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Das Luzerner Debakel gegen dicke Schotten
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Der FCL und die Europa-League-Qualifikation Das Luzerner Debakel gegen dicke Schotten

5 min Lesezeit 23.07.2019, 15:49 Uhr

Was der FC Luzern und seine Fans in dieser Europa-League-Qualifikation alles erleben mussten, grenzt schon fast an Masochismus, schreibt FCL-Fan Sämi Deubelbeiss in unserem neuen Blog. Ob das ein gutes Omen für die anstehende Partie gegen die Faröer ist?

Was der FC Luzern in den vergangenen Jahren sportlich erreicht hat, lässt sich durchaus sehen. In der Super League belegte der FCL in den letzten fünf Spielzeiten zweimal Rang 3 und dreimal Rang 5. In Anbetracht dessen, dass Sion oder Zürich deutlich mehr finanzielle Möglichkeiten haben, sind diese Resultate sogar sehr gut. Denn Luzern muss sich mit solchen Teams vergleichen, alles andere wäre Schwachsinn. Dass der FCL mit YB und Basel über eine ganze Saison nicht mithalten kann, versteht sich von selbst.

Auch im Cup war der FCL jeweils gut unterwegs, drei Halbfinalteilnahmen in den vergangenen fünf Jahren lassen sich sehen. Nur, den letzten Schritt konnten die Luzerner nie machen, mussten bittere Heimniederlagen gegen Lugano und Thun hinnehmen. Es war augenfällig, dass die Luzerner nicht bereit waren, als es um alles, sprich um den Einzug in den Cupfinal, ging. Damit verpasste es der FCL auch mehrmals, sich direkt für die Europa-League-Gruppenphase zu qualifizieren.

Die desolate Bilanz in der Europa-League-Qualifikation

Gerade eine solche Qualifikation wäre für einen Verein wie den FC Luzern Gold wert. Nur schon rund drei Millionen Franken kassiert man, wenn man direkt in der Europa-League-Gruppenphase dabei ist. Jeder weitere Punkt oder Sieg spült weiter Geld in die Kassen, da sind die Zuschauereinnahmen noch nicht miteingerechnet. Von diesen Geldern konnten in der jüngsten Vergangenheit die Super-League-Clubs Lugano und Zürich profitieren. Die Tessiner sind in dieser Saison bereits zum zweiten Mal innerhalb von drei Jahren europäisch am Start, dies dank zwei dritten Rängen in der heimischen Meisterschaft.

«Was der FC Luzern und seine Fans in dieser Europa-League-Qualifikation alles erleben mussten, grenzt schon fast an Masochismus.»

Anders Luzern – stets als Luzern auf dem 3. Rang landete, verlor die favorisierte Mannschaft den Cupfinal und der FCL verpasste damit den direkten Einzug in die Gruppenphase. Immer wieder hiess es also ab in die Qualifikation, in Luzern seit einigen Jahren eigentlich ein Schimpfwort. Denn was der FC Luzern und seine Fans in dieser Europa-League- Qualifikation alles erleben mussten, grenzt schon fast an Masochismus. Immer wieder war man nahe dran, verlor schlussendlich aber trotzdem. Im neuen Jahrtausend waren die Luzerner bisher sechsmal in der Qualifikation, sechsmal verlor der FCL gleich das allererste Duell.

St. Johnstone ist definitiv kein Olympiakos Piräus

Wenn man diese desolate Bilanz genauer analysiert, muss man das Ganze ein wenig relativieren. Gegner wie Sassuolo aus Italien oder Olympiakos Piräus aus Griechenland sind ganz andere Kaliber als der FCL, die klaren Niederlagen (Gesamtscore 2:11) sind erklärbar. Auch das Duell gegen Utrecht war ungleich, zu dieser Zeit spielte beispielsweise Dries Mertens oder Ricky Van Wolfswinkel für die Holländer. Die Duelle gegen Genk und Osijek waren knapp und hätten mit etwas mehr Glück auch auf die Seite der Luzerner kippen können.

Da bleibt einzig das Duell gegen St. Johnstone aus Schottland, dieses hatte es dafür in sich. Bereits beim Hinspiel in der Swissporarena rieben sich viele Luzerner die Augen. Denn beim Aufwärmen glaubte man an einen Scherz. Da machten sich auf Seite der Schotten doch Leute warm, welche körperlich aussahen, als seien sie der Masseur oder der Busfahrer.

Nie werde ich vergessen, wie beim Einlauf der Spieler tatsächlich die Nummer 5, Frazer Wright, aufs Feld marschierte. Der heute 40-Jährige hat seine Karriere mittlerweile beendet. Aber ganz ehrlich, bereits im Spiel gegen Luzern war seine Zeit abgelaufen. Von der Tribüne aus war es schwierig zu sagen, ob der Wright während dem Spiel unter dem T-Shirt die ganze Zeit einen Medizinball mitschleppte. Nach dem Spiel dann die Auflösung, als er sein Trikot auszog. Nein der Wright hatte ganz einfach einen richtigen Bierbauch.

«Wären ich und mein langjähriger Sturmpartner Marco Streller auf dem Feld, hätte der FCL längst zehn Tore geschossen.»

Alex Frei, ehemaliger FCL-Sportchef

Das Hinspiel endete 1:1-Unentschieden und auch im Rückspiel stand es nach einer Stunde Spielzeit 1:1. Luzern dominierte das Spiel klar, Dario Lezcano hatte alleine drei hundertprozentige Torchancen, vergab aber immer wieder völlig alleinstehend vor dem leeren Tor der Schotten. Bevor es in die Verlängerung ging, konnte man hinter der Tribüne den damaligen FCL-Sportchef Alex Frei beobachten, wie er total nervös eine Zigarette nach der anderen anzündete. Er konnte sich auch einen Spruch gegen das eigene Team nicht verkneifen. «Wäre ich und mein langjähriger Sturmpartner Marco Streller auf dem Feld, hätte der FCL längst zehn Tore geschossen und die nächste Runde erreicht.»

Trainieren hätten er und Strelli dafür keine Sekunde müssen, meinte Frei weiter und zündete die nächste Zigarette an. Bekanntlich kam es anders. Frei und Streller liefen nicht für Luzern auf und der FCL verlor das Duell im Elfmeterschiessen. Eine Schmach für alle beteiligten FCL-Akteure, welche sie nun ein Leben lang mit sich tragen müssen – sie haben ein Europa-League-Quali-Duell gegen dicke Schotten verloren.

Aller guten Dinge sind sieben

Nun steht das nächste Duell des FC Luzern in der Europa-League-Qualifikation gegen einen vermeintlich schwächeren Gegner an: Kl Klaksvik von den Färöer Inseln. Ursprünglich als Tennisclub gegründet, spielt der Kl nun seit über 100 Jahren Fussball. Der Verein wurde 17-mal Meister und sechsmal Pokalsieger. Damit ist Klaksvik hinter HB Torshavn die zweiterfolgreichste Mannschaft der Geschichte der Schafsinsel. Eine Insel mit rund 50’000 Einwohnern, man nennt sie Färinger.

Die Färöer Inseln sind definitiv nicht als Fussballhochburg bekannt, eher als Tierparadies. Auf der Insel leben über 300 Vogelarten und 100’000 Schafe. Das Klima ist oft feucht und stürmisch, auch im Juli wird es dort kaum wärmer als 10 Grad Celsius. Nicht nur die Spieler, sondern auch die FCL-Fans müssen sich wettertechnisch warm anziehen. Aber ganz ehrlich, sportlich kann die Luzerner weder Sturm noch Kälte aufhalten. Es ist auch total egal, ob die Gegner von Klaksvik dick oder dünn sind. Im siebten Anlauf muss sich der FC Luzern in der Europa-League-Qualifikation endlich einmal in einem Duell durchsetzen.

Hopp Lozärn!

Info Europa League 2. Qualifikationsrunde: Das Heimspiel des FC Luzern gegen Kl Klaksvik findet am Donnerstag, 25. Juli (20.15 Uhr), in der Swissporarena statt. Das Rückspiel auf den Färöer Inseln wird am Donnerstag, 1. August (19.00 Uhr Schweizer Zeit), im Stadion Svangaskarð in Toftir angepfiffen.

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