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Deshalb denken wir über eine grössere Wohnung nach

Wie viel Raum braucht ein Kind?

Braucht jedes Kind ein eigenes Zimmer oder darf das kindliche Chaos in der ganzen Wohnung überhandnehmen? (Bild: Symbolbild: pexels)

Ich frage mich dieser Tage so oft, wie viel Raum ein Kind wirklich braucht. Derzeit teilen sich unsere zwei Kinder ein Zimmer, Geschäftstelefonate werden im Homeoffice am Pult neben meinem Bett geführt. Da stellt sich für uns die Frage: Benötigt jeder sein eigenes kleines Reich?

Bei uns teilen sich zwei von drei Kindern einen Raum, da wir ein Zimmer zu wenig haben. Eigentlich zwei, möchte ich meinen. Denn dann hätten wir auch gleich das Homeoffice–Problem gelöst. Mich beelendet das improvisierte Bürotischchen neben unserem Bett irgendwie. Das ganze Homeoffice-Flair überall, das ist wirklich nicht mein Ding.

Wenn ich ehrlich bin, stellt sich also nicht nur die Frage, wie viel Platz ein Kind für sich braucht, sondern auch die Frage, wie wichtig meine Bedürfnisse als Vollzeitästhetin sind. Braucht deshalb wirklich jedes Kind ein eigenes Zimmer?

Ist meine Wohnungsrecherche also früher oder später unumgänglich? Ist es wirklich ein «Problem», wie wir wohnen? Dass sich eben zwei Kinder ein Zimmer teilen müssen und ein paar Geschäftstelefonate am Pult neben unserem Bett geführt werden?

Kindliches Chaos in der ganzen Wohnung

Oder ist unser Begehren nach mehr Raum eher ein Auswuchs westlicher Dekadenz, gemessen an der Anzahl Quadratmeter?

Die letzten Jahre hat es für uns sehr gestimmt, so wie wir leben. Unser Familienleben formiert sich vornehmlich um den Esstisch und das Sofa herum oder verteilt sich im Garten. Die Wohnräume sind grosszügig und offen, die Kinder spielen ohnehin immer da, wo wir uns aufhalten.

Ihre Bücher und Spielsachen haben sich im Laufe der Jahre eigentlich ganz organisch im Wohn- und Essbereich eingefunden. Und dies ist nicht etwa geschehen, weil wir nicht gerne eine einigermassen aufgeräumte Wohnung hätten. Vielmehr deswegen, weil die liebevoll kuratierten Spielwerke der Zwergenschar unsere Herzen erweichten und diese in der Folge peu à peu den gesamten Platz erstürmten. Die Idee, das kindliche Chaos liesse sich auf ein paar Kinderzimmer begrenzen, kam uns nie.

Selbstredend ändern sich mit dem Alter der Kinder jedoch deren Bedürfnisse

Der Bub ist richtig gross geworden, seine Adoleszenz und die Schulpflicht seiner beiden jüngeren Schwestern sind über das Familienleben hereingebrochen. Unser Sohn möchte Freunde einladen, jugendlichen Krach machen.

Die Töchter möchten vor allem spielen und basteln und ein Kind möchte in letzter Zeit besonders oft in Ruhe Märchen hören und seinen Rückzugsort haben, was hier dieser Tage wirklich nicht mehr so einfach ist.

Aber ergibt sich daraus gleich die Notwendigkeit für drei Kinderzimmer?

Aber braucht wirklich jedes Kind sein eigenes Zimmer? Manchmal denke ich: Ja, das tut es. In der Folge beginne ich mit der Recherche nach einer grösseren Wohnung. Diese Suche erweist sich jedoch auf dem angespannten Luzerner Wohnungsmarkt als ziemlich schwierig. Zumal unsere Suche natürlich eingeschränkt ist, da wir ja auch die gegenwärtigen Prämissen – der grosse Garten, die Aussicht und das schöne Quartier – nicht missen möchten. Obendrauf meldet sich auch mein Flair für das (noch) schönere Wohnen. Wenn schon umziehen, dann natürlich in ein ungewöhnlich schönes Haus.

Nach erfolgloser Suchsession kommt dann alleweil der Gedanke, dass die Idee, jedem Kind stünde ein eigenes Zimmer zu, ja durchaus eine sehr westliche sei und wir uns vielleicht doch einfach zufriedengeben sollten mit dem, was wir momentan bewohnen. Dass wir vielleicht eher Dinge veräussern könnten, was wiederum Platz für die Kinder generieren würde.

Unzufrieden und sehr glücklich

Wir lieben unsere Wohnung und richten uns immer wieder neu in ihr ein. Wir finden neue Wege, unsere Bedürfnisse aneinander vorbei zu jonglieren und dabei immer wieder die gemeinsame Zeit zu geniessen. Oftmals sitzen wir bei gutem Essen im Garten und sind dankbar für das wunderschöne Fleckchen Erde, das wir bisweilen bewohnen dürfen. Das Gefühl von Dankbarkeit und Demut für so viel Glück im Leben gesellt sich dann oft dazu. Für uns ist es sehr bedeutsam, dafür niemals den Blick zu verlieren – trotz temporärer Raumunzufriedenheit.

Selbstredend halte ich dennoch weiterhin Ausschau nach einem zimmerreichen, sanierten Altbaupalast mit Flügeltüren und mattem Parkett. Wo jedes Kind sein eigenes Reich bewohnen kann. Denn – Sozialisierung sei Dank – ich glaube wirklich, dass das gut ist für die Entwicklung, wenn man ein klitzekleines Reich für sich hat, in dem man keine Laune, kein Geräusch, keinen Duft teilen muss.

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Kinder: Neun Monate sehnt man sie herbei und dann machen sie einen Haufen Arbeit. Und bestimmen ab sofort Mamis und Papis Leben. Fünf Mütter und ein Vater schreiben über ihren Alltag mit dem Familienzuwachs. Von Herausforderungen, Veränderungen, Ängsten und Freuden.
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