«Wenn der Chef böse ist, muss man nicht zur Arbeit»
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Wenn Eltern an ihre Grenzen kommen, dann hilft eine warme Schoggi.

Tipps & Tricks für Morgenrituale «Wenn der Chef böse ist, muss man nicht zur Arbeit»

3 min Lesezeit 06.09.2020, 11:00 Uhr

Mein Sohn ist in der Blüte seiner Autonomie. Doch geht es bei einem Dreijährigen oft länger als bei mir. Bei der Kleidungsauswahl und beim Anziehen komm ich somit immer wieder an meine Grenzen.

Jeden Morgen, 6.30 Uhr, gibt’s bei mir dasselbe Theater. Zeit aufzustehen und sich anzuziehen. Ich und mein Partner sind es schon längst, doch der Kleinste im Bunde möchte alles andere als in den Tag starten, und kuschelt sich auf dem Sofa in die Decke mit einem Buch in der Hand. Jede Aufforderung, dass es Zeit ist, sich anzuziehen, werden ignoriert. «Ich will no mis Buech fertig läse!»

Mit einer warmen Schoggi kann ich ihn schon mal an den Tisch bewegen. Die Tasse wird angesetzt und in einem Schwung geleert. Während er trinkt, erkläre ich ihm (zum gefühlt 1000sten Mal), wieso wir nicht viel Zeit haben und dass es wichtig ist, dass ich den Bus erwische, sonst bekäme ich Ärger mit meinem Chef.

Mit grossen Augen hört er mir zu. Er nickt und meint, wenn der Chef böse werde, müsse ich ja nicht zur Arbeit. Der sei ja doof. Mein Argument darauf war, dass ich dann aber auch nichts verdiene und wir somit auch nicht mehr so viel Essen haben oder Geld für den Tierpark. Er verschränkt die Arme und ist immer noch davon überzeugt, sich nicht anzuziehen.

Hürden und Sprints beim Anziehen

Mein Vorschlag, er könne das Pyjama anbehalten, es ist ja Sommer und zur Tagesmutter könnte er die Kleider mitnehmen, findet er ziemlich doof. Er macht sich nun auf zu seinem Kleiderschrank und begutachtet jedes T-Shirt, jede Socke und alle Hosen nacheinander – die Ordnung im Schrank ist somit auch dahin. Ich sitze auf seinem Bett und betrachte das Schauspiel.

Meine Geduld schwindet und die Zeit auch. Ich sage ihm, er könne sich ja alleine anziehen. Ich merke, ich muss mich zurückziehen, weil meine Frustration wächst und ich nicht wütend werden will. Dies würde nur zu weiterer Verzögerung und sogar zu Tränen führen.

Unser Spiel: Morgendliches Kleiderwerfen

Doch er schreit laut auf und verlangt nach meiner Hilfe. Innerlich suchte ich nach einer Lösung, nach einem guten Weg. Humor funktioniert immer! Ich sage ihm, er solle sich doch aufs Bett setzen und ich werfe ihm die Kleider hin, er soll versuchen sie aufzufangen.

Mit begeisterten Augen setzt er sich hin. Keine Wiederworte bei meiner Kleiderwahl. Ich werfe ihm alle Kleiderstücke zu. Mal fängt er sie, mal nicht. Beides wird mit Lachen kommentiert und ich entspanne mich auch wieder.

Das Anziehen ist die nächste Hürde. Ich weiss, dass er es alleine kann, ausser beim T-Shirt braucht er oft Unterstützung, weil er Angst bekommt, wenn er mit dem Kopf stecken bleibt und nichts mehr sieht. Er möchte aber lieber, dass ich ihn anziehe.

Welche Schuhe? Das ist die Frage

Warum nicht? Denke ich mir. Somit geht es auch zackiger und er scheint die Aufmerksamkeit dabei zu geniessen. Wenn ich frei habe, zieht er sich oft selbständig an. Ich bin es ja, die es eilig hat, nicht er.

Er möchte Gummistiefel anziehen, obwohl es nicht regnet. Da wir die gleichen Sandalen haben, zeige ich auf die und frage, ob er nicht lieber die gleichen Schuhe wie Mama anziehen möchte. Er nickt lächelnd. Puh, das war einfach. Trotz all diesen Hürden gehen wir nicht allzu spät aus dem Haus. Den Bus erwische ich, mit einem kleinen Sprint vorher.

Meine Gene, mein kleiner Morgenmuffel

Wie so oft bekomme ich in meiner Elternrolle den Spiegel vorgeknallt. Ich bin selbst ein Morgenmuffel und komme nur in die Gänge, weil ich arbeiten gehen muss. Wenn ich frei habe, beginnt der Tag eine Stunde später und dann gemütlich mit Kaffee trinken und Müesli mampfen, oft noch im Pyjama. Mir macht es den Anschein, als wäre mein Sohn vom gleichen Schlag.

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