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Kleingeister
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  • Jolanda Spiess: Jetzt reicht's
Bild: Loredana Bevilacqua

Schreibstau – oder einfach keine Lust Kleingeister

5 min Lesezeit 6 Kommentare 01.12.2017, 09:45 Uhr

Jetzt mussten Sie satte drei Wochen auf einen Text von mir warten. Entschuldigen Sie, ich hatte einen Schreibstau. Das kommt in den besten Familien vor. Warum? Weil ein paar gekränkte Journalisten mit ihren Kumpels aus der Volkspartei wieder Gülle ausbrachten. Ganz spurlos geht das auch an mir nicht vorbei.

Die Geschichte muss ich ja nicht erzählen, da sogar zentralplus auf den Rudeljournalisten-Zug aufgesprungen ist. Man konnte die «Weltwoche»-Propaganda also auch hier lesen, schade eigentlich. Dazufügen möchte ich nur eines: Hürlimanns Anzeige gegen mich wegen Falschbeschuldigung vor zwei Jahren wurde abgewiesen, es gab gemäss Staatsanwaltschaft keinen Grund oder Anhaltspunkt für eine Untersuchung. Hürlimann machte Beschwerde und zwang die Staatsanwaltschaft zur Anklage (zentralplus berichtete).

Ja, ist bitzli eine andere Geschichte, als sie in der «Weltwoche» dargestellt wurde, aber wir kennens ja. Oder erwarten Sie von einem Journalisten, welcher wegen mir erstinstanzlich wegen übler Nachrede verurteilt wurde, eine differenzierte Schreibe?

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Genau das ist der Punkt. Die «Weltwoche» nimmt den Güllenschlauch hervor und plötzlich schwimmen sie alle wieder im selben Fahrwasser wie in den Jahren 2015/2016. Damals, als ich *Piiip* machte und die nationale Presse stand auf der Matte und schrieb irgendwas zu meinem *Piiip*. Irgendwas, Hauptsache mit grossen Lettern. Los wurde man die Geier in der Regel nicht mehr, auch wenn man sie gar nie bestellt hat.

Eineinhalb Jahre lang habe ich nun aufgeräumt.
Aufgeräumt, wie eine Mutter auf dem verlassenen Spielplatz.

Ich habe mir die Journalisten, einen nach dem anderen, vorgeknöpft und ihnen die Leviten (aus dem Journalistenkodex) gelesen. Mein diesbezüglicher Mailordner ist imposant. Ich besuchte Journalistentagungen und stellte sie zur Rede, hörte ihnen aber auch zu. Ich referierte in Zusammenarbeit mit einem Professor an der Journalistenschule in Medienethik, reiste auch in die Westschweiz und sprach in Journalistenkursen, ich schrieb Mails an Redaktionen, sie mögen doch bitte nun endlich nicht mehr vom Sex-Skandal (weil das Vorgefallene nichts mit Sex zu tun hatte), sondern vielleicht vom Medien-Skandal schreiben.

Ich siegte vor Gericht gegen die «Weltwoche». Ich siegte vor dem Presserat gegen den «Blick» und ich reichte Klage wegen Persönlichkeitsverletzung ein (zentralplus berichtete). Die «Zuger Zeitung» (eigentlich der Chef in Luzern) hat sich öffentlich für gemachte Fehler, fehlende Recherche und tendenziöse Berichterstattung bei mir entschuldigt. Ich habe Wutbürger rechtlich erfolgreich belangt, welche noch immer behaupteten, ich hätte damals gelogen.

Wie ein gekränktes Rumpelstilzli

Und dann kommt so ein Schreibtischtäter der «Weltwoche», möchte seinem Kumpel von der Volkspartei eine Freude machen und, absolut tendenziös und unfair, veröffentlicht eine ungefilterte und nur einseitig kommentierte Anklageschrift. Natürlich ohne mich im Vorfeld um Stellungnahme zu bitten. Noch nie gesehen sowas. Wie ein gekränktes und rachesüchtiges Rumpelstilzli, der vorbestrafte Philipp Gut. Dass nämlich die Behörden damals kein Fleisch am Knochen gefunden haben, wusste Dr. Philipp Gut, wir haben in seinem Verfahren mehrmals darüber gesprochen. Aber er hats in seinem Pamphlet nicht erwähnt.

Und die Meute schrieb ab und machte Stimmung. Die Wutbürger, drüben in der Bubble meines Zweitaccounts, feierten, als gäbs kein Morgen. Dies hatte damit zu tun, dass sie Anklage und Urteil nicht unterscheiden konnten.

Es muss schon sehr befriedigend sein, von der «Weltwoche» einseitige Artikel abzuschreiben. Auch für zentralplus. Vielleicht hatte ich auch gar keinen Schreibstau, sondern einfach keine Lust, einen zentralplus-Blogartikel zu schreiben. Immerhin haben sie hier nachher die Stellungnahme meines Anwalts auch veröffentlicht. Nötig gewesen wär aber beides nicht, gerade wenn man sich als Medium vom Pöbel abheben will. Auch wenn das ganze Rudel mitmacht.

Was ich aber hier auf den Punkt bringen möchte, ist was anderes. Vor zwei, fast drei Jahren zerbrach ich fast. Ich zerbrach fast an der Stimmung, die gemacht wurde im Land, an der Hetze, am Sexismus überall. Ich wurde depressiv, war fast ein Jahr lang krankgeschrieben. Ich war verletzt und fühlte mich sehr allein.

Tamara, Franziska, Nancy

Als ich letzte Woche in Bern an einer Veranstaltung meinen Verein #NetzCourage vorstellen durfte, sprach ich mit Tamara Funiciello (Präsidentin Juso Schweiz und ebenfalls ein Feindbild der Wutbürger) öffentlich über unseren Alltag mit all dem Hass, welcher uns entgegenschlägt. Wir merkten, dass dieser Alltag bei ihr und bei mir sehr ähnlich ist. Für uns bedeutet dies ein permanentes Abwehren grausigster Angriffe von meist älteren, weissen Männern.

Sie sagte da, dass sie nicht mehr Juso-Präsidentin wäre, wenn wir sie alle nicht so selbstverständlich unterstützen und abschirmen würden. Dieses Sicherheitsnetz, welches wir in den letzten 2 Jahren gewoben haben, halte sie zuverlässig über Wasser, hat sie gesagt. Vor 3 Jahren gab es dieses Netz zum virtuellen Schutz noch nicht. Seit 2 Jahren aber schon. Und hätte ich jetzt beim neusten Shitstorm dieses Sicherheitsnetz nicht gehabt, wäre ich weg, kaputt gemacht. Tamara wäre es auch. Und Franziska. Und Nancy, und künftig dann eventuell noch Mia, Irène oder Virginia.

Eine dreckige Medienkampagne würden wir ohne Unterstützung tausender Mitstreiter wohl nicht mehr überstehen. Es wird die Kleingeister mit ihren niederen Instinkten immer geben, welche auf Minderheiten, Frauen, alles, was anders ist, rumhacken und ihr kleines Ego befriedigen müssen, weil sie sonst keinen Lebensinhalt haben. Aber ich habe die Erwartung, dass mindestens der Grossteil der Schweizer Medienlandschaft lernfähig sein muss und sich von rechten Pöbelkampagnen abgrenzt.

Es war kein Sex- sondern ein Medienskandal. Und «Weltwoche»-Propaganda stinkt nach Gülle, das solltet ihr von Weitem riechen. Eine Chance geb ich euch Journis noch. Eine einzige. Ich sag dafür deutlich Nein zu #NoBillag. Denn auch darum gehts. Vielleicht sogar vor allem.

Stellungnahme der Redaktion 

Es ist korrekt, dass zentralplus über die Anklage der Zuger Staatsanwaltschaft berichtete, welche die «Weltwoche» publik machte. Wir erachten diesen Umstand als relevant in der ganzen Affäre. Aus unserer Sicht handelt es sich hierbei nicht um «Rudeljournalismus»; vielmehr kommen wir damit unserer Aufgabe der transparenten und unvoreingenommenen Informationsvermittlung nach. Dies umso mehr, als Jolanda Spiess-Hegglin bei zentralplus mit diesem Blog eine eigene Plattform geniesst.
Unsere Berichterstattung unterschied sich überdies wesentlich von jener der «Weltwoche». Den Vorwurf, einseitig abgeschrieben zu haben, weisen wir zurück. Stattdessen haben wir den Fakt der Anklage mit Stellungnahmen und Reaktionen ergänzt.

Christian Hug

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6 Kommentare
  1. Maria Loppe, 04.12.2017, 23:59 Uhr

    Unglaublich – die Katze kann das Mausen nicht lassen!

    Die Frau giesst regelmässig Öl ins Feuer und scheint es nicht einmal zu merken… meine These ist dass Sie die Aufmerksamkeit regelrecht sucht, ja gar nicht will dass das “Theater” um sie aufhört.

    Sie scheint gar nicht zu merken (wollen) wie “Kleingeistig” gerade sie selbst eigentlich ist und wie lächerlich sie sich mit diesem Opferkult macht.

  2. Caroline Hunziker, 04.12.2017, 14:32 Uhr

    @ Heinrich Vogelsang. Sie scheinen da einiges nicht ganz zu verstehen. Kein Problem, wir helfen ja gerne. Eine Ehrverletzungsklage von Markus Hürlimann gegen Jolanda Spiess ist schon seit mehr als 2 Jahren pendent. Wenn der zuständige Staatsanwalt einfach seine Arbeit nicht machen will, muss man ihn dazu “aufmuntern”. Soviel zum ordentlichen Rechtsweg. Hürlimann kann KEINEN Staatsanwalt zwingen, dem Fall endlich die nötige Aufmerksamheit zu schenken und die Strafverfolgung an die Hand zu nehmen. Diese Auflage hat ihm das Obergericht zugewiesen. Einfach wegen Dreck schleudern und so…………Eine Anklageschrift des Staatsanwaltes gehört wie ein Strafbefehl oder eine Einstellungsverfügung durchaus zu öffentlich einsehbaren Dokumenten. Für Journalisten sind Anklageschriften interessant, weil sie die umfangreiche Recherche des Staatsanwalts zusammenfassen, der im Unterschied zum Journalisten auch Zwangsmassnahmen einsetzen kann. Diese Anklageschrift ist natürlich eine Parteibehauptung, weil der Staatsanwalt nach Abschluss der Untersuchung vom möglichst objektiv ermittelnden Justizorgan zum reinen Ankläger mutiert. Darum gilt logischwerweise die Unschuldsvermutung und die Gegenpartei hat bei der Gerichtsverhandlung die Möglichkeit, ihre Argumente vorzubringen. Hier hat die Weltwoche lediglich die Anklageschrift “abgebildet” und keine eigenen Kommentare dazugefügt. Dass der Autor dazu keine Stellungnahme von Spiess braucht, liegt auf der Hand! Nichts von Schlammschlacht, das sind inakzeptable Unterstellungen ohne Substanz. die 14-Seiten entbehren nicht einiger Brisanz. Wenn der Staatsanwalt verlautete, mind. eine Gefängnisstrafe von 2 Jahren zu fordern (3 wären möglich), kann es sich kaum um eine Bagatelle handeln. Hier hat des Ph. Gut SEHR genau genommen, er hat sogar die Seitenzahl der Anklageschrift beziffert. Leider war er nicht immer so genau, das hat ihm EINE Verurteilung eingebracht (Sarasin), die Streitsache mit Spiess ist nicht rechtskräftig. Parteien und ihre Anwälte können
    vom Staatsanwalt während eines laufenden Strafverfahrens zur Verschwiegenheit verpflichtet
    werden (war aber hier NICHT der Fall). Besteht aber ein überwiegendes öffentliches Interesse
    müssten sich Anwälte nicht an diese Weisung halten.
    Heinrich Vogelsang oder wie immer sie heissen, Kritik ist gut, Kenntnis der Sachlage wäre aber von grossem Vorteil!

  3. jmb, 02.12.2017, 21:13 Uhr

    Zentralplus hat (auch) in diesem Fall klar Rudeljournalismus betrieben. Dies Ausflüchte von Christian Hug sind lächerlich.

    1. Daniel Huber, 04.12.2017, 08:52 Uhr

      Praktisch, jmb, wenn man keine Argumente braucht und man einfach anonym irgendwas behaupten kann.

  4. Caroline Hunziker, 02.12.2017, 07:48 Uhr

    Leider versucht sich Spiess einmal mehr rauszureden und die Tatsachen so gerade zu biegen, wie es ihr gefällt. Dass gewisse Realitätenein völlig anderes Gesicht haben, kümmert sie wenig. Die Einstellungsverfügung der Staatsanwaltschaft vor 2 Jahren konnte man auch als Journalist lesen. Da wurde der Tatbestand “planmässige Falschbeschuldigung” tatsächlich abgewiesen. Im September 2015 notabene. In der Zwischenzeit sind mehr als zwei Jahre vergangen und verschiedene neue mediale Äusserungen (auch auf Facebook und Twitter) sind Bestandteil der aktuellen Anklageschriift der Staatsanwaltschaft. Die Beschwerde ist ein legitimes Rechtsmittel und so wurden schon mehrere erstinstanzliche Urteile kassiert! Es ist völliger Unsinn, die die Weltwoche zu beschimpfen. Der Autor hat lediglich die 14-seitige Anklageschrift des Staatsanwalts kommentiert und sogar jeweils auf die entsprechende Seitenzahl hingewiesen. Dazu braucht es keine Stellungnahme von Jolanda Spiess. Dr. Gut hat auch auf die Unschuldsvermutung hingewiesen, wie das bei solchen Texten üblich ist. Von gekränkt und rachesüchtig kann keine Rede sein. Zudem sei es auch hier noch einmal erwähnt: In der Streitsache Spiess gegen Philipp Gut gibt es KEINE rechtskräftige Verurteilung. Das Zürcher Obergericht befasst sich mit dem Fall. Wer wie Spiess dauernd provoziert, muss mit Gegenwehr rechnen. Man hätte sich wirklich gewünscht, dass endlich Ruhe einkehrt und sie sich von der Öffentlichkeit zurückzieht. Sie giesst weiterhin Oel ins Feuer, nimmt an Podiumsdiskussionen teil und stellt sich im Fernsehen (SWR) als Opfer sexueller Gewalt dar (was NIE bewiesen wurde). Allein die Gerichte werden sich mit der Schuldfrage befassen, das ist in einem demokratischen Staat mit Gewaltentrennung so üblich. Dort darf auch Spiess ihre Argumente vorbringen. Von rechten Pöbelkampagnen kann nie die Rede sein. Wer austeilt, sollte auch einstecken können. Das gilt auch für Tamara (Funiciello), Nancy (Holten) und Franziska (Schutzbach).

    1. Heinrich Vogelsang, 02.12.2017, 15:02 Uhr

      Verehrte Caro, was Sie über «Doktor Gut» schreiben, hat mich zum Lachen gebracht. Es ist ja nicht so, dass «Doktor Gut» hier wissenschaftlich korrekt aus einem Standardwerk zeitgenössischer Jurisprudenz zitieren würde.

      Ich glaube nicht alles, was ich lese, aber let’s face it: Markus Hürlimann hat in diesem Fall angefangen, wieder Dreck zu schmeissen, nicht Jolanda Spiess. Er hat nämlich den Staatsanwalt gezwungen, ein Verfahren zu führen, das dieser nicht führen will. Und dann die – keineswegs öffentliche – Anklageschrift dem «Doktor Gut» gesteckt, der es bekanntlich mit der Wahrheit und der Ehre nicht allzu genau nimmt. Und der nicht nur flugs eine hübsche kleine Schlammschlacht entfacht hat, sondern darüber hinaus und dauerhaft ein riesiger Schandfleck für seinen Berufsstand ist.