Über die Wichtigkeit von «me-time»
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Auch wenn es den Kindern nicht passt – Zeit für sich ist für Sabrina Forrer unerlässlich. (Bild: Pixabay)

Auch Eltern benötigen Zeit für sich Über die Wichtigkeit von «me-time»

4 min Lesezeit 4 Kommentare 26.07.2020, 10:55 Uhr

Eltern sind ständig für ihre Kinder da, erfüllen ihnen (fast) alle Wünsche und schenken ihnen die gesamte Aufmerksamkeit. Da braucht es ab und zu eine kleine Auszeit, Zeit für sich selbst und andere. Findet zumindest Sabrina Forrer und erklärt in ihrem Blogpost warum.

«Mamaaa, geh niiiicht! Ich will, dass du bei uns bleibst!», jault unsere Jüngste. Aber die Mama geht. Sie trifft sich mit Freundinnen. Dieses Szenario spielt sich bei uns schier wöchentlich ab. Wahlweise wird «Mamaaa» durch «Papaaa» ersetzt. Manchmal lassen uns die Kinder freudig gehen und manchmal sind sie untröstlich. Gehen tun wir in der Regel trotzdem.

Klingt gewiss in manchen Zentralschweizer Ohren ein bisschen herzlos: Freunde treffen, obwohl das Kind nicht möchte, dass man das Haus verlässt? Freunde treffen ist ja schliesslich kein Muss, kein Grundrecht, es ist quasi optional. Und die eigenen Bedürfnisse über die des Kindes stellen? Das geht für viele wirklich nicht. Für uns schon. Emel manchmal.

Bedürfnisse der Kinder im Vordergrund

Selbstverständlich sind auch im Hause Forrer die kindlichen Bedürfnisse von höchster Wichtigkeit. Tag für Tag steht ihnen viel Raum und Zeit zur Verfügung für die Verwirklichung ihrer eigenen Ideen und Vorstellungen. Was irgendwie geht, wird möglich gemacht: Die Puppe feiert Geburtstag und dafür will das Kind einen französischen Joghurtkuchen backen? Kein Ding, machen wir.

Für die Party wird ausserdem ein neues Röckli im Twinlook von Puppenmutter und Puppenkind gewünscht? Schwups, schon sitzen wir hinter der Nähmaschine und pimpen den uralten Vorhangstoff mit Tüll und Gummizug auf. Die Mädchen wollen nicht in ihrem Bett einschlafen? Dann ab ins kuschlige Elternbett. Sie dürfen auch vor dem Frühstück schon schneiden, kleben, glitzern und leimen und vor dem Schlafengehen erzähle ich gerne auch noch ein drittes Büechli. 

Für einmal Mary & friends

Aber hin und wieder möchte Mary Poppins auch einfach ausgehen. Schlicht Mary & friends sein sozusagen. Und genau das ist der Moment, wo es zu obengenanntem Szenenspiel kommt. In diesen Augenblicken umarme ich das weinende Kind und erkläre ihm sorgfältig, dass es für mich sehr wichtig ist, jetzt alleine durch diese Türe zu schreiten und meine Freundinnen zu treffen.

Ich erzähle dem Kind, was wir vorhaben, was ich essen werde, worüber wir uns möglicherweise unterhalten werden. Und ich bestehe darauf, es zu tun. Weil es gut für mich ist. Ich bin sogar der Überzeugung, dass es für die Kinder selbst nützlich ist. Sie lernen, dass jeder Mensch Bedürfnisse hat. Auch Mütter und Väter. Mit etwas Glück werden sie sich später daran erinnern und ihrerseits ebenfalls gut auf ihre eigenen Bedürfnisse achten.

Auszeiten sind wichtig

In meiner Beziehung wird «me-time» sehr gefeiert. Mein Mann und ich schenken uns sogar gegenseitig «a weekend home alone», an dem sich der Schenkende die Kinder schnappt und mit ihnen ein Wochenende im Hotel verbringt, während der andere allein zu Hause sein und die Zeit für sich geniessen kann.

Glücklicherweise ticken wir beide ziemlich ähnlich. Wir brauchen viel Zeit für uns selbst, haben beide einen grossen Freundeskreis und viele Interessen. Ausserdem denken wir, dass wir auch Zeiten brauchen zum Vermissen. Zeiten in diversen Konstellationen. So wird das Wir «en famille» erst wieder richtig besonders und damit auch besonders schön.

Freie Zeit ist für den Mann schwieriger

Trotzdem ist es ganz oft gar nicht so einfach, sich Zeit freizuschaufeln. Vor allem für den Mann nicht. Er arbeitet den ganzen Tag und so sind die Abendstunden und die Wochenenden irgendwie automatisch Kinderzeit. Es braucht von seiner Seite her mehr Initialaufwand, seinem Bedürfnis nach «me-time» wirklich Folge zu leisten.

Manchmal muss er sich fast überwinden und doch merkt er letzten Endes immer, dass es ihm gutgetan hat. Für mich ist das viel einfacher: Die Tage sind so übervoll mit Kindermagie – ich mittendrin. Mir fällt es ganz leicht, abends den Zauberstab dem Papa zu übergeben.

Nicht alle Familien sind gleich

Ich kann mir vorstellen, dass sich das in anderen Familien ganz anders verhält. Nicht jeder Mensch hat das Bedürfnis, Zeit allein zu verbringen. Einige unserer Freunde sind sogar erst dann richtig happy, wenn die ganze Familie zusammen ist. Und was für einige vielleicht sogar unvorstellbar ist, ist für mich essenziell.

Mikrodosen von «me-time» wie eine Joggingrunde oder einen Ausgeh-Abend brauche ich mehrmals die Woche. Ein ganzes Wochenende hingegen lässt sich momentan selten einrichten, vielleicht dreimal pro Jahr. Wenn es dann so weit ist, geniesse ich es dafür umso mehr. Es gibt mir Rückenwind. Inspiriert mich. Zeit zum Sein, zum Denken, zum Lesen. Zeit für Freundinnen. Zeit für meinen Mann oder auch einfach für mich.

Ich bin überzeugt, dadurch eine viel besser gelaunte, glücklichere Mutter zu sein. Weil ich auf meine Kosten gekommen und dadurch ausgeglichen bin. Und wieder richtig Lust habe auf das kinderschöne Leben, das ich führe.

Wie ist das bei euch? Braucht ihr viel Zeit für euch selbst oder habt ihr das gar nicht so nötig? Wie richtet ihr euch ein, damit ihr auf eure Kosten kommt?

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4 Kommentare
  1. [email protected], 26.07.2020, 17:01 Uhr

    weiss nicht wie warum das speziell für zentralschweizer Ohren komisch sein sollte. Ich finde es das normalste auf der Welt und eher komisch darum so ein tamtam zu machen.

    1. Sabrina Forrer, 28.07.2020, 08:31 Uhr

      selbstverständlich klingt das nicht nur für zentralschweizer ohren komisch, aber das sind hier halt diejenigen, die mitlesen.. und das tamtam hilft gegen das schlechte gewissen. zumindest bei mir. und ich hatte gehofft, vielleicht auch bei andern..

  2. Margarita, 26.07.2020, 15:04 Uhr

    Gute ideen, nicht alles ist lebbar. Zum Beispiel das Wochenende im Hotel mit den Kindern, da das Geld fehlt. Oder es zieht einen eher in die Natur, als in ein Hotel. Eine brwährte Möglichkeit für ein Weekend ist auch, wenn sich zwei befreundete kinderbetreuende Elternteile zusammentun. Das im Stil einer Grossfamilie.

    1. Sabrina Forrer, 28.07.2020, 08:33 Uhr

      Hotel kann natürlich wahlweise durch Zelt ersetzt werden. Ich erzähle hier ja bloss aus meiner Warte und mit einem Zelt könntest du mich jagen. Die Idee mit den Familien ist auch toll!

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