Wir sind alles Cupsieger-Jungs
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Sämi Deubelbeiss und David Zibung feiern den Cupsieg. (Bild: sde)

Der «Chöbu» ist endlich wieder in Luzern Wir sind alles Cupsieger-Jungs

4 min Lesezeit 8 Kommentare 26.05.2021, 12:53 Uhr

Es ist getan. Nach 29 Jahren ist der «Chöbu» endlich wieder in Luzern. Es war ein Tag voller Emotionen und einer grandiosen Siegesfeier. Aber bis es vollbracht war, brauchte es viele Nerven. Aber ganz ehrlich, dieses Leiden hat sich gelohnt.

Nach einer schwierigen Nacht, ich hatte vor Aufregung kaum geschlafen, ging ich mit meiner Tochter zur Ablenkung in den «Toni’s Zoo». Dieser Ausflug tat mir gut. Ich schrieb dem Luzerner Musiker Henrik Belden ein WhatsApp, dass ich ein gutes Gefühl habe und wir 3:0 gewinnen würden. Nach dem Mittagessen versammelten sich dann, ganz Corona-konform, zehn alte Weggefährten bei uns zu Hause, alles jahrzehntelange FCL-Fans. Einer davon war sogar einmal einer von nur sechs FCL-Fans, welcher die Mannschaft in einem Europacup-Spiel nach Island begleitet hatte. Das Kribbeln war spürbar, viel zu lange warteten wir auf einen «Chöbu» in Luzern.

FCL hat sich diesen Sieg verdient

Das Spiel war dann an Emotionen kaum mehr zu überbieten. Verdiente 2:0-Führung, Anschlusstreffer aus dem Nichts und dann das erlösende 3:1 durch Pasci Schürpf. Kurz vor Schluss dann noch ein Schreckmoment, Penalty für St. Gallen? Nein, denn eine Mannschaft, ja eine ganze Region, kann sich das Glück auch verdienen. Nach den verlorenen Cupfinals 2007 und 2012, als wir zweimal betrogen wurden, hatten wir noch einige offene Kredite bei den Schiedsrichtern. Diese wurden nun eingelöst, aber spielentscheidend waren sie nicht. Denn wir spielten ganz klar in einer anderen Liga als der Gegner. Genau, ihr wisst, was ich meine. Hochmut kommt vor dem Fall, umso süsser ist dieser Cupsieg.

Nach dem Schlusspfiff gab es dann kein Halten mehr, die Freudentränen flossen. Es war mehr als nur ein Sieg nach einem Fussballspiel. Es ist der Lohn für die Unterstützung unseres Herzensvereins, in guten wie in schlechten Zeiten. Den Cupsieg 1992 erlebte ich zusammen mit Rapper Emm und unseren beiden Vätern live im Wankdorf-Stadion in Bern. Als zehnjähriger Junge konnte ich damals den Stellenwert eines Cupsieges jedoch noch nicht einordnen und ich wusste auch noch nicht, dass es nur «Ei Stadt ede Schwiiz» gibt.

Fasnacht im Mai

Auch wir liessen es uns nicht nehmen, den Cupsieger-Jungs die Ehre zu erweisen. Wie die Fans schon vor dem Cupfinal angekündigt hatten, war es wie Fasnacht im Mai. Im Vögeligärtli angekommen, konnte man meinen, man sei an der Kaffischlacht am Schmutzigen Donnerstag. Eine ausgelassene Stimmung, der Geruch nach Alkohol und ein unfassbarer Lärm waren das Eine. Viele bekannte Gesichter, welche man sonst jeweils an der Fasnacht antrifft, das Andere. Ja, es war wirklich rüüdig toll und friedlich.   

Feuchte Augen hüben wie drüben

Der Fan-Marsch auf die Luzerner Allmend war dann ein weiterer Höhepunkt. Den Siedepunkt erreichte die Cup-Fete jedoch, als die Mannschaft den «Chöbu» auf dem Balkon der Luzerner Messe den Fans präsentierte. Irgendwie konnte man es als langjähriger FCL-Fan noch nicht begreifen, dass der «Chöbu» nach 29 Jahren endlich wieder in Luzern war. Diesen Moment mit langjährigen Freunden erleben zu dürfen, war einfach nur grandios.

FCL-Fans feiern vor dem Pilatus.

Als ich dann die feuchten Augen der Cup-Helden von Nahem sah, wurde mir langsam bewusst, dass wir es wirklich geschafft hatten. Da war zum Beispiel Investor Sepp Bieri, dem wir so viel zu verdanken haben. Oder der ehemalige FCL-Doc Koni Birrer, der dem Club schon so lange in diversen Funktionen treu ist. Feuchte Augen hüben wie drüben, einfach rüüdig schön.

Ehre, wem Ehre gebührt

Ganz besonders gönne ich diesen Titel Dave Zibung und Chregu Schwegler, welche ihre Karriere nun mit einem «Chöbu» beenden. Ehre, wem Ehre gebührt, das gilt vor allem für Dave Zibung. Was er in seiner fast 20-jährigen Karriere alles für unseren Verein geleistet hat, ist unbeschreiblich. Er ist bereits jetzt eine lebende FCL-Legende und hat im letztmöglichen Moment noch den fehlenden Titel geholt. Als wir uns zu später Stunde in den Armen lagen und zusammen den «Chöbu» in die Luft stemmten, kamen die Freudentränen nochmals. Nun realisierte ich es definitiv, wir sind alles Cupsieger-Jungs.

Hopp Lozärn ond bliebed gsond.

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8 Kommentare
  1. Oli (Stammtischtrainer-Podcast), 27.05.2021, 08:17 Uhr

    Eifach nome wonderschön!!! Danke Sämi för de sehr träffendi Artikel. Esch mer genau glich gange ond be eifach nome glöcklech, debi gsi zsi!
    Ond jo; Haters gona hate. Aber was bliibt wenn de ganzi (teilwiis doch sehr könschtlechi ond erwartbari) Rauch vo Negativstemme verfloge esch?
    Rechtig: de 3. Cupsieg för de FCL. Ond dä nemmt üs niemer meh!

    Hopp Lozärn!

  2. Roger «Rime» Reinmann, 26.05.2021, 15:25 Uhr

    Guuggemusig, Fasnacht, FCL!

  3. Michael Graber, 26.05.2021, 14:56 Uhr

    Diszipliniert im Zusammenhang mit Fasnacht zu erwähnen haha, das ist genau mein Humor.
    Nicht das es mich stören würde, aber sind sie schon einmal an einem (Fasnachts-)Freitagmorgen durch die Altstadt spaziert? Wohl eher nicht…

    Da werden ein paar Fackeln gezündet, Reinigungskosten von lächerlichen CHF 15’000.- verursacht und das Spiessertum kann sich wieder enervieren. Zum Glück habt ihr keine anderen Probleme.

    Aber es ist eh müssig hier die Fasnacht gegenüber dem Fussball auszuspielen. Beides hat seine Daseinsberechtigung und das ist gut so.

    1. Murti Muheim, 26.05.2021, 18:28 Uhr

      Stimmt, die 15’000. – sind wirklich lächerlich im Vergleich damit was der FCL den Steuerzahler jedes Jahr kostet. Zudem finden sich die grössten Spiesser wohl eher im Bereich Fussball als populärste Sportart.

  4. Michel von der Schwand, 26.05.2021, 13:50 Uhr

    Der Vergleich mit der Fasnacht ist eine Anmassung gegenüber den Guuggenmusigen und den Vereinigten. Bedenkt man, wie diszipliniert gerade ein Grossanlass wie ein Monstercorso ablaufen, dann ist das blanker Hohn. Was im und rund um das Vögeligärtli geschehen ist, hat NICHTS, aber auch gar NICHTS mit Fasnacht zu tun. Einfach mal den Ball flach halten und etwas demütiger über den Cupsieg des FC Luzern berichten. Hier haben einige randaliert, uriniert und Pyros Mitten in der Stadt gezündet. Zudem handelt es sich bei der Luzerner Fasnacht um traditionelles Brauchtum, was man von Fussballfans und Fussballvereinen wohl kaum behaupten kann.

    1. Markus Huber, 26.05.2021, 14:25 Uhr

      So en Schmarre; an der Fasnacht geht nichts kaputt und wird nirgendwo wild gepinkelt. Das glaubst Du ja selber nicht. Bin selber FCL-Fan und Fasnächtler. Schwarze Schafe gibt es bei jedem Anlass. Auch traf ich unzählige Fasnächtler im Vögeligärtli. Und übrigens gibt es den FCL länger als die Lozärner Fasnacht. Aber Freude habe ich an beiden Hobbies, was aber natürlich auch nicht für alle gilt.

    2. Roger Tschudin, 26.05.2021, 14:32 Uhr

      Genau, die Fasnacht ist diszipliniert. Da gibt es keinen Abfall, kein Wildpinkeln etc. Selten so einen Schwachsinn gelesen.

      Am Montag haben Tausende Luzernerinnen und Luzerner – jung und alt – ihren FCL nach einer langen Durstrecke friedlich gefeiert. Man muss schon ein ziemlich frustrierter und missgünstiger Zeitgenosse sein, um den Mitmenschen diese Freude nicht zu gönnen. Wir haben alle verstanden, dass Sie den FCL nicht lässig finden. Das ist Okay so und kümmert uns alle nicht, aber verschonen Sie uns doch von Ihren kleingeistigen Ergüssen.

      Danke @Sämi Deubelbeiss für den wunderbaren Artikel!

    3. Michel von der Schwand, 27.05.2021, 08:40 Uhr

      Fasnächtler demolieren wohl kaum das Mobiliar einer gemeinnützigen Organisation (Wärchbrogg) oder bedrohen Journalisten und demolieren deren Material. Mehr braucht es wohl zu diesem unterirdischen Verhalten gewisser FCL-Fans nichts mehr zu sagen!

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