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Ein eilfertiger Hinterbänkler oder ein verschrieener Fundi
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Ausblick vom Sedel Richtung Stadt Luzern. Wie sieht Sedels Co-Präsident den Ausblick für Luzerns Kultur? (Bild: Emanuel Ammon/AURA)

Eva-Maria Knüsel Ein eilfertiger Hinterbänkler oder ein verschrieener Fundi

3 min Lesezeit 14.05.2016, 13:35 Uhr

Adrian Albisser ist Co-Präsident ILM Sedel und man kennt ihn als «umtriebigen Kulturveranstalter». Ausserdem zieht der Luzerner Kulturschaffende für die SP neu ins Parlament ein. Aus aktuellem Anlass fühlt ihm die Bloggerin Eva-Maria Knüsel im Kulturinterview auf den Zahn.

Eva-Maria Knüsel: Vergangenes Wochenende bist du für die SP in den Grossen Stadtrat nachgerückt. Deine erste Reaktion?

Adrian Albisser: Überrascht und erfreut. Meine Kandidatur war ja nicht von langer Hand geplant.

Knüsel: Worin bestand deine Motivation, dich für das Amt aufstellen zu lassen?

Albisser: Mir geht es vor allem darum, Interessen und Themen aus der «Kulturecke» rauszutragen und breiter zu diskutieren. Nicht selten bleibt man in solchen Diskussionen lieber unter sich, das mag zwar aus persönlicher Sicht angenehmer sein, führt aber auch dazu, dass kulturpolitische Anliegen nicht genügend gut abgestützt sind.

Knüsel: In Luzern kennt man dich als umtriebigen Kulturveranstalter – welche Rolle wirst du in der Politik spielen?

Albisser: Das weiss ich noch nicht. Ein eilfertiger Hinterbänkler, ein verschriener Fundi? Wir werden sehen. Sicher werde ich mich für die Anliegen der lokal verankerten Kultur einsetzen.

«Es ist mir wichtig, dass die Stadt sich als wachsende Grösse zu verstehen beginnt und dezentraler denkt.»

Knüsel: Welche stadtpolitischen Themen liegen dir besonders am Herzen?

Albisser: Auf einer grundsätzlichen Ebene: bezahlbarer Wohnraum, ein fundiertes Bildungsangebot, ökologische Verkehrspolitik und die Förderung von Zwischennutzungen, auch als Innovationsträger für die Wirtschaft.

Adrian Albisser, Sedel-Präsident

Adrian Albisser, Sedel-Präsident

(Bild: zvg)

Konkret heisst das, dass wir uns damit auseinandersetzen müssen, wie wir von öffentlicher Seite Zwischennutzungen wie das Neubad besser unterstützen und beispielsweise gesetzliche Bedingungen anpassen können. Genau so brennend ist die Frage nach dem Kulturkompromiss, der als jetzt schon arg gebeuteltes Kind durch die momentane Projektskizze der «Salle Modulable» vollends infrage gestellt wird.

Zudem ist es mir auch wichtig, dass die Stadt sich als wachsende Grösse zu verstehen beginnt und dezentraler denkt. Hat sich unser Verhältnis zum Stadtteil Littau verändert? Welche Entwicklung trauen wir dem Seetalplatz zu, wenn sich dort nun die Hochschule Luzern – Design & Kunst niederlässt?

Knüsel: Mit wem möchtest du streiten, mit wem kollaborieren?

Albisser: Das wird sich weisen. Ich mache beides gerne, es wird wohl auch beides zur Genüge vorkommen.

Knüsel: Was tun in Zeiten von Sparpaketen und Bildungsabbau?

Albisser: Nicht mit Kritik am geltenden Steuerfussdogma sparen. Immer wieder betonen, dass eine lebenswerte Gesellschaft, ein funktionierendes und innovatives Gemeinwesen nicht von Luft und Liebe leben.

Knüsel: Inwiefern verstehst du deine Arbeit als politisches Instrument?

Albisser: Als Teil dieser Gesellschaft können wir alle unsere Tätigkeit als politisches Instrument verstehen oder eben nicht. Das hängt vom jeweiligen Selbst- und Gesellschaftsverständnis ab. Natürlich lebe ich mit meiner Arbeit und meinem kulturellen Engagement einer politischen Haltung nach. Grundsätzlich sind es aber immer inhaltliche Fragen und weniger politische, die mich antreiben.

«Die Frage muss eher lauten: Wie viel Kultur braucht die Politik? Ich sage: mehr.»

Knüsel: Wie viel Politik braucht die Kultur?

Albisser: Kultur spielt in harten politischen Diskussionen oft nur das fünfte Rad am Wagen. Also muss die Frage eher lauten: Wie viel Kultur braucht die Politik? Ich sage: mehr.«Ich wünsche mir, dass die kulturelle Vielfalt als Markenzeichen mehr Gewicht erhält.»

Knüsel: Was bedeutet dir das kulturelle Leben in der Region Luzern?

Albisser: Viel. Es ist mit ein Grund, weshalb ich hier wohne und nicht anderswo gelandet bin.

Knüsel: Wo trifft man dich am Samstagabend öfters?

Albisser: An Wochenenden bin ich immer auch mal wieder in anderen Städten, vorwiegend an Konzerten oder in Clubs. In Luzern trifft man mich am Samstag meistens im Neubad, in der Metzgerhalle, in der Kegelbahn, in der Industriestrasse und natürlich im Sedel.

Ich gehe davon aus, dass auch die Jazzkantine wieder zu einem regelmässigen «place to be» wird.

Knüsel: Was wünschst du dir für Luzerns Zukunft?

Albisser: Dass Luzern sich weiterentwickelt und seine kulturelle Vielfalt als Markenzeichen mehr Gewicht erhält.

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