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Warum Lesen und Schreiben unwichtig ist
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Schade, wenn der Apfel das beste an der Schule ist. (Bild: zvg)

Unser Sohn besucht eine Alternative Schule Warum Lesen und Schreiben unwichtig ist

3 min Lesezeit 4 Kommentare 13.10.2019, 11:09 Uhr

Unser Sohn geht nun in die erste Klasse. Dass ihn Lesen und Schreiben noch nicht interessiert, führt immer wieder zu erstaunten Blicken. Denn er besucht eine Alternative Schule, in der die Schüler frei lernen dürfen.

Unser Sohn geht nun seit dem Sommer in die erste Klasse. Und so wird er immer mit den gleichen Fragen konfrontiert. Die erste Frage ist meistens «Und wie gefällt es dir?», oft gefolgt von dem Zusatz «Das ist ja schon eine ganz andere Welt als der Kindergarten». Der leicht verwirrte Blick unseres Sohnes registrieren die meisten nicht einmal. Er murmelt dann oft nur, dass noch immer alles gleich sei wie vorher, was meist nicht so recht vom Gegenüber aufgenommen wird.

Und dann kommt die Frage schlechthin, wenn die Leute einen Neu-Erstklässler vor sich haben: «Oh, jetzt lernst du ja lesen und schreiben. Das ist doch sicher toll, oder?» Und hier kommt der Punkt, an dem ich unseren Junior wirklich feiere.

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Nein, das interessiert mich noch nicht

Unser Sohn darf eine Alternative Schule besuchen, in der die Schüler frei lernen dürfen. Nun versteht man wohl auch, warum er die oben gestellten Fragen und Feststellungen der Leute so merkwürdig findet. Denn geändert hat sich nichts, er darf, wie im Kindergarten auch schon, weiterhin das lernen, was und wann er möchte. Und ja, um es gleich vorwegzunehmen, er lernt sehr viel und gern.

Doch er lernt einfach anders und zu einem anderen Zeitpunkt als Kinder, die im klassischen System beschult werden.

So lautet seine kurze, klare Antwort auf die Fragen nach dem Lesen und Schreiben dann auch: «Nein, das interessiert mich noch nicht.» Keine weitere Erklärung, Thema abgeschlossen. Und ich finde das gut so. Die verwirrten Blicke, die er erntet, amüsieren mich immer wieder.

Neue Welt

Nachdem mein Sohn seinen Standpunkt klargemacht hat, springe ich ein und kläre die Situation dann auf. Es entstehen dann oft sehr schöne Gespräche und viele Menschen sind ehrlich an dieser Form des Lernens interessiert. Für die meisten ist es nämlich eine ganz neue Welt. Sie kennen nur das klassische Schulsystem, in dem alle Kinder das Gleiche zum gleichen Zeitpunkt lernen.

Es ist vielen gar nicht bewusst, dass es auch andere Möglichkeiten gibt. Viele müssen dann etwas über sich selber schmunzeln, weil sie einfach davon ausgehen, dass jedes Kind klassisch beschult wird. Und so eröffnet sich ihnen mit unseren Berichten oft eine völlig neue Welt. Eine Welt eines anderen Lernens, das nicht weniger effektiv ist, nur eben einen anderen Rhythmus hat.

Bedenken über Bord

Bei «Freilernen» und «Alternative Schule» denken viele, dass die Kinder den ganzen lieben langen Tag nur Quatsch machen und einfach nichts tun. Dieses Stigma finde ich schade.

Doch zum Glück haben wir einen begeisterten kleinen Vollblut-Freilerner, der auch allen Skeptikern gerne den Wind aus den Segeln nimmt. Seine Berichte vom Schulalltag begeistern die meisten Menschen restlos und viele äussern, dass sie sich gewünscht hätten, so lernen zu dürfen … mein Mann und ich übrigens auch.

Und so freue ich mich jedes Mal nach einem Gespräch mit jemandem, der mit Alternativem Lernen bisher nicht vertraut war, wenn sich ihm ein neuer Horizont eröffnet hat, dass es auch noch andere Möglichkeiten als das klassische Schulsystem gibt.

Denn unser Sohn lässt keinen Zweifel daran, dass er gerne und viel lernt … nur eben anders.

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4 Kommentare
  1. Kasimir Pfyffer, 14.10.2019, 10:24 Uhr

    Habe ich das richtig verstanden – man ist explizit stolz darauf, dass ein Kind weder lesen noch schreiben kann? Da kann ich mir nur an den Kopf langen.

    1. Martin von Rotz, 15.10.2019, 10:13 Uhr

      Es wird nirgendwo gesagt dass man da nicht lesen und schreiben lernt, aber halt nicht in der 1. Klasse sonder irgendwann in der Grundschulzeit. Die Gesamtanforderungen an die Schule beim Abschluss der Grundschulzeit sind genau gleich wie bei einer “normalen” Schule.

  2. verena voser, 13.10.2019, 17:25 Uhr

    da wird ein stigma bedauert und zugleich ein anderes gepflegt. der eigene schulbesuch legitimiert eltern immer wieder, sich als experten in sachen schule zu wähnen. ganz so, als seien pädagogische und didaktische entwicklungen an den staatsschulen vorbei gegangen. als könnten lehrpersonen an öffentlichen institutionen den begriff des individualisierenden unterrichts nicht mal buchstabieren. schade.

  3. Ruth, 13.10.2019, 11:59 Uhr

    Das interessiert mich. Wie wird denn gelernt und wie sieht so ein Schultag im Detail aus? Dürfen die Kinder selber entscheiden was sie machen wollen, oder gibt es dennoch “Lernziele”? Ich kenne (leider) nur das normale Schulsystem, bin aber überzeugt davon dass dies sicherlich nicht für jeden Schüler der richtige Weg ist. Gerne mehr Berichte zu Alternativschulen.