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Vier Tipps – und was diese uns gebracht haben

Unser Kind schimpft, und zwar nicht wenig!

Auch Kinder schimpfen gerne – was Streit mit den Eltern auslöst. (Bild: Adobe Stock)

Liest man die unzähligen Elternratgeber, dann ist schnell klar: Schimpfende Kinder sind keine Seltenheit, sondern eher die Regel. Doch kann man etwas dagegen tun. Dazu gibt es einfache Tipps. Unsere Elternbloggerin hat sie getestet.

Ja, wir haben ein Problem. Unser Kleiner liebt es zu schimpfen. Nicht einfach ein paar schwache Schimpfwörter, sondern so richtig schlimme. Er packt alles aus, was er kann, um Dampf abzulassen. Wir sind ratlos!

Ein normaler Montagmorgen. Kaum sind die Kinder wach und haben das Frühstück fertig gegessen, beginnt das morgendliche Hin und Her. Der Grosse will spielen, der Kleine etwas lesen. Es dauert keine fünf Minuten, schon brüllt der Kleine und der Grosse haut ihm mit der Faust in den Bauch. Der Kleine schreit noch lauter und rennt davon, der Grosse hinterher. Die Türe knallt und der Kleine beginnt mit seiner Wutrede.

«Was bist du nur für ein ... du bist ein ..!» Ich fass es nicht, schon wieder diese Schimpfwörter! Eine Ansammlung der übelsten Sorte, wild durcheinander rausgeschrien und völlig unkontrolliert hingeworfen. Ich packe meinen Sohn am Arm und schiebe ihn zum Bett. «Was soll das eigentlich?», frage ich ihn beinahe atemlos. Ich merke, auch in mir drin brodelt es wahnsinnig. Was kann man tun? Einige Tipps:

1. Ruhe bewahren – gar nicht so einfach!

In solchen Situationen sollte man selber nicht überreagieren, eine Überreaktion wirke kontraproduktiv, heisst es in den vielbesagten Elternratgebern. Einfacher gesagt als getan. Schliesslich schäumt der Kleine noch immer vor Wut und kann sich fast nicht mehr beruhigen. Dies wirkt sich auch auf mich aus. Auch ich koche innerlich noch immer vor Wut.

Wie kann mein Sohn solche Wörter benutzen? Sagt er sie auch anderen Kindern? Was mache ich falsch? Während mir diese Fragen im Kopf umherschwirren, beruhigen wir uns beide allmählich. Ok, das Schlimmste haben wir geschafft. Die Wutexplosion ist vorbei, somit auch die Schimpfwörter.

2. Problem ansprechen – passiert automatisch

Nach einer kurzen Pause wirken wir beide wieder entspannt. Der Kleine hat gemerkt, dass er falsch reagiert hat und rollt sich daher in seine Decke ein und weint. Ich nehme ihn in den Arm und erkläre ihm, dass solche Ausdrücke verletzend sind. Gleichzeitig versuche ich ihm zu erklären, was die Wörter bedeuten.

Mittlerweile blickt mich der Kleine mit grossen Augen an. «Das wusste ich nicht, Mami, ehrlich!», sagt er mir, als ich ein weiteres Schimpfwort erkläre. Nun ja, das wusste ich selber bereits, so böse ist mein Kleiner sicher nicht.

3. Eigenes Verhalten überprüfen – oje!

Na gut, hier ist wahrscheinlich der Ursprung des Übels. Oder anders gesagt, hier muss ich mich selbst an der Nase nehmen. Denn gerade in solchen Wut-Situationen bin ich wahrscheinlich nicht gerade das beste Vorbild. Sie kosten mich jeweils eine enorme Überwindung, nicht auch selber zu explodieren und mit Schimpfwörtern um mich zu schmeissen.

Denn manchmal … pst! … nicht zu laut gesagt: Schimpfwörter wirken durchaus auch befreiend. Denn auch ich bin nicht frei von Schimpfwörtern. Und wenn ich so überlege, ist es mein Umfeld auch nicht. Der Götti schimpft beim Fussballspiel. Dies sei aber erlaubt, schliesslich stimme es ja, wenn er über die faulen Säcke lästert. Der Nonno schimpft beim Autofahren über den dummen Fussgänger, der einfach über die Strasse läuft, ohne zu schauen, und die Schimpftiraden eines ehemaligen Nachbarn wollen wir gar nicht erst ansprechen.

4. Alternative Schimpfwörter kreieren – die beste Idee

Wir sitzen noch immer gemeinsam auf dem Bett meines Sohnes, da kommt mir ein guter Freund in den Sinn. Dieser schimpft übrigens auch ab und zu, aber er benutzt dazu keine eigentlichen Schimpfwörter, sondern Fantasiewörter. So sagt er plötzlich «Scheibenwischer» oder mein Lieblingswort «Potzderdonner».

Ich vereinbare daher mit meinem Sohn, dass er doch einfach solche Wörter benutzen soll und tüftle zusammen mit ihm eines aus. Freudig sagt er dann: «Du ungeniessbare Tomatensauce!» Daraufhin übertrumpfen wir uns mit noch viel besseren Fantasienamen und fallen uns lachend in die Arme. Elternratgeber hin oder her, manchmal muss man einfach instinktiv handeln, dann kommt es sicher gut.

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Kinder: Neun Monate sehnt man sie herbei und dann machen sie einen Haufen Arbeit. Und bestimmen ab sofort Mamis und Papis Leben. Fünf Mütter und ein Vater schreiben über ihren Alltag mit dem Familienzuwachs. Von Herausforderungen, Veränderungen, Ängsten und Freuden.
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