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Arbeitgeber müssen endlich umdenken

Vorurteile im Job: Warum wir nicht länger schweigen dürfen 

Mütter sind in der Arbeitswelt noch immer mit Dingen konfrontiert, die eigentlich nicht mehr sein sollten.

Als Mutter und Karrierefrau werde ich regelmässig mit Vorurteilen konfrontiert, die meinen beruflichen Aufstieg erschweren. In meinem Blogbeitrag thematisiere ich diese Hürden und erkläre, warum es an der Zeit ist, dass wir nicht länger schweigen.

Es war einmal im Jahre 2010: Mein ältester Sohn kam auf die Welt, und das war der Startschuss für meinen Weg als Karrierefrau, Mutter und zehn Jahre Alleinverdienerin. Sowohl bei meinem damaligen Arbeitgeber, einer eher traditionellen, inhabergeführten Firma im Hinterland als auch in unserem Umfeld hat man unsere Situation kritisch beäugt. Hätten wir in Zürich statt in Emmenbrücke gelebt, wäre der Rollenwechsel wohl kaum der Rede wert gewesen. 

Herausforderungen bei der Jobsuche 

Die Jobsuche war anfangs wirklich nicht ganz einfach, und auch in den darauffolgenden Jobwechseln musste ich im Lebenslauf explizit erwähnen, dass die Betreuung der Kinder gewährleistet war. Unser Familienmodell, bei dem mein Ehemann die Hauptverantwortung für die Kinderbetreuung und den Haushalt innehat, war eben eher die Ausnahme. Jedoch verstand ich den ganzen Aufstand nie, ich hatte gute Ausbildungen, gute Zeugnisse, und der Hauptfokus war häufig auf der Betreuungssituation. 

Noch heute begegne ich praktisch wöchentlich, vor allem im beruflichen Kontext, der Bewunderung und gleichzeitig der Frage, wie ich den mit drei Kindern einem 100-Prozent-Job nachgehen könne. Zudem noch in einer verantwortungsvollen Kaderposition, während ich nebenbei noch einen Master absolviere. Wäre ich ein Mann, würde niemand auch nur mit der Wimper zucken. 

Nun ist es Zeit für eine Veränderung, und so habe ich mich entschieden, meinen aktuellen Job zu kündigen und eine neue Herausforderung zu suchen. In den vergangenen Jahren hat sich im Bereich der Gleichberechtigung viel getan, und so war ich der Meinung, dass ich den besagten Passus im Lebenslauf löschen kann, da auch durch das Alter der Kinder die Kinderbetreuung wohl nicht mehr zur Sprache kommt.  

Die übliche Frage, die ich nicht mehr erwartet habe

So wurde ich für eine spannende Kaderposition an ein Vorstellungsgespräch eingeladen. Die besagte Firma wusste bereits aus einem Vorgespräch, dass mein Mann Hausmann ist und einen Grossteil der Betreuung übernimmt. 

Gegen Ende des Gesprächs platzte dann die Bombe, und der Interviewer fragte mich, wer denn im Krankheitsfall zu den Kindern schauen würde. Der besagte Job, so meinte er, würde wohl eher ein 120-Prozent-, denn ein 100-Prozent-Pensum bedeuten. Als Nachsatz kam dann noch die Floskel: «Ja, ich weiss, eine solche Frage würde einem Mann wohl nicht gestellt werden.» 

ECHT JETZT??? Wir befinden uns im Jahre 2024, 53 Jahre nach der Einführung des Frauenstimmrechts und 43 Jahre nach der Erfassung des Lohngleichheitsartikels in der Bundesverfassung. 

Ich gebe es zu, ich konnte nicht gelassen und souverän antworten. Mein Tonfall wurde etwas lauter und bestimmter, und ich habe nebenbei erwähnt, dass ich über 200 Stunden Überzeit angehäuft und dieses Jahr bis zu meinem Austritt noch sechs Wochen Ferien habe. Nebst dem, dass ich mich gerechtfertigt und die Situation mit Beispielen untermauert habe, war die Situation sehr unangenehm. 

Ich lasse mich nicht beirren, meine Familie und ich leben glücklich in unserem Familienmodell, welches wir auch regelmässig diskutieren, nichts ist in Stein gemeisselt. Gerade in der aktuellen Situation des Fachkräftemangels brauchen wir Arbeitgeber, die unvoreingenommen rekrutieren. 

Und übrigens: Meine energische Antwort hat mich wider Erwarten nicht aus dem Rekrutierungsrennen geworfen, und ich bin gespannt auf die kommenden Fragen im zweiten Vorstellungsgespräch. 

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Kinder: Neun Monate sehnt man sie herbei und dann machen sie einen Haufen Arbeit. Und bestimmen ab sofort Mamis und Papis Leben. Fünf Mütter und ein Vater schreiben über ihren Alltag mit dem Familienzuwachs. Von Herausforderungen, Veränderungen, Ängsten und Freuden.
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