Coronapandemie: Welche Begriffe wir verwenden – und welche nicht
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Im Zuge der Corona-Pandemie haben sich neue Begriffe etabliert – doch wofür sie genau stehen, ist teils nicht ganz klar. (Bild: Adobe Stock)

Das Covid-Glossar von zentralplus Coronapandemie: Welche Begriffe wir verwenden – und welche nicht

5 min Lesezeit 4 Kommentare 20.02.2021, 11:00 Uhr

Die Coronapandemie spaltet die Gesellschaft. Während die einen das Ende aller Einschränkungen fordern, verlangen die anderen einen europaweiten Lockdown. Mittendrin: die Medien. Wir sagen, wie zentralplus mit den Begriffen für die unterschiedlichen Positionen umgeht.

Die Schweizer Medienwelt ist seit Beginn der Coronakrise stark gefordert. Anfänglich herrschte in der Bevölkerung eine mehrheitlich unkritische Haltung den Massnahmen gegen die Ausbreitung der Seuche gegenüber. Inzwischen ist das anders. In den Medien melden sich vermehrt kritische Stimmen zu Wort. Der Bundesrat und die Kantone müssen immer besser argumentieren, weshalb die Einschränkungen für die Bevölkerung nötig sind.

Das zeigt sich auch in unseren Kommentarspalten immer wieder. So beispielsweise anlässlich einer Coronademo in Zug, über die zentralplus berichtete. Der Artikel löste einige sehr positive Reaktionen aus – aber auch Kritik.

Ein Leser meinte, «Coronaleugner» seien «lächerlich» gemacht worden. Ein anderer schrieb, der Artikel ginge in die Richtung «Lügenpresse». Ein dritter differenzierte, der Bericht sei zwar fair, nur dem Titel «Grossaufmarsch der Coronaskeptiker in Zug» fehle es an Neutralität, weil «Aufmarsch» ein negatives Wort sei. Ein weiterer Leser wollte wissen, warum wir den Begriff «Skeptiker» für die Demonstranten gewählt haben.

zentralplus steht für Meinungsvielfalt ein. Menschen, die Kritik an den Coronamassnahmen üben, sind genauso ernstzunehmen wie die Befürworter. Tatsächlich ist die Bewegung sehr heterogen – und es haben sich noch keine offiziellen Begriffe etabliert, um die verschiedenen Strömungen einzuordnen.

Intern haben wir über das Thema ausführlich diskutiert und nehmen nachfolgend einen Versuch vor, die unterschiedlichen Motive und Haltungen einzuordnen und für uns zu definieren. Du bist damit nicht einverstanden? Mitdiskutieren in den Kommentaren ist erwünscht.

Begriffe, auf die wir verzichten

  • Covidiot: Abschätziger und undifferenzierter Begriff, mit dem die kritischen Haltungen gegenüber dem Coronavirus und den Massnahmen zu dessen Bekämpfung in einen Topf geworfen und öffentlich diffamiert werden. Wird von zentralplus nicht benutzt.
  • Coronagläubige/Schlafschafe: Abwertender Begriff für Menschen, die angeblich alles glauben, was die Behörden erzählen und die die Massnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus nicht kritisch hinterfragen. zentralplus verwendet diesen Ausdruck nicht. Er impliziert, dass die so Bezeichneten «schlafen» und doof wie ein Schaf der Herde folgen.
  • Mainstream-Medien/Lügenpresse: Abwertende Begriffe von Menschen, die fälschlicherweise davon überzeugt sind, dass sämtliche etablierten Medien zentral gesteuert werden und Lügen verbreiten – auch wenn sie ganz unterschiedlich finanziert und dadurch unabhängig sind.
  • Verteidigerinnen der Grundrechte: Eigenbezeichnung vieler Teilnehmer von Coronademonstrationen. Wird von zentralplus nicht benutzt, weil der Begriff nicht präzis ist. Zwar demonstrieren die Teilnehmerinnen an diesen Kundgebungen gegen die Einschränkungen der persönlichen Freiheiten und der Wirtschaftsfreiheit – was Grundrechte sind. Nur: Die von den Behörden angeordneten Massnahmen dienen ebenfalls dem Schutz bestimmter Grundrechte – etwa dem Recht auf Leben der älteren Generation und der Risikogruppen. Coronademonstranten als Grundrechtsverteidiger zu bezeichnen würde implizieren, dass sich die «Gegenseite» nicht um die Grundrechte schert. Das trifft nicht zu.

Begriffe, die wir verwenden – und wie wir sie verstehen

  • Coronaleugner: Eine Person, die nicht daran glaubt, dass es das Coronavirus gibt. Die weltweite Pandemie sei inszeniert, um die Rechte der Bürgerinnen einzuschränken und diese kleinzuhalten.
  • Coronaskeptikerin: Ein Mensch, der nicht daran glaubt, dass das Coronavirus so gefährlich ist, wie Wissenschaftler und Regierungen dies weltweit behaupten. Typischerweise wird Covid mit einer Grippe verglichen und es wird bestritten, dass es eine Übersterblichkeit gibt – weshalb praktisch alle Massnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus als unverhältnismässig eingestuft werden.
  • Massnahmenkritiker: Ein Mensch, der zwar die Gefährlichkeit des Coronavirus anerkennt, mit einzelnen Massnahmen gegen dessen Ausbreitung aber nicht einverstanden ist oder deren Wirkung infrage stellt. Eine kritische Haltung, die legitim und weitverbreitet ist. Klassisches Beispiel: Im Februar das Skigebiet Sörenberg öffnen – aber nur an vier Tagen die Woche. Das sorgte weitherum für Unverständnis.
  • Maskenverweigererin: Menschen, die aus Prinzip keine Schutzmasken tragen – auch wenn aus medizinischen Gründen nichts dagegenspricht. Die Haltungen dahinter können unterschiedlich sein. Manche glauben, das Coronavirus gäbe es gar nicht, andere zweifeln an der Wirksamkeit der Schutzmasken und wieder andere glauben, eine Infektion sei nicht weiter gefährlich (siehe oben).
  • Sterben an Covid: Teils wird uns vorgeworfen, Alarmismus zu betreiben, wenn die Zahl der Toten erwähnt wird, welche die Coronapandemie in der Schweiz, Zug oder Luzern gefordert hat. Es ist durchaus möglich, dass Covid bei einem einzelnen Patienten nicht die alleinige Todesursache war oder den Sterbeprozess beschleunigte. Die statistisch belegte Übersterblichkeit weist aus unserer Sicht aber klar auf die Coronapandemie hin – und es wäre aus unserer Sicht ein Hohn für die Angehörigen und die Opfer, so zu tun, als wäre das nicht so.
  • Coronapandemie: Unter Pandemie versteht man die weltweite Ausbreitung einer Infektionskrankheit. Im Unterschied dazu verbreitet sich bei einer Epidemie eine Infektionskrankheit lokal oder regional. Wenn die Fallzahlen sinken, bedeutet das nicht, dass zentralplus alarmierend berichtet, wenn wir weiterhin den Begriff Coronapandemie verwenden.
  • Corona-sheriff/Coronadenunziant: Menschen, die sich dazu berufen fühlen, sämtliche Verstösse gegen die Coronaverordnung der Polizei oder auch mit Vorliebe mit Bild den Medien zu melden, damit die Betroffenen denunziert und «an den Pranger» gestellt werden. zentralplus macht da nicht mit. Wenn es grosse Menschenansammlungen gibt, berichten wir darüber. Aber so, dass auf den Bildern niemand identifizierbar ist.
  • Coronaphobiker: Diese Menschen haben so grosse Angst davor, sich mit dem Coronavirus zu infizieren, dass sie soziale Ängste entwickeln und sich kaum mehr vor die Türe trauen.
  • Zero-Covid-Aktivisten: Menschen, die einen Lockdown für ganz Europa fordern, um das Coronavirus auszurotten. Sie setzen – unter anderem in Deutschland – auf Unterschriftensammlungen und Demos. Im Rahmen des Zero-Covid-Days am 5. Februar startete zudem die Twitteraktion #covidatwork, in deren Rahmen Arbeitnehmer aufgefordert werden, Betriebe zu melden, in denen zum Beispiel der Abstand nicht eingehalten wird.

Findest Du eine dieser Definitionen kreuzfalsch? Oder fehlt die Definition eines Begriffs, der die gesellschaftliche Diskussion rund um Corona mitprägt? Wir freuen uns über Denkanstösse und wenn Du in der Kommentarspalte mitdiskutierst.

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4 Kommentare
  1. Silvan Studer, 20.02.2021, 14:07 Uhr

    zu «Mainstream-Medien/Lügenpresse: »
    Wenn alle so unabhängig sind, warum schreiben denn alle das Gleiche?
    Warum wird immer das gleiche Narrativ durchgezogen, von allen?
    Es gibt wissenschaftliche Beweise, dass Lockdowns nichts nützten.
    Es gibt hingegen keine Beweise, dass Masken nützen.
    Warum bringen die Mainstream Medien dies nicht breit und wochenlang?
    Die immensen Kollateralschäden und gewaltigen Kosten der Massnahmen werden kaum thematisiert.
    Warum?
    Sonst kümmert ihr euch doch auch so mutig um die Buchhaltung, z.B. bei der VBL, oder um die Urheberrechte bei albernen Polizeitänzen.
    Wäre es Ihnen tatsächlich möglich, der Politik auf die Pelle zu rücken bei diesem Coronaskandal?
    Es ist tatsächlich schwer zu glauben, dass alle «zufällig» das Gleiche schreiben und alle auf Schmusekurs mit der Regierung sind.
    Machen Sie doch mal einen Artikel darüber, wie Medien funktionieren, damit man das versteht.
    Das beste Mittel gegen «Verschwörungstheorien» sind nachvollziehbare Erklärungen.

    1. Redaktion Lena Berger, 20.02.2021, 15:39 Uhr

      Vielen Dank für den Hinweis, wir werden das als Vorschlag gerne aufnehmen.

  2. John, 20.02.2021, 13:11 Uhr

    Bei «Maskenverweigererin» haben Sie mE einen wichtigen Aspekt vergessen: Gemäss offiziellen Verlautbarungen ist ein gewichtige Motivation für die Verordnung der Maskenpflicht, die «Pandemie» im öffentlichen Bewusstsein zu halten (was ja auch bestens gelingt). Dafür behauptet man eine Wirksamkeit der Masken, die nirgends wissenschaftlich unterlegt ist, und bestreitet die negativen Aspekte, die sowohl offensichtlich sind wie auch von Fachleuten verschiedenster Richtungen einleuchtend erklärt werden. Dass jetzt – trotz sinkender Zahlen seit über zwei Monaten – immer jüngere Kinder mit Maskenpflicht belegt werden, zeigt nur, wie weit die Corona-Bürokratie ausser Rand und Band geraten ist. Sich zu weigern, diesen monumentalen Betrug mitzumachen, ist mE ein ehrenwerter Grund, die Maske zu verweigern.

    1. Redaktion Lena Berger, 20.02.2021, 15:39 Uhr

      Vielen Dank für die Ergänzung.

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