Mit dem Kind nachts in der Notaufnahme
Weshalb schlaflose Nächte der Beziehung nützen

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Selbst wenn man wegen des eigenen Kindes nicht genug Schlaf erhält, sollte man das geniessen, findet Elternblogger Peter. (Bild: Symbolbild: Pexels)

Manchmal gibt es Nächte, in denen ich mich wegen Emil sehr schlecht erhole. Diese sind aber durchaus wichtig für unsere Beziehung, wie sich mitten in der Nacht im Kinderspital herausstellte.

Während ich diese Zeilen schreibe, sitze ich gerade im Wartezimmer der Kinder-Permanence. Obwohl: «Wartezimmer» stimmt nicht ganz. Platz finde ich auf einem Stuhl zwischen den Liften, dem Eingang zum Physiotherapiezentrum und eben der Praxis.

Meine Frau und Emil – inzwischen jährig – warten drinnen. Das ist beklemmend. Aber noch immer darf wegen der Pandemie-Massnahmen nur ein Elternteil mit zur Behandlung. Da ich am Tag davor drinnen war, ist heute meine Frau dran.

Unruhiges Warten

Natürlich bin ich nervös. Mein Herz schlägt etwas heftiger als normal. Wenn es um die Gesundheit unseres Kindes geht, werde ich schnell ein wenig irrational und mache mir Sorgen. Nicht ganz zu Unrecht, wie ich finde. Die Krankenakte Emils ist kein unbeschriebenes Blatt mehr.

Zum zweiten Mal scheint er einen Leistenbruch zu haben. Das klärte ich bereits gestern ab. Manchmal wird das operiert. Vielleicht aber verheile dieser wieder von selber, hiess es. Wir sollten es gut im Auge behalten und nächste Woche die Kinderärztin aufsuchen. So lange er nicht erbreche, irgendwas blau anlaufe oder Fieber bekomme, sei alles gut. Heute Morgen hatte er Fieber.

Kein «fauler Sonntag»?

Geplant war für heute eigentlich ein «Fauler Sonntag». Einfach keine Verpflichtungen. Vielleicht ein paar Meter spazieren, eine Glace beim Löwendenkmal oder nur zu Hause rumhängen und spielen.

Das hätten wir uns verdient. Die Woche war sehr streng. Die Sommerferien meiner Frau sind vorbei und der Schulstart mit neuen Kindern und Kolleginnen im Kindergarten ist immer eine grosse Herausforderung.

Zeit zum Nachdenken

Emil merkt das. Er wird dann auch etwas unruhig, wacht mehrmals in der Nacht auf und schläft ab spätestens vier Uhr nur noch mit Körperkontakt in unserem Bett. Konkret bedeutet das für mich, dass meine REM- und Tiefschlafphasen diese Woche stark reduziert wurden.

Dafür hatte ich in diesen Nächten wirklich viel Zeit, um über alles Mögliche nachzudenken. Darüber, was ich brauche, was mir wichtig ist oder was schlaflose Nächte wegen Emil mit mir so machen.

Ein guter Freund hat mir mal ein Buch empfohlen. Darin geht es um die Frage, was Leute an ihrem Lebensende bereuen. Wie es mit Buchempfehlungen so üblich ist, habe ich sie zur Kenntnis genommen, das Buch aber nicht gelesen. Trotzdem beschäftigte mich die Frage über die letzten Nächte sehr.

Der Perspektivenwechsel

Während sich Emil geschmeidig um meinen Bauch herum drehte, machte ich mir Gedanken dazu, wie sich mein Schlafmanko auswirken würde. Beim Gedanken an den nächsten Morgen wurde ich immer nervöser. Zu wenig Schlaf bedeutet für mich, dass der Tag streng wird, dass mir meine Arbeit nicht mehr so leicht von der Hand geht und dass alles mit viel mehr Anstrengung verbunden ist.

Bei einem Perspektivenwechsel sah das Ganze plötzlich viel besser aus. Denke ich an Emil und mich in zehn oder zwanzig Jahren, werde ich mich kaum an die strengen Arbeitstage erinnern, die diesen Nächten folgten. Zumindest nicht in einem negativen Kontext. Vielmehr werde ich daran denken, wie gross das Vertrauen von Emil ist, wie nah wir uns stehen und dass wir gemeinsam auch schwierige Situationen meistern.

Es kommt immer anders …

Mit diesem Gedanken lässt es sich auch im Halbschlaf im Bett liegen. So kann ich die Nähe zwischen mir und Emil auch geniessen, selbst wenn der nächste Tag nicht einfach werden wird. Auf keinen Fall möchte ich diese Situationen negativ konnotieren. Weder für mich noch für Emil, der sich ja bei mir sehr wohlfühlt.

Inzwischen kommt meine Frau mit Emil zurück. Wir dürfen nach Hause. Grossartig! Jetzt gibt es zumindest noch einen «faulen Sonntagnachmittag».

… als gedacht

Nachtrag: Anstatt diesen Text zu Hause zu redigieren, sitze ich jetzt im Kinderspital. Emil und ich haben die ganze Nacht da verbracht. Er hat irgendwann geschlafen und ich habe mir Sorgen gemacht. Es hat sich aber nochmals gezeigt, wie froh ich bin, dass er sich bei mir wohl fühlt und dass es nicht vergeudeter Schlaf ist, wenn ich wach neben ihm liege, sondern wichtige Beziehungsarbeit.

Die Sorgen habe ich mir übrigens vergebens gemacht. Zum Glück! Alles ist auf gutem Weg und wir können das Spital ohne Operation nächstens verlassen. Dann gibt es halt einen «faulen Montagabend». Ich freue mich unglaublich darauf! Auch auf die folgende Nacht. Und auf alle kommenden Nächte.

Danke!

Und weil das immer vergessen geht: Herzlichen Dank an das ganze medizinische Personal, das unsere Sorgen ernst nimmt und sich so hervorragend um Emils Gesundheit gekümmert hat.

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