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«Die Politik könnte und sollte offener für Kunst werden»
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Sarah Mühlebach, Kuratorin Ausstellungsraum Pavillon Tribschen. 

11 Fragen an Kuratorin Sarah Mühlebach «Die Politik könnte und sollte offener für Kunst werden»

4 min Lesezeit 01.02.2017, 22:17 Uhr

2017 zieht das Team vom Pavillon Tribschenhorn mit einem Sonderprogramm in den Kunstpavillon im Säliquartier ein. Die Kuratorin Sarah Mühlebach spricht im Kulturinterview über die Freude am Ausstellung-Machen, das Potenzial der neuen Produktionsstätte und ihre persönlichen Kunst-Highlights.

Seit 2016 ist Sarah Mühlebach als Kuratorin im Team des Pavillon Tribschenhorn tätig (zentralplus berichtete). Der Verein organisiert im gleichnamigen Ausstellungsraum seit über fünf Jahren Ausstellungen, Performances und Konzerte.

Was begeistert Sie am Ausstellungs-machen?

Sarah Mühlebach: Ausstellungen machen heisst, sich in ganz unterschiedlichen Rollen der Kunst anzunähern. Die Vielseitigkeit der Aufgabenbereiche, die Kombination von Theorie und Praxis, das Begleiten einer Ausstellung von der Idee hin zu ihrer Realisierung und anschliessend zur Vermittlung sind Aspekte, welche mich in meiner kuratorischen Tätigkeit sehr bereichern. Ebenso gefallen mir am Ausstellung-Machen der unmittelbare Austausch und der persönlichen Kontakt; mit den Kunstschaffenden, innerhalb unseres Teams und auch mit dem Publikum.

2017 richtet ihr nun euer Programm neu aus: Für ein Jahr wird das Team vom Tribschenhorn abwechslungsweise mit der Galerie «o.T. Raum» für aktuelle Kunst den Kunstpavillon der Stadt Luzern im Säliquartier bespielen. Was gab den Ausschlag für den Ortswechsel?

Mühlebach: Der Pavillon Tribschenhorn auf der Tribschenhalbinsel liegt uns allen sehr am Herzen, doch schränkt er unsere Ausstellungstätigkeit stark ein. Er ist nur in den Sommermonaten bespielbar und wird von verschiedenen Institutionen gleichzeitig genutzt. Als die Anfrage von o.T. Raum für aktuelle Kunst kam, standen wir gerade an einem entscheidenden Punkt und stellten uns die Frage, wo wir als Verein, als Kollektiv, als Ausstellungsmacher genau hin möchten. Die Zeit schien reif für Neues.

Der vorübergehende Wechsel in den Kunstpavillon bietet uns nicht nur die Möglichkeit für eine regelmässigere Ausstellungspraxis, sondern auch eine Chance, uns konzeptionell neu zu orientieren.

Geplant ist ein Sonderprogramm unter dem Titel «PTTH://». Was erwartet uns?

Mühlebach: Das Sonderprogramm unter der Bezeichnung PTTH:// (Pavillon Tribschenhorn Temporary Host) steht im Zeichen von Unmittelbarkeit, Dynamik und Kollektivität. Auf dem Programm stehen drei Ausstellungsprojekte von Performance-Kollektiven sowie ein Aktionstag für Performance.

Spezifisch für die Ausstellungsprojekte werden die eingeladenen Kollektive aus dem Raum Luzern (Salon Liz, ultra) und aus der Schweiz und England (JocJonJosch) Aufführungen mit performativem und prozesshaftem Charakter konzipieren, die sich als Langzeitperformances oder punktuelle Ereignisse über die Ausstellungszeit verändern und entwickeln. Die Rahmenbedingung ist, den Kunstpavillon als Produktionsstätte zu nutzen, um vor Ort ein Projekt zu entwickeln und aufzuführen.
Das Jahresprogramm wird ergänzt durch eine Gruppenausstellung in Zusammenarbeit mit o.T. Raum für aktuelle Kunst, die um das Thema Natur kreist.

Beide Ausstellungsorte sind umgenutzte Pavillons, die über eine eigenwillige Architektur sowie einen grossen Umschwung verfügen. Welche Rolle spielt der Ort für das kuratorische Konzept?

Mühlebach: Die Pavillon-Architektur, die uns seit Anfang begleitet, evoziert keine festen Strukturen, sondern Flexibilität und Möglichkeit zur Veränderung. So verstehen wir auch unsere Aufgabe als Kunstraum. Wir möchten den Kunstschaffenden einen Freiraum und Experimentierraum bieten, in dem vieles möglich ist. Der Aussenbereich rund um die beiden Pavillons wurde und wird auch zukünftig in die Ausstellungsprojekte miteinbezogen.

Zum Ausstellungsprogramm sind vielseitige Vermittlungsaktivitäten geplant. Welche Ziele verfolgt ihr damit und an wen richten sich die Angebote?

Mühlebach: Wir möchten in Zukunft wieder vermehrt in die Vermittlung investieren, denn zeitgenössische Kunst wird oft erst durch eine intensive Auseinandersetzung zugänglich. Aus budgettechnischen Gründen sieht es aber so aus, dass wir diesem Anspruch im 2017 nur zum Teil gerecht werden können. 

Unsere Vermittlungsaktivitäten werden in diesem Jahr in Zusammenarbeit mit den Performance-Kollektiven erarbeitet. Wir möchten die Kunstschaffenden gezielt dazu ermuntern, gemeinsam mit uns über Möglichkeiten der Vermittlung nachzudenken. Zum ersten Ausstellungsprojekt in diesem Jahr mit JocJonJosch findet ein öffentliches Gespräch in Anwesenheit der Künstler zum Thema Kollektivität in der Kunst statt.

Welche Herausforderungen stellen sich am neuen Ort?

Mühlebach: Ich denke, die Herausforderungen werden sich im Vergleich zu den letzten Jahren nicht grundsätzlich ändern. Der intensivere Rhythmus der Ausstellungen stellt uns jedoch vor einige neue Herausforderungen in personeller Hinsicht.

Mit wem möchten Sie gerne zusammenarbeiten? Tot oder lebendig!

Mühlebach: Spannend fände ich es, mit ähnlichen selbst organisierten Kunsträumen aus anderen Schweizer Städten, insbesondere aus der Westschweiz und der italienischen Schweiz, zusammenzuarbeiten. 

Was bedeutet das kulturelle Leben in der Region Luzern für Sie persönlich?

Mühlebach: Das kulturelle Leben in der Region Luzern ist sehr vielseitig. Gefördert werden jedoch oft bereits etablierte Institutionen. Ich würde mir wünschen, dass in Zukunft mehr (Frei-)Räume für selbst organisierte kulturelle Projekte geschaffen werden – sei es nun in den Bereichen Kunst, Musik, Gastronomie oder soziale Arbeit.

Was ist Ihr Kunst-Highlight im Jahr 2017 – in Luzern oder anderswo?

Mühlebach: In der Region Luzern freue ich mich besonders auf die Ausstellung des Westschweizer Künstlers Augustin Rebetez in Kollaboration mit dem Grafiker und Musiker Laurent Güdel im Nidwaldner Museum in Stans.

Wie viel Politik braucht die Kunst? Oder anders gefragt: Wie viel Kunst braucht die Politik?

Mühlebach: Kunst ist immer politisch, sie kann nicht unabhängig von politischen Machtverhältnissen entstehen. Die Politik könnte und sollte meiner Meinung nach offener für Kunst werden.

Ihr Wunsch fürs neue Ausstellungsjahr?   

Mühlebach: Ich wünsche mir für das neue Ausstellungsjahr viele spannende Gespräche und Begegnungen, die noch lange nachhallen. 

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