Genau mein Humor!
«Betreten der Baustelle nur für Kinder!»

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Baustelle betreten nur für Kinder: Hier sind keine Kontrolleltern erwünscht. (Bild: Sergio Sardella)

Früher war alles besser – oder zumindest anders. Jedenfalls gab es noch keine Helikopter-Eltern, die Kinder verbrachten die meiste Zeit draussen und trugen Streitereien unter sich aus – findet der Luzerner Comedian Sergio Sardella.

Als meine Frau und ich neulich beim Sonntagsspaziergang an einem Spielplatz vorbeischlenderten, stiess mir ein gelbes Warnschild im Sandkasten ins Auge. Ich musste schmunzeln, als ich den Text las und konnte es nicht unterlassen, die Warnung zu fotografieren.

«Betreten der Baustelle nur für Kinder!» hiess es da forsch mit Ausrufezeichen. Und weiter «Erwachsene ohne Begleitung von Kindern haben keinen Zutritt!». Ich dachte mir: «Bravo! Genau mein Humor», und nahm dieses schöne Bild mit. Es war Sonntagnachmittag und wie üblich klönte der eine oder andere Erwachsene bereits auf Social Media, dass morgen Montag sei und der Alltag mit Arbeit und Mühen wieder starten würde.

Sandkasten in den 70ern

Als wir damals in den Siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts noch Kinder im Vorschulalter waren, war es uns egal, welcher Wochentag gerade war.

Am Montag stiegen wir wieder in die Röhre aus Beton, die jemand beim Bau der Mietskasernen wohl vergessen hatte und in die jemand – mehr aus Mitleid – grobkörnigen Sand geschüttet hatte. Das war unser Sandkasten der damaligen Zeit. Vonseiten der Erwachsenen hiess es dann: «geht doch in den Sandkasten zum Spielen» – dabei war es eher das Katzenklo des Quartiers.

Abdeckungen oder Netze gegen die vierpfotigen Lieblinge gab es damals nicht. Gut, wir Kinder waren froh, dass der grobkörnige Bausand durch den «Extrakitt» besser hielt beim Bauen unserer Burgen in der Betonröhre. Damals machte es noch Sinn, dass uns unsere Mütter vor dem Essen ermahnten, die Hände ja gut mit Seife zu waschen. Ein Desinfektionsmittel hatten wir damals noch nicht und trotzdem ist keiner an diesem hygienischen Problem erkrankt oder gar verstorben.

Helikopter-Eltern

«Betreten der Baustelle nur für Kinder!», das war damals noch Programm. Im sozialen Brennpunktquartier, wo babylonische Sprachverhältnisse die verschiedenen Kulturen der Gastarbeiter wiedergaben, sassen auch noch keine besorgten «Helikopter-Eltern» am Sandkastenrand oder beobachteten jede Kleinigkeit, um in Notfall in bester «Blauhelm-Manier» zu intervenieren und allfällig aufkeimende Konflikte gleich im Keim zu ersticken.

Wir sassen da und spielten alleine, ohne elterlichen Überwachungsapparat. Hie und da flog Sand, man stritt um ein Spielzeug, liess mal die Kräfte spielen, um sich durchzusetzen, vertrug sich dann aber auch wieder oder verliess den Ort des Geschehens. «Erwachsene ohne Begleitung von Kindern haben keinen Zutritt!» war normal für uns. Wir verabschiedeten uns von der Mutter mit den Worten «bin draussen» und das war’s. Unsere Kindheit hatte kein Platz für Kontrolleltern.

Der natürliche Feind der 70er-Kinder

Wer klettert am höchsten auf den Baum, wer bastelt den besten Pfeilbogen oder die coolste Steinschleuder, wer hüpft im Treppenhaus die meisten Stufen hinunter, was kann man im Krämerladen mit einem Fünflieber alles bekommen…

Damals, als die Teppichstange eines der wenigen Spielgeräte vor dem Haus war. Man konnte da alles tun, klettern, Turnen, Schaukeln, ein Zelt mit Leintüchern basteln. Im Winter bei Minus 15 Grad das Zungenspiel an der Teppichstange als Mutprobe machen und Fussballspielen, bis eine Scheibe zerbarst.

Dann trat der natürliche Feind der Kinder der 70er auf den Plan – «der Abwart»! Das Wort sagte es schon: «Abwart» – er hatte den ganzen, lieben, langen Tag nichts Weiteres zu tun, als abzuwarten, bis etwas passiert. Sein Spruch damals – «Hey, was möched er dete!!!» und unsere Standard-Antwort «Was? Wer? Mier? Nüt!!!» – beide Parteien, wussten, es stimmt nicht, aber man gab sich damit zufrieden oder hatte das elfte Gebot befolgt – «Du sollst dich nicht erwischen lassen!» – Altri tempi und trotzdem, gehen auch die heutigen Kinder noch in die «Baustelle» Sandkasten. Heute halt mit Warnhinweis für Erwachsene…

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