Thomas Gisler
Die Radiomotzer

  • Lesezeit: 3 min
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Des Schreibers Küchenradio...

Über Radios motzen hat Konjunktur. Zu Unrecht findet Thomas Gisler und erklärt, weshalb die Radios den ganzen Tag die gleichen Popsongs spielen – und was man dagegen tun kann.

Über Radios motzen hat Konjunktur. Zuletzt schrieb die «Schweiz am Sonntag» über die Ausgrenzung von Rock in Schweizer Radio- und TV-Sendern. Dies brachte das Fass bei Thomas Gisler endgültig zum Überlaufen und löste einen akuten Schreibanfall aus.

Es geht wieder los mit dem Rumgemotze.
«Wieso spielen die Radios keine Rockmusik?»
«Warum spielen die den ganzen Tag nur immer die gleichen Popsongs?»
«Wieso machen die heutzutage keine Hits mehr, sondern spielen sie nur?»

Die Antwort ist ganz einfach: Weil das die Hörer so wollen.

Die Hörer sind nicht die, die Konzerte von angesagten Bands besuchen. Es sind auch nicht die, welche Krokus oder neue spannende Acts an die Spitze der Hitparade kaufen. Es ist der grosse Rest, welcher das Programm bestimmt. Leute, die im Jahr vielleicht ein Album kaufen und als einziges Konzert des Jahres Events wie das «Honky Tonk Festival» in der Agenda haben. Für sie ist Radio nichts weiter als Hintergrundberieselung. Jede laute Gitarre kann eine zu viel sein. Es zählt nicht, was die Leute hören wollen. Es wird das gespielt, was den Durchschnittshörer nicht zum Ausschalten des Radios verleitet – und dem entsprechend wird die Musik zusammengestellt.

Weniger Hörer bedeuten in erster Linie weniger Werbeeinnahmen, da man die Sekunden günstiger verkaufen muss. Wenn die Einschaltquoten sinken, wird auf Geheiss der Werbeabteilung zuerst mal der Musikchef von der Geschäftsleitung zusammengestaucht. Privatradios wollen ihren Hörern nicht neue, spannende Musik präsentieren. Die Songs sind, böse gesagt, die Füller zwischen den Werbeblöcken.

Ich behaupte mal, den perfekten Radio-Sender gibt es nicht.

Es ist ähnlich wie bei den Bergbahnen: Wenn der Sessellift ein alter verstaubter Zweisitzer ist, der nicht richtig gewartet wird, hat das Bergrestaurant weniger Kunden. Entlassen wird dann nicht der Wirt, sondern der, der schauen muss, dass die Bergbahn einwandfrei läuft. Und das ist, um wieder zum Thema zurück zu kommen, der Musikchef.

Immer wieder gerne kommt hier auch die Quotenfrage zur Sprache: Könnte man denn nicht, ähnlich wie in Frankreich, von Gesetzes wegen bestimmen, dass mindestens 50 Prozent der Musik aus der Schweiz kommen muss? Könnte man schon. Gewinnen würde aber niemand. Die Privatradios würden einfach noch mehr Stress, Bastian Baker, Pegasus, 77 Bombay Street oder DJ Bobo spielen. Neue spannende Acts würden trotz des Zwangs weiterhin nicht gespielt werden.

Ist denn dieser Zustand wirklich nur schlecht? Bringt das ewige Rumgemotze etwas? Wäre es nicht besser, wenn man die Sender unterstützen würde, deren Musik auch wirklich etwas bedeutet? Sender, bei denen der Musikchef den Titel «Chef» zu Recht trägt, weil er tatsächlich etwas zu sagen hat?

Wenn man gediegen essen will, holt man sich ja auch nicht das BigMac-Menu aus dem McDonalds. Ich behaupte mal, den perfekten Radio-Sender gibt es nicht. Aber viele, die es verdient haben, gehört zu werden. Und je mehr Leute diese hören, desto grösser wird deren Einfluss. Zappt mal durch UKW oder DAB. Oder klappert das Internet ab. Es gibt Millionen von Möglichkeiten.

Hier ein paar Tipps von meiner Seite: 

  • Persönlicher Lieblingssender: FluxFM Berlin
    Alternatives von den Achtzigern bis heute. Präsentiert mit Berliner Schnauze und Seetaler Charme (Musikchef Ueli Häfliger, Ex-Radio 3FACH). Sehr informativer und unterhaltsamer wöchentlicher Podcast mit den Neuerscheinungen.
  • Neues entdecke ich auf: Radio 3FACH  Luzern
    Das Luzerner Jugendkulturradio. Musik, die so frisch ist, dass man den grössten Teil nicht kennt…  
  • SRF Virus
    Die professionelle Variante von Radio 3FACH. Ein bisschen mehr Züri-Hip-Style. Empfehlenswert vor allem am Morgen früh, wenn die überdrehten Moderatoren auf den anderen Sendern nicht zu ertragen sind (kein «Gchnurr», kein «Ghetz», keine Werbung).
  • SRF 3
    Ja, liebe Indie-Alternative-Polizei: Das ist mein Ernst. In Sachen Popmusik ist der ehemalige Störsender (R.I.P.) um Längen besser als jedes Privatradio.
     

Ausserdem höre ich auch gerne folgende Sender: SRF4 News, Radio Pilatus und SRF 1 LU+ (für Regio-News) und Radio Central (während der Eishockey-Saison). Ja, man glaubt es kaum: Man muss Radio nicht unbedingt wegen der Musik hören.

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