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…und dann kommt der Neue in die Familie
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Bereichernd und bunt, aber auch herausfordernd: Die Patchwork-Familie. (Bild: Christine Wulf)

Wenn die Mutter eine neue Partnerschaft eingeht …und dann kommt der Neue in die Familie

4 min Lesezeit 06.10.2019, 10:50 Uhr

Eine Patchwork-Familie gehört immer öfter zum Familienbild. Wie es ist, nach einer Trennung einen neuen Partner in die Familie zu lassen, weiss Lara Juen aus eigener Erfahrung.

Alleine den Alltag bewältigen mit einem Kleinkind, ist eine organisatorische Herausforderung. Es handelt sich nicht nur um einen Tag, sondern um Wochen. Termine beim Arzt oder Ämter müssen mit Kind bewältigt werden, welches oft auf Unmut des Arztes oder Angestellten trifft. Man sucht irgendwo eine Betreuung in dieser Zeit, welche aber nicht immer möglich ist, da niemand Zeit hat oder die Kosten zu hoch sind. Nach der Arbeit bleibt kaum Zeit für Entspannung. Einkaufen, Abendessen kochen, Kind abholen, Abendessen, mit Kind spielen, sonstige anfallende Hausarbeiten, zu Bett gehen.

Eine neue Partnerschaft aufzubauen zwischen all diesen Verpflichtungen, konnte ich mir nicht vorstellen. Meine Energie war auf mich und mein Kind fokussiert und ich hatte das Gefühl, ein Partner würde noch mehr Energie brauchen, welche ich nicht hatte. Ich brauchte auch Zeit, mich nach der Trennung in dieser neuen Rolle zu finden und meine Wunden heilen zu lassen.

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Und dann ist man nicht mehr allein

Es war nicht einfach, einen neuen Menschen in mein Leben zu lassen, speziell mit Kind. Ich hörte auf mein Bauchgefühl, wollte alles langsam angehen. Meine Angst und diese Unsicherheit, die am Anfang jeder Romanze da ist, waren für mich schwierig zu überwinden. Eine neue Beziehung kam für mich, zumindest im Kopf, nicht in Frage. Mein Herz hat jedoch anders entschieden.

Die Bindung wurde immer stärker und nun sind wir schon ein eingespieltes Trio. Ohne ihn kann ich es mir gar nicht mehr vorstellen und ich habe gemerkt, dass eine neue Partnerschaft eher eine Entlastung als Belastung ist. Ich habe jemanden, mit dem ich über meinen Tag reden kann, der mir Liebe gibt, wenn ich sie brauche, und der bedingungslos da ist und mich mit Kind akzeptiert.

Grössere Bedenken als vor Mutterschaft

Ich musste das Bild von der biologischen Familie ablegen. Nun sehe ich es nicht mehr als etwas Negatives an. Vielmehr ist so die Familie für uns noch grösser. Da mein Sohn erst ein Jahr war, als sein Vater und ich uns trennten, kann er in dieser Situation von Klein an aufwachsen. Die Bedenken, die Beziehung hält nicht oder man könne sich nicht voll und ganz darauf einlassen, war grösser als früher, als ich noch keine Mutter war.

Mein Partner hat keine Kinder. Für ihn war und ist alles neu in diesem Bereich. Dass es ihm zu viel wird, er es nicht akzeptieren kann oder das unsere Welten einfach zu unterschiedlich sind, waren meine grössten Befürchtungen. Der Gedanke, dass ich somit wirklich einen Partner an meiner Seite habe, der mit mir durch dick und dünn geht, hat mich bestärkt, es doch zu wagen.

Unterschiedliche Ansichten zu Erziehungsfragen

Was ich in meiner Patchwork-Erfahrung gelernt habe: Eine ehrliche Kommunikation und Offenheit sind für eine Diskussion sehr wichtig. Mein Partner hatte plötzlich ein Kleinkind um sich und sah sich mit Fragen und Situationen konfrontiert, die er sich bis anhin nie stellen musste. Erziehungsfragen und moralische, aber auch ethische Fragen tauchten auf, die wir teilweise unterschiedlich sahen. Am Anfang war ich eher stur und vertrat die Ansicht, dass ich die Mutter bin und es so gemacht wird, wie ich es für richtig halte. Kritik und Diskussionen welche mein Kind betrafen, wehrte ich ab.

Ich merkte aber nach kurzer Zeit, dass ich so meinen Partner in einem wichtigen Punkt in meinem Leben ausschloss und ich auch die Chance auf konstruktive Kritik und andere Lösungsansätze verpasste. Da er viel Zeit mit meinem Sohn verbringt und sie eine enge Bindung aufgebaut haben, ist er zu einer engen Bezugsperson für ihn geworden. Diese Rolle ist mit Verantwortung verbunden, da er ihm ein Vorbild ist und seine Werte und der Umgang mit ihm eine wichtige Stellung haben. Dieser Rolle ist er sich bewusst und nimmt sie auch war, was nur für ihn spricht!

Und der Ex-Partner?

Wir führen einen freundlichen Umgang mit meinem Ex. Ein Kind wird geprägt von seinem Umfeld, ob dieses der Norm entspricht oder nicht, spielt keine Rolle. Wichtig ist, dass alle Parteien miteinander kommunizieren und dem Kind die Liebe und Aufmerksamkeit schenken, die es braucht.

Welche Rolle wir im Leben meines Sohnes spielen, hängt von uns und von ihm ab. Wen er sich als Vorbild nimmt, gegen wen er rebelliert und wer seine emotionale Stütze ist, entscheidet er. Was von uns kommt, entscheiden wir. Eine Patchwork-Familie kann eine Bereicherung sein, bedeutet aber auch Akzeptanz und Verständnis für alle Beteiligten.

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