Mein Auftritt vor sechs Personen in einer Megger Villa
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Comedian Sergio Sardella weiss inzwischen: Die richtige Vorbereitung ist für jeden Auftritt die Grundvoraussetzung. (Bild: zvg)

Wie Sergio Sardella plötzlich eine Privataudienz gab Mein Auftritt vor sechs Personen in einer Megger Villa

3 min Lesezeit 3 Kommentare 27.04.2021, 11:02 Uhr

Immer wieder hat man auch als Comedian Lustiges oder Seltsames erlebt. In den mehr als 20 Jahren, in denen der Luzerner Comedian Sergio Sardella an unzähligen Festen, Events und Bühnenanlässen aufgetreten ist, kam es vor allem in den Anfängen zu lustigen Situationen.

Eines Abends rief mich jemand zu Hause an und meinte, er habe mich im Rahmen der Kulturreihe «Schräger Mittwoch» im Burgbachkeller in Zug auftreten gesehen.

Der Herr am Telefon meinte kurz und knapp: «Kann man Sie buchen?» – was ich mit einem «Ja, natürlich» quittierte. Er möchte genau die 20 Minuten buchen, die er von mir in Zug auf der Bühne gesehen habe. «Kein Problem …», meinte ich und bat ihn, mir Datum, Uhrzeitzeit und Adresse des Veranstaltungsorts anzugeben. Der Termin war in meiner damals noch ziemlich dünnen Auftritts-Agenda natürlich noch frei und wir handelten die Gage aus.

Verwunderung im Villenviertel

Als ich an dem vereinbarten Abend an jenem Ort eintraf, war ich doch etwas verwundert. Ich stand mit meinem Auto in einem Villenquartier in der Luzerner Vorortgemeinde Meggen. Weit und breit war kein Lokal zu sehen. Kein Restaurant, kein Saal, kein Theater. Ich rief kurzerhand auf die Mobilnummer an, die mir der Kunde genannt hatte. Er ging ran und ich sah auch schon einen Mann mit Handy am Ohr winkend aus einer Villa über die mit Kies bedeckte Einfahrt auf mich zukommen. Das schmiedeeiserne Tor wurde geöffnet und ich wurde hereingebeten.

Man sei noch nicht ganz so weit, ob ich denn auf der Terrasse in der Zwischenzeit ein Gläschen Rotwein geniessen möchte. Der Frühsommerabend war lau und das Wetter angenehm. Ich nahm dankend an zu und wurde vom freundlichen Gastgeber auf die grosse Terrasse mit Ausblick auf den Vierwaldstättersee geleitet. Ich genoss das eindrückliche Panorama und nippte an meinem Rotweinglas. Nach einer Viertelstunde erschien der Gastgeber wieder auf der Terrasse und meinte: «Wir wären dann so weit». Ich folgte ihm in die Villa und wurde in einen Raum geführt, in dem sechs Personen ein gemeinsames Nachtessen an einem üppig gedeckten Tisch genossen hatten.

Das Geschirr vom Hauptgang musste eben abgeräumt worden sein und ich war also die Überbrückung als Unterhalter, bis das Dessert aufgetischt werden sollte. Bisher hatte ich nur vor grösserem Publikum gespielt. Sechs Personen an einem Esstisch in einem Wohnzimmer einer Villa in Meggen war bisher die persönlichste Bühne mit dem kleinsten Publikum. Ich hatte aber keine Zeit, meine Gedanken zu sortieren und legte gleich mit meinem 20-Minuten-Programm los. Das «Bonsai-Publikum» genoss die Comedy-Nummer und quittierte sie mit herzhaftem Lachen und Applaus.

«Ou Shit, ou Shit – einfach crazy!»

Am Ende der Darbietung meinte der Gastgeber spontan, ich solle mich doch an den Tisch setzen und bot mir einen Espresso mit einem ausgezeichneten Grappa an. Irgendwie kam ich mir als Fremdkörper vor in dieser kleinen privaten Runde und ich schlug kurzerhand vor, nach dem Espresso eine kleine Zugabe zu spielen, bevor ich mich dann auf den Weg nach Hause machen würde. Während des Kaffees wollte mir dann noch jeder am Tisch seine eigenen Erfahrungen zum eben Gehörten erzählen, was ich mit Interesse und einem wohlwollenden Lächeln quittierte. Danach spielte ich die Zugabe und bekam die Gage bar auf die Hand gedrückt.

Ich verliess die Villa und dachte mir auf dem Heimweg: «Ou Shit, ou Shit – einfach crazy!»

Seit diesem Auftritt hole ich bei Vermittlungen oder Engagements, die ich in Abklärung hatte, immer im Vorfeld mehr Details ein: Worum geht es beim Anlass? Wie ist das Publikum zusammengestellt? Wie viele Leute zählt das Publikum? Wie ist es ungefähr strukturiert? Weiblich, männlich, Kinder, Ältere, Akademiker oder Büetzer? Fremdsprachen? Wie ist die Location? Tja, aller Anfang ist schwer und eine gute Vorbereitung ist wichtig. Man lernt nie aus und das echte Leben bietet eben doch die beste Unterhaltung!        

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3 Kommentare
  1. Pilgrim, 28.04.2021, 10:50 Uhr

    Hm. Ich verstehe jetzt nicht so genau, was so crazy und war und ihn zu einem «shit» hinreissen liess. Die Gage stimmte doch, also kann es ihm egal sein, wie sich das Publikum zusammensetzt und wie gross das Publikum ist. Das kommt mir jetzt irgendwie arrogant rüber.

    1. Daniela Bucher, 28.04.2021, 14:06 Uhr

      Wenn ich mich als Künstler auf eine öffentliche Aufführung vorbereite und dann plötzlich zum «Pausenfüller» im privaten Wohnzimmer mutiere, wäre ich auch überrascht. Aber eben, Vorbereitung ist das a und o.

    2. Sergio Sardella, 28.04.2021, 16:37 Uhr

      Ich war noch unerfahren und hatte damals mit Anfragen noch zu wenig am Hut – deshalb das Erstaunen – das „Shit“ war nicht Arroganz sondern ein Staunen, dass MICH jemand für einen so privaten Anlass in seine Wohnstube bucht… Lachen ist ja gesund und daher gebe ich auch in so kleinem Rahmen das Beste !

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