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Komm tanz mit mir
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Tanzzentral 2014 (Bild: CHR. GLAUS)

Irina Lorez Komm tanz mit mir

4 min Lesezeit 11.04.2014, 14:30 Uhr

«Ist es auf der Tanz-Landkarte Zentralschweiz dank der Förderplattform «tanzzentral» bunter geworden?», fragt sich Tänzerin Irina Lorez. 

Komm tanz mit mir
ich hab ne weisse Schürze für
ich hab auch eine drunter
die ist noch viel viel bunter
lass nicht ab, lass nicht ab
bis die Schürze Löcher hat (Volkslied)

Vor 11 Jahren hat Nicole Friedmann, geboren und aufgewachsen in Zug, wohnhaft in Zürich, tanzzentral aus dem Boden gestampft. Warf man damals einen Blick auf die Tanz-Landkarte, so war die Zentralschweiz ein blinder Fleck. Das wollte Nicole Friedmann ändern und entwarf das Label tanzzentral als zentralschweizerische Tanzförderung. 

Seit 2003 werden jedes Jahr in der Übergangszeit vom Winter zum Frühling in Luzern, Zug, Schwyz, Nid- und Obwalden sowie in Uri zeitgenössische Tanzworkshops angeboten. Das sind auch die Kantone, welche im Zusammenschluss das Projekt finanziell unterstützen. Dieses Jahr beteiligt sich neu auch réso, Tanznetzwerk Schweiz. Die Workshops werden unterschiedlich im Turnus von professionellen Tanzpädagogen und Choreografen geleitet. Anschliessend informiert Nicole Friedmann ausführlich, wie die Teilnehmenden ein eigenes Projekt, vom Konzept bis zur Umsetzung, schreiben und einreichen können. Am liebsten, und das aus kulturpolitischen Gründen, sind Teilnehmende aus allen Kantonen gefragt. Die von einer Jury Ausgewählten erhalten dann während ihrem Prozess einen Coach, der manchmal mehr oder weniger zum Zuge kommt. Die daraus entstandenen Kurzstücke werden zum Abschluss in der Chollerhalle Zug sowie im Südpol Luzern gezeigt.

Man fragt sich immer wieder mal, macht dieses Projekt der Tanzförderung überhaupt Sinn? Ist es angebracht, dass Amateure, die vielleicht ein bis zwei Mal wöchentlich einen Tanzkurs besuchen, eine solche Förderungsplattform erhalten? Mancher Profi könnte davon träumen, in einem fertiggemachten Bett dieser Art liegen zu dürfen. Doch auch wenn die meisten nach einer Ausgabe wieder lautlos hinter den sieben Bergen verschwinden, gibt es einzelne Persönlichkeiten, wie Diane Gemsch, ursprünglich aus Schwyz, wohnhaft in Zürich, Flurina Röthlin aus Luzern oder Angela Rabaglio aus Zug, die von sich reden machen. In der letzten Ausgabe im 2012 im Rahmen «der Best off» konnte man dies gut sehen. 

Wo es mir aber so richtig im Bauch zu kribbeln begann, war an der Audition vom 22. Februar im Südpol Luzern. 20 Tänzerinnen und 1 Tänzer, 14 bis 35 Jahre alt, tanzten vor, um in der Choreografie «Awaiting Tom» des renommierten Choreografen Philipp Egli mitwirken zu dürfen. Das ist nämlich die allerneuste Ausgabe von tanzzentral und darauf darf man gespannt sein. Philipp Egli, heute künstlerischer Leiter der Mummenschanz, erfahrener Tänzer und Choreograf der freien Szene und mehrjähriger künstlerischer Leiter und Choreograf am Theater St. Gallen hat schon an der Audition Spannendes aus den Teilnehmenden hervorgebracht. Philipp Egli und seine Jury haben sich schliesslich nach vier Stunden für neun Tänzerinnen entschieden, davon drei als Stagiaires sowie den einen Tänzer und das nicht nur weil er der einzige Mann ist, sondern weil er auch noch wirklich gut ist. Bis zur Premiere am 11. April in der Chollerhalle Zug wird in unterschiedlichen Formationen und zu unterschiedlichen Zeiten geprobt. Diese Koordination ist nicht immer einfach, da noch einige in der Schule oder Ausbildung sind oder teilweise einem anderen Beruf nachgehen. Doch Nicole Friedmann versucht, sich immer wieder neu anzupassen, nicht nur in der Organisation, sondern auch in den Formaten.

Seit dem Beginn von tanzzentral bleiben aber gewisse Fragen offen:

Ist der Tanz in der Zentralschweiz überhaupt entwicklungsfähig, wenn in keiner Kontinuität gearbeitet werden kann? Wenn es nur zwei Theater gibt, welche für Tanz eingerichtet sind, davon aber nur eines Gastspiele und Produktionen anbietet? Und ist die Tanz-Landkarte der Zentralschweiz bunter geworden, wenn viele lautlos wieder verschwinden oder die Einzelnen weniger still abwandern? 

Dazu befrage ich die Luzerner Tänzerin Flurina Röthlin:

Was führte dich zu tanzzentral?

In der Tanzschule, in der ich arbeitete, waren Flyer von tanzzentral aufgelegt. Das Projekt hat mich sofort angesprochen.

Welche Rolle hat für dich tanzzentral gespielt?

Tanzzentral ist für mich eine wichtige Plattform, um Kontakte mit anderen Tanzschaffenden der freien Szene zu knüpfen, mich mit ihnen auszutauschen und um Erfahrungen zu sammeln. Nach den Vorstellungen meines letzten Solos «Gesprächsstoff» im Südpol wurde ich von Georg Weinand in die Dampfzentrale Bern eingeladen. Das hat mich besonders gefreut.

Was ist Dein Wunsch für den Tanz in der Zentralschweiz?

Ich wünschte mir sehr eine kontinuierliche Plattform mit einerseits regelmässigem Trainingsangebot, andererseits mit einer alljährlichen Erarbeitung eines Stückes in variierter Form.

Für meine Abschlussfragen bitte ich dich noch um je drei kurze Antworten:

Was regt Dich im Tanz auf?

  • Dass die klassische Tanzgrundlage noch immer viel mehr gewichtet wird, als der Ausdruck und die Wahrnehmung eines Künstlers.
  • Ohne Vitamin B ist es kaum möglich den Anschluss an die Tanzszene zu finden.
  • Das gegenseitige «Ellbögeln» und den dadurch entstehende Konkurrenzdruck. 


Was freut Dich im Tanz?

  • Tanz ist sehr faszinierend. Ich brauche kein anderes Werkzeug, als meinen Körper, (lacht) und natürlich auch einen Raum.
  • Die durch den Tanz ausgelöste Transformation von Gefühlen.
  • Die Vielfältigkeit und das Grenzenlose, wie es auf einer Spielwiese vorzufinden ist. 
     

Vorstellungen «Awaiting Tom»:

Chollerhalle Zug | 11./12. April 2014 | 20 Uhr
Südpol Luzern | 16./17. April 2014 | 20 Uhr
www.tanzzentral.ch

Intensiv an Tanz wird es auch wieder am diesjährigen Tanzfest in Luzern vom 27.4. – 4.5.2014.

Infos zum Programm unter www.dastanzfest.ch/luzern

 

 

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