Wie sich ein FCL-Trainer mit einer Wutrede um seinen Job brachte
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Trainingslager des FCL auf Marbella. Luzerns Lorik Emini beim Fussball-Tennis. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus))

Trainingslager des FC Luzern in Ägypten und Marbella Wie sich ein FCL-Trainer mit einer Wutrede um seinen Job brachte

4 min Lesezeit 19.01.2020, 10:57 Uhr

Auch in diesem Jahr war der FC Luzern als Vorbereitung für die Rückrunde im spanischen Marbella im Trainingslager. Ich war für Radio Pilatus ab 2011 insgesamt sechsmal mit dem FCL im Trainingslager und berichtete über die Geschehnisse. Diese Reisen beinhalteten jeweils nicht nur Arbeit. Nein, ich erlebte in dieser Zeit auch einige lustige Geschichten, welche bis heute nur wenige kennen.

Ich war schon ein bisschen enttäuscht, als sich der FC Luzern 2013 entschied, nicht mehr nach El Gouna ins Trainingslager zu gehen. Für uns Journalisten waren diese Reisen im Januar an die Wärme nach Ägypten jeweils immer harte Arbeit unter Extrembedingungen. Ähmm nein, natürlich nicht wirklich. Die 10 Tage zum Jahresstart waren eher so etwas wie Büezen mit Ferienfeeling. Klar hat es genervt, wenn mir vor der Abreise jeweils alle schöne Ferien wünschten. Aber ganz ehrlich, sie hatte irgendwie schon Recht.

Bootstour auf dem Meer mit Herr Sawiris

Denn wer kann schon behaupten, auf der Yacht von Sami Sawiris gewesen zu sein. Der FC Luzern war dabei und auch ich wurde eingeladen. Nochmals herzlichen Dank dafür Herr Sawiris, das war ein grossartiger Nachmittag. Diese Zeit dürfte bestimmt auch noch diversen ehemaligen FCL-Spielern in bester Erinnerung sein, wenn sie denn noch etwas davon wissen.

Es gab in diesem Trainingslager auch weitere Teambildungsmassnamen wie beispielsweise ein Go-Kart-Rennen oder ein Essen in einem Burgerladen, in welchem die FCL-Spieler Hamburger mit Goldplättchen auf dem Fleisch assen. Kurz, die Stimmung in Ägypten war top, die anschliessende Rückrunde dann leider ein Flop. Eventuell hätte der FCL etwas mehr trainieren müssen, anstatt mit Herr Sawiris auf dem Meer herumzutuckern.

Wechsel nach Marbella hat sich ausbezahlt

Einerseits der stetige Wind, andererseits die schlechten Trainingsplätze und fehlenden Testspielgegner bewogen die Verantwortlichen des FC Luzern vor sieben Jahren zu einem Umdenken. Ab 2013 fand das Trainingslager nicht mehr in Ägypten, sondern im spanischen Marbella statt. Zwar ist es dort im Januar rund 10 Grad kälter als in El Gouna, was uns Journalisten natürlich nicht zugute kam.

Für eine professionelle Vorbereitung auf eine Fussballrückrunde ist Marbella jedoch um ein Vielfaches geeigneter. Statt mutterseelenalleine in einer ägyptischen Wüste trainierte der FC Luzern plötzlich neben Teams wie Borussia Dortmund oder Dynamo Kiew. Das Unterhaltungsprogramm in den Trainingslagern wurde weniger, die Trainingseinheiten dafür intensiver. Unvergessen bleibt mir, als Zuschauer natürlich, eine Konditionseinheit mit harten Läufen.

Angetrieben von Christian Schmidt verabschiedeten sich die Spieler fast im Minutentakt auf die Toilette. Es kotze, was es wolle, sagte der Konditionstrainer immer wieder. Da war ich echt froh, Journalist und nicht FCL-Spieler zu sein.

Eine gute Flasche Rioja reichte nicht

Zu Beginn war es immer so, dass die Journalisten im gleichen Hotel waren wie die Mannschaft. Dies ergab an den Abenden immer wieder gute Gelegenheiten, mit dem Trainer-Staff oder dem Vorstand tiefgründige Gespräche zu führen. An einem Abend hatte ein ehemaliger FCL-Trainer einmal das Gefühl, an der Hotelbar vor dem Verwaltungsrat und Vorstand eine Wutrede zu halten.

Völlig in Rage griff er aus dem Nichts alle und alles an. Das Fazit dieser unglaublichen Szene war, dass er dann nicht mehr lange im Amt war. An einem anderen Abend hatte ich mich mit dem damaligen FCL-Medienchef sowie seinen beiden Mitarbeitern verabredet. Nach einem feinen Essen gingen wir in eine Bar und bestellten eine gute Flasche Rotwein. Aus einer Flasche wurden zwei und dann drei – den Rest kann man sich denken.

Am Schluss mussten wir den Mann, der für die guten Bilder verantwortlich ist beim FCL, mit einem Gepäcktransportwagen vom Hotel in sein Zimmer fahren. Als die betroffene Person am kommenden Tag dann pünktlich und ohne zu klagen zum Training erschien, bekam diese Szenenapplaus von der ganzen Mannschaft. Die Spieler hatten beim Morgenessen natürlich bereits vom nächtlichen Ausflug der Luzerner Medienabteilung erfahren.

Marbella treu geblieben

Bis heute ist der FC Luzern der Destination Marbella für die Trainingslager im Januar treu geblieben. Bleibt zu hoffen, dass das Team von Fabio Celestini in den vergangenen Tagen mit dem gleichen Elan die Trainingseinheiten betritt wie vor nicht allzu langer Zeit unter Trainer Gerry Seoane.

Genau vor zwei Jahren hatten die Luzerner nämlich eindrücklich bewiesen, wie gut ihnen die spanische Luft immer wieder tut, und eine grossartige Rückrunde gespielt. Bitte, liebe FCL-Spieler, macht es genau wieder so, ich freue mich auf einen erfolgreichen Frühling.

Hopp Lozärn

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