Die Leiden der nicht jungen oder nicht mehr so jungen Luzerner Musiker
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Von der Kunst leben? (Bild: Mario Wälti alias «Emm»)

Mario Wälti Die Leiden der nicht jungen oder nicht mehr so jungen Luzerner Musiker

3 min Lesezeit 2 Kommentare 02.03.2015, 17:33 Uhr

Kunst ist hartes Brot. Mario Wälti alias Rapper «Emm» zeigt auf, was für Kosten und Fragen auflaufen, wenn man in der Zentralschweiz seine Musik in Albumform rausbringen will.

Kunst ist hartes Brot. In erster Linie wissen das die Künstler. In Zeiten, in denen sich auch staatliche Institutionen, von der Universität bis zum Altersheim, dem Druck der Wirtschaft immer mehr beugen und entweder ihre Inhalte auf strammen Neoliberalismus trimmen oder aber gleich total privatisiert werden, stellt sich natürlich auch für Künstler immer mal wieder die Frage: Kann ich von dem, was ich mache, leben? Dieser Blog wird darauf keine Antwort geben können. Aber er soll an einem Beispiel zeigen, was für Kosten und Fragen auflaufen, wenn man in der Schweiz Musik macht und diese Musik in Albumform rausbringen will. 

Beginnen wir mit den Kosten: Der Rapper schreibt seine Texte gratis, der Produzent produziert die Musik ohne Bezahlung. Die Gäste auf dem Album treten alle gratis an und die Instrumentalisten greifen gratis in die Tasten oder Saiten. Zeit ist bekanntlich Geld, und wenn diese Zeit teilweise im Studio verbracht wird, dann kostet das. Das richtige Abmischen und Mastern will ebenfalls von einem Profi wahrgenommen werden. Hinzu kommen Fotos für die ganze Illustration und die Aufmachung der Platte plus – weil wir ja im Jahre 2015 leben, Youtube den Job von MTV, Viva und allen anderen Musiksendern komplett übernommen hat und Musik ohne Visuals noch weniger wert ist als sonst schon – ein paar Videoclips, wobei hier eher die Variante low budget denn die Variante Lamborghini gewählt wird. Summa summarum lässt sich ein Album nicht unter einer Summe von 12 000 Franken herstellen, ausser man verzichtet stark (und sicht- bzw. hörbar) auf Qualität. Nota bene: Noch ist kein Cover gedruckt, keine CD gepresst, kein Promoter eingeschaltet. An dieser Stelle ist das Produkt erst in digitalisierter Form fertig.

Wie promotet man nun so ein Werk?

Bei den Radios gibt es zwei Gruppen: Underground und Mainstream. Im Undergroundradio kann man gespielt werden, vorausgesetzt man fährt mit dem Auto in jede Ecke des Landes und gibt Interviews, nur um dann bei einem kleinen Spartenpublikum stattzufinden. Aufwand also: riesig. Beim Mainstreamradio gespielt zu werden gleicht hingegen einem Ding der Unmöglichkeit, solange man nicht ein grosses Label oder ein einflussreiches Management im Rücken hat.

Ansonsten gibt es nur die üblichen traditionellen und modernen Wege: Konzerte spielen. Videos machen. Sich seine eigene Fanbase im Internet aufbauen. Und ja, Platten verkaufen, so gut es heutzutage noch geht. Zur Erinnerung und für die Relationen: Eine CD kostet auf iTunes 16 Franken, davon kriegen die Künstler knapp die Hälfte, d.h. um die Produktionskosten (und nur diese) wieder einzuspielen, muss man mindestens 1500 CDs verkaufen; wenn man das in einer Woche schafft, ist man auf Platz eins der Schweizer Albumhitparade. Letzteres soll aber nicht etwa aufzeigen, wie wenig es braucht, um auf Platz eins zu gehen, sondern vielmehr, wie schwer also das Verkaufen von Platten in einer Welt, in der Musik grundsätzlich gratis ist und auch so wahrgenommen wird, geworden ist.

Was macht man also?

Ganz einfach: Man macht weiter. Man erfreut sich ob dem, was es gibt, und ist dankbar, dass es auch in Luzern bzw. der Zentralschweiz Institutionen wie den Fuka-Fonds gibt, die solche Projekte unterstützen. Und ansonsten findet man sich mit der harten Realität ab, dass Kunst auch bei einer nicht gerade riesigen, aber doch nicht inexistenten Fanbase hartes, sich selten auszahlendes Brot ist. Das wissen alle Künstler. Zeit, dass es auch alle Nichtkünstler wissen. 

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2 Kommentare
  1. Mario Wälti, 03.03.2015, 15:33 Uhr

    Noeldi, besten Dank für Dein Feedback und die lobenden Worte.

    Zu Deiner Frage: Ich bin (meines Wissens) nur mit einer oder zwei Platten auf Spotify, nämlich mit «Glanz & Gloria» und evtl. mit «Wall Street», und ich kann Dir garantieren, dass ich gerne sämtliche Plays da sofort auf iTunes Sales übertragen hätte, weil ich von dem Geld gar nichts sehe. Der Grund liegt darin, dass ein Spotify-Premium-User 12.95 pro Monat bezahlt, dieses Geld aber nachher in einen Pool kommt und gemäss den gesamten Plays verteilt wird (es kann sein, dass es da inzwischen nationale Pools anstatt Worldwide-Pools gibt, das weiss ich nicht mal). Mit anderen Worten: Bei weltweiten Pools sieht kein Schweizer Künstler irgendwas, weil Madonna weltweit viel mehr läuft. Bei schweizweiten Pools sieht kein Schweizer was ausser Bligg und Stress (und die grossen Internationalen). So oder so geht die Rechnung nicht auf: Selbst wenn man (was meines Wissens nicht der Fall ist) die 12.95 oder welchen Betrag auch immer entlang den tatsächlichen Plays des jeweiligen Users aufteilen würde, so sind 12.95 für den Zugang zu unendlich vielen Songs ein sicherer Garant dafür, dass – gemessen an der Gesamtzahl an Plays – der Einzelkünstler nur dann was sieht, wenn der User quasi nur diesen Küntsler hört. Und dann auch sieht er eben nur 12.95.

    Das beste Beispiel ist Aloé Blacc, der bei Pandora (einem vergleichbaren Service) letztes Jahr $4000 gekriegt hat für seinen Beitrag auf Aviciis «Wake Me Up». Dieser Song hatte 168 Millionen (!!!) Streams, dafür gab es 16’000$, geteilt durch zwei (Avicii und Aloe) und nochmals durch zwei (Künstler und Verlag) ergibt diese 4000$.

    Du siehst, Noeldi: Das ist für einen Schweizer Künstler leider auch nicht die Lösung. Aber ja!

    Danke für Deine Unterstützung!

  2. Rouwlee G-Punkt, 03.03.2015, 12:27 Uhr

    Ciao Mario/Emm

    Interessanter Bericht – knabbere weitere an dem harten Brot. Mir bereitest du viel Freude mit deinen Werken. Was mich von deiner Sicht extrem interessieren würde, ist der Vergleich iTunes vs. Spotify. Das grosse S behauptet von sicher selber, für Künstler viel attraktiver (gewinnbringender) zu sein als iTunes.
    Deine Songs sind ja dort auch «streambar». Da du diesen Dienst nicht erwähnst, gehe ich davon aus, dass dieser für Schweizer Künstler (noch) zu vernachlässigen ist? Man liest, dass ein Künstler auf Spotify zwischen 0.50 CHF und 0.80 CHF pro Stream und Song erhält. Wenn man die Rechnung auf deine Top4 Songs macht und die Zahlen einigermassen stimmen, würde dieser Gewinn gleichgestellt mit dem Gewinn von 650 verkauften Alben auf iTunes. Wie ist deine Einstellung als Künstler dazu?

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