Uhr

      Lieber Herr den Otter
      Es freut mich, dass meine Glosse gelesen wird und kontrovers beurteilt wird. Gerne mache ich Sie darauf aufmerksam, dass ich in meinem Text keinerlei «Verbitterung» erkenne. Hingegen mag ich es, von guter Literatur reingezogen und in andere Welten entführt zu werden. Die Gendersprache mit den entsprechenden Zeichensetzungen reisst mich da meistens wieder aus diesem «Flow» raus. Bei Aufzählungen, Sachtexten und ähnlichen Texten hingegen habe ich mit der entsprechenden Zeichensetzungen keine Mühe. Hingegen sollte die deutsche Grammatik den Verfasserinnen und Verfassern von Texten in deutscher Sprache bekannt sein («Mitglied» beispielsweise ist grammatikalisch sächlich, Neutrum; die Wendung «Mitgliederinnen und Mitglieder» ist ganz einfach falsch. Mit den besten Grüssen

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      1. Edwin Beeler, 22.02.2022, 20:08 Uhr

        Bitte entschuldigen Sie meine Tipp- und Flüchtigkeitsfehler oben.

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    3. Richard Koechli, 24.02.2022, 11:21 Uhr

      „Anglizismen verwenden“, ein Allerwelts-Tipp, der wunderbar das Wesen des Sprachimperialismus› vorführt …

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      1. denouta, 25.02.2022, 00:45 Uhr

        Sprachimperialismus… wird ja immer besser hier. Aber ernsthaft: Zeiten ändern sich, Sprache ändert sich, und das ist gut so. Ihr werdet es bestimmt verkraften. Und falls nicht, existieren ja immer noch ein paar Jahrhunderte gesammelter Literatur ohne Gendersterne und dafür mit lustigen «s» die wie «f» aussehen und «y» wo wir heute «i» schreiben würden. Da könnt ihr auch wunderbar in Erinnerungen schwelgen, als Frauen noch Weibsbilder und Amerikanische Ureinwohner noch waschechte Indianer sein durften. Ich wünsche viel Spass dabei.

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      2. Richard Koechli, 25.02.2022, 11:53 Uhr

        Woher eigentlich diese Aggressivität, Simon den Otter? Wenn Sie als Problemlösung vorschlagen, vor unserer eigenen Sprache ins Englische zu flüchten, spielt Sprachimperialismus naturgemäss mit – diesen Spiegel werden Sie verkraften. Sprache kann und soll sich entwickeln, verfeinern, aber im Idealfall (sofern eine eigene Sprachidentität für Sie einen Wert darstellt) in sich – und nicht durch Unterwerfung einer andern, beherrschenden Sprache gegenüber. Für den Rest Ihres Kommentars erübrigt sich jeder Kommentar – die hybrisgetränkte „sämtliche Generationen vor Simon den Otter waren Deppen und Idioten“-Ideologie sickert unmissverständlich durch.

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      3. Richard Koechli, 25.02.2022, 17:15 Uhr

        Abgesehen davon funktioniert Ihr Trick „die Anglizismen sollen’s richten“ sowieso nicht, denn, wie Sam Pirelli betont: „Ein Wort, das deutsch dekliniert wird, ist ein deutsches Wort (und deshalb nicht mehr geschlechtsneutral, auch wenn es aus dem Englischen importiert wird)“ …

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  8. adrian.venetz, 22.02.2022, 12:03 Uhr

    Danke für den Beitrag, Herr Beeler. Das immer häufiger zu lesende «Mitglieder*innen» zeigt tatsächlich eindrücklich auf, wie die Sprachverdummung fortschreitet.

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