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Unfairtrade-Unterhose am Füdli und Bambus-Zahnbürste in der Hand
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Wer in einer Industriegesellschaft lebt hat es gar nicht so einfach, wenn er die Umwelt schützen will. (Bild: PIxabay)

Nachhaltigkeits-Mami in Teilzeit Unfairtrade-Unterhose am Füdli und Bambus-Zahnbürste in der Hand

3 min Lesezeit 02.02.2020, 10:58 Uhr

Auch das Leben in einem privilegierten Land bringt Herausforderungen mit sich. Denn selbst wenn wir uns anstrengen, umweltfreundlich zu leben, bleiben Gewissensbisse. So auch bei unserer Bloggerin, die sich mit der Wahl ihrer Unterhose oder dem Genuss von Datteln schwertut.

Ich bin eine Sustainability-Mum! Klares Ding. Das Nachhaltigkeits-Mami bin ich emel dann, wenn es gerade passt. Also quasi teilzeitangestellt im Nachhaltigkeitssektor. Bio-Gemüse vom lokalen Markt? Check. Keine Plastiksäckli mehr? Check. Ökologisches Waschmittel? Check. 

Aber dann im Sommer einen Monat nach Malaysia fliegen und damit den ökologischen Fussabdruck komplett und auf ewig zur Sau machen? Check. 

Umweltschutz muss man wollen

Ach, diese liebe Nachhaltigkeit. Oft irgendwie machbar, aber manchmal gibts bei uns eben auch Todsünden. Ich putze den Kindern die Zähne mit Bambusbürsteli, aber unverpackt einzukaufen gurkt mich dann wieder an, ehrlich gesagt. Weil das Geschäft nämlich hundert verschiedene Cranberrys, aber keine Rosinen führt. Und tausend Tees, aber keinen Kaffee. Und fünfzig verschiedene Sonnenblumenkerne, aber keinen Kakao.

Ist mir einfach zu mühsam. Aber gut, der Unverpackt-Laden in Luzern ist eh längst Geschichte. Stattdessen soll der Quai4 auch unverpackte Lebensmittel führen. Das Sortiment werde ich mir bestimmt in naher Zukunft ansehen.
Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe. 

Nachhaltigkeit ja, aber …

Das Ding mit der Nachhaltigkeit fühlt sich gut an. Wir stülpen dieser Tage gern und oft und überall das Deckmäntelchen der Nachhaltigkeit über. Kleidung, Reisen, Essen, Spielzeug, Bildung, in allen Bereichen finden wir das Sustainability-Label. Und es gibt uns ein gutes Gefühl, wir schlüpfen gern in ein nachhaltig produziertes Kleid. Aber leider ist das Kleid nicht immer ganz alltagstauglich, zumindest bei uns nicht.

Vermutlich sind wir zu egoistisch. Wir essen gern den hiesigen Marktsalat, fair und lokal – ganz klar! Aber schmeissen genauso gern Avocado mit in die Schüssel. Mega unfair sogar. An Regentagen fabriziere ich in der Küche mit meinen Zwergen gesunde Öko-Fairtrade-Schoko-Kugeln mit Datteln. Ich mein, Datteln! Come on, jeder weiss, dass man diese süsse Naturpraline hierzulande echt nicht verspeisen sollte. Ich tu es trotzdem. Weil ich sie liebe. Und sie gesund sind. 

… manchmal auch nicht

Denn ich trage gern meinen veganen fair produzierten Rucksack am Rücken. Und am Füdli die billigen Unterhosen von H&M. Ist ja ein Basic. Sieht ja niemand. Die passen halt so gut. Ich kaufe viel secondhand für die Kinder, weil es nachhaltig ist. Aber sie dürfen sich auch mal was aussuchen. Und wisst ihr was? Die schauen natürlich nicht auf Nachhaltigkeit.

Denen gefällt der grausamste billigste Schrott – Hauptsache pink. Tja, was will man da tun? Es sind doch Kinder, die dürfen sich doch auch mal was aussuchen. Man will ihnen ja schliesslich mal ne Freude machen. 

Hier scheiden sich die Geister

Die Menschen, die schlicht ohne nachzudenken ständig irgendwelchen Bullshit zusammenkaufen, weil’s billig ist, sind die einen. Vielleicht wissen sie nicht sehr viel über das Thema Nachhaltigkeit. Vielleicht ist ihnen das, was sie wissen, aber auch einfach komplett egal. Die andern sind diejenigen, die wirklich nachhaltig leben. Sie versuchen es nicht, sie tun es. Das bedeutet gewiss Verzicht.

Aber das ist es ihnen einfach wert. 
Und ich bin also ungefähr «stuck in the middle». Denn: Ich weiss darum und gebe mir oft Mühe und genauso oft gebe ich mir aber auch einfach keine Mühe, weil’s grad so fein ist. Oder einfach. Oder schön. 

Umweltschutz ist Teamwork

Vielleicht können wir alle unser Nachhaltigkeits-Pensum Schritt für Schritt ein bisschen aufstocken. Und jede und jeder tut eben das, was er oder sie gerade tun kann. Ganz im Sinne von Anne Marie Bonneau, die einst sagte: «We don’t need a handful of people doing zero waste perfectly. We need millions of people doing it imperfectly.»

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