Noch steht für den FC Luzern die grösste Entscheidung aus
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31.07.2020, Lino Lang jubelt nach dem Tor zum 2:1. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

Meisterschaft, Cup – und dann der Konkurs? Noch steht für den FC Luzern die grösste Entscheidung aus

4 min Lesezeit 05.08.2020, 10:42 Uhr

Mit dem 2:1-Sieg gegen den FC Zürich hat sich der FC Luzern den definitiven Ligaerhalt gesichert. Die wohl wichtigste Entscheidung steht aber noch bevor, jene zur zulässigen Anzahl Personen bei Grossanlässen. Würde der Bundesrat Mitte August entscheiden, weiterhin nicht mehr als 1000 Zuschauer ins Stadion zu lassen, wäre dies für den FCL und die ganze Super League wohl das Todesurteil.

Es war wie in einem schnulzigen Hollywood-Streifen, als der 20-jährige Rothenburger Lino Lang am vergangenen Samstag den FC Luzern gegen Zürich zum Sieg schoss und so seinem FCL den definitiven Ligaerhalt sicherte.

Dass eine Zeitung dieses Tor aber gleich zum schönsten Treffer der neunjährigen Swissporarena-Geschichte erkoren hat, geht mir zu weit. Unvergessen bleibt für mich der Gewaltshammer von Simon Grether in der Nachspielzeit gegen den gleichen Gegner vor etwas mehr als zwei Jahren. Damals, als die Welt noch in Ordnung war, die Fans im Stadion in Ekstase den Last-minute-Sieg bejubelten und die Luzerner Allmend beim Schweizer Erdbebendienst wohl einen leichten Ausschlag verzeichnete.

Der Ligaerhalt ist verdient

Es war für den FC Luzern und seine Fans keine einfache Saison. Die Vorrunde unter Trainer Thomas Häberli verlief nicht wunschgemäss, der erhoffte Aufschwung blieb aus. Im Winter entschied sich Sportchef Remo Meyer für einen erneuten Trainerwechsel und Fabio Celestini schlug sofort ein.

Auch die Corona-Pause machte dem FCL nach dem Restart nichts aus, bis plötzlich dann doch noch die obligate FCL-Krise kam. Viele Spieler fielen verletzt aus, vielleicht hat Celestini rückblickend zu resultatorientiert gespielt und zu wenig gewechselt in dieser Zeit. Letztendlich haben sich die Luzerner aber souverän in der Liga gehalten, der erreichte Tabellenplatz ist aus meiner Sicht mit dem Gezeigten kongruent.

Ich will nicht auf dem Sofa Cupsieger werden

Noch ist die Saison für den FC Luzern aber nicht zu Ende. Im Cup hat das Team von Fabio Celestini die Chance auf den 3. Cupsieg der Vereinsgeschichte. Auf diesen Titel könnte ich in der aktuellen Situation aber ganz ehrlich verzichten.

Unvergessen bleibt für mich der Cupsieg 1992, als ich als kleiner Junge zusammen mit rund 35‘000 FCL-Fans den zweiten «Cöp-Chöbu» im altehrwürdigen Wankdorf-Stadion in Bern feiern durfte, als die Luzerner gegen Lugano mit 3:1 nach Verlängerung gewonnen hatten. Der Gedanke, dass ich nun auf dem Sofa zusammen mit meiner kleinen Tochter und meiner Frau bei Bier und Apfelsaft einen der so raren Titel meines FCL feiern soll, geht mir definitiv gegen den Strich.

Die Ungewissheit über den Entscheid aus Bundesbern

Gegen den Strich gehen mir auch die jüngsten Entwicklungen rund um das Coronavirus in der Schweiz. Es war ja klar, dass die Fallzahlen wieder steigen würden, wenn die vom Bundesrat beschlossenen Massnahmen beim Lockdown rückgängig gemacht werden und die Leute wieder verreisen.

Die Gesundheit der Menschen steht für mich an oberster Stelle, mir fehlt in Bundesbern aktuell aber der gesunde Menschenverstand. Dass beispielsweise Grossveranstaltungen weiterhin auf 1000 Personen beschränkt bleiben sollen, verstehe ich nicht. Es ist für mich logisch, dass die Luzerner Fasnacht mit grossen, unkontrollierten Menschenansammlungen aktuell in dieser Form nicht stattfinden kann.

Spiele vor Tausenden von Fans sind möglich

Grosse Sportevents aber wie zum Beispiel Fussballspiele, im Freien notabene, können aus meiner Sicht mit genügend Abstand, einer Maskenpflicht und dem Contact Tracing ohne Probleme vor mehreren Tausend Fans ausgetragen werden. Eine Stadionauslastung von 50 Prozent, aufgeteilt in verschiedene Sektoren, wie dies von der Swiss Football League im eingegebenen Schutzkonzept beantragt wird, erachte ich als realistisch und verhältnismässig.

Schliesslich geht es auch um die Existenz der Fussballvereine und um Tausende von Jobs. Es wäre wirklich traurig, wenn der FC Luzern auf diese Art und Weise seine Bilanz deponieren müsste. Denn es ist so klar wie das Amen in der Kirche, dass weitere Monate ohne Fans in den Stadien für viele Super-League-Klubs den sicheren Tod bedeuten würden.

Der Bundesrat muss Fingerspitzengefühl beweisen

Das Coronavirus ist allgegenwärtig und der Bundesrat muss alles dafür tun, dass die Menschen in unserem Land geschützt werden. Er muss die Lage aber von Fall zu Fall beurteilen und Fingerspitzengefühl beweisen, damit die Wirtschaft und die Sportwelt nicht komplett auseinanderfallen. So, dass auch meine Tochter in 20 Jahren noch Spiele des FC Luzern besuchen und im besten Fall, wie ich 1992, einen Cupsieg zusammen mit Tausenden FCL-Fans im Stadion feiern kann.

Hopp Lozärn ond bliebed gsond.

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