Streit unter Geschwistern – ein Kompass zum Frieden
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Was kann man tun, wenn sich Geschwister ständig streiten? (Bild: pexels)

Gezanke ist für Eltern ermüdend und kräfteraubend Streit unter Geschwistern – ein Kompass zum Frieden

4 min Lesezeit 04.04.2021, 10:55 Uhr

So paradox es klingt: Streitereien unter Brüdern und Schwestern sind wichtig. Die Geschwister agieren gegenseitig als Sparring-Partner, sie lernen Grenzen kennen und spüren, was bei deren Übertretung geschieht. Für Eltern ist das Gezanke aber vor allem kräfteraubend. Wir haben Tipps, wie man dem Geschwisterstreit vorbeugt und wie man sich verhalten kann, wenn es dennoch zum Krach kommt.

Im Streit lernen Kinder mit unterschiedlichen Gefühlen klarzukommen, zu verhandeln, zu argumentieren und eine gemeinsame Lösung des vorliegenden Problems zu finden. Die Auseinandersetzungen sind vielschichtig. Als Eltern sind wir da, um die Bedürfnisse der Kinder hinter dem Zank zu erkennen. Wir greifen oft moderierend ein, helfen unseren Kindern, ihre Anliegen zu formulieren und suchen gemeinsam nach Lösungen.

Wir erkennen die Situationen bisweilen in Sekundenschnelle, trösten und schlichten. Wir sind uns in der Regel auch der Geltung unserer eigenen Begegnung auf das Streitgefüge bewusst. Unseren Kindern wollen wir keine Täter- oder Opferrolle überstülpen.

Trotzdem: Hin und wieder sind die Geschwister-Streitereien für uns Eltern schlicht ermüdend und kräfteraubend. Für den elterlichen Kampf gegen das kindliche Gezanke habe ich mir einige Ideen überlegt. Ganz im Sinne eines klassischen, logischen Widerspruchs.

Grundgedanken, um dem Geschwisterstreit vorzubeugen

  • Keine Vergleiche: Die Vorzüge und Besonderheiten eines einzelnen Kindes kann man auch komplett ohne Vergleiche herausheben. Auf Sätze wie: «Schau mal, wie schön deine Schwester isst», verzichte ich deshalb bewusst.
  • Die neuralgischen Streitpunkte umgehen: Bei uns wollten die Mädchen beispielsweise immer aus demselben Teller essen und aus demselben Becher trinken. Bei unserer heterogenen Kindergeschirrauslage entflammte in der Folge vor jedem Essen ein kleiner Streit. Eines Morgens kaufte ich kurzerhand alles in doppelter Ausführung und seither ist dieser Streitstolperstein wie weggezaubert.
  • Geschichten, in denen meine drei quasi als «Löwenherz-Geschwister» hervorgehen, weil sie gemeinsam etwas Gutes geschafft, einander geholfen oder aber besonderen Spass hatten, erwähne ich immer mal wieder.
  • Regelmässiges Erzählen von Märchen, in denen Geschwister stark zusammenhalten (Die sieben Geisslein, Brüderchen und Schwesterchen, Schneeweisschen und Rosenrot usw.)
  • Einen Einzelkindtag einführen: Wir unternehmen abwechselnd mit jedem Kind etwas ganz alleine. So können wir einmal nur für eines da sein und haben ein Auge für seine Taten und ein Ohr für seine Geschichten. Wirkt bei uns total beruhigend und stärkt das Selbstbewusstsein des Kindes. 

Alltägliche Streitszenarien etwas dimmen

  • Raus an die frische Luft! Immer wenn hier schlechte Stimmung aufkommt, gehen wir raus. Bei Wind und Wetter, es hilft wirklich immer. Mit der Luft verändern sich die gesamte Dynamik, die Energie der Kinder und meine eigene.
  • Sind die Kinder bereits in einen Streit verwickelt, versuche ich quasi das Konfliktdreieck flach zu halten. Ich stelle mich nicht grundsätzlich auf eine Seite und bleibe selber ruhig. Oft hilft hier auch etwas Tolles vorzuschlagen, das allen gefällt. Wenn die Kinder darauf einsteigen, ist der Streit Geschichte.
  • Bei gelindem Gezanke halte ich mich raus. Lasse sie einfach machen, im Zweifel schliesse ich manchmal sogar die Türe, damit ich nicht zuhören muss. Wo kein Schiedsrichter ist, macht auch Streiten halb so grossen Spass.

Und wenn der Streit einmal nicht geschlichtet werden kann

  • Dann kann es helfen, die Kinder vorübergehend zu trennen. Sie sollen sich vorerst in verschiedenen Spielbereichen aufhalten, bis sie sich beruhigt haben.
  • Oftmals unterliegt einem Geschwisterstreit ein Subtext: Das Bedürfnis nach «Gesehen werden». Ein bisschen ungeteilte Mamazeit kann hier goldrichtig sein. Vielleicht einen Wecker stellen und je eine halbe Stunde ganz für ein einzelnes Kind da sein. 
  • Staatsfeind Nummer 1 ist Mama. Wenn wirklich alle Stricke reissen, lässt sich noch ein letztes Register ziehen, die Kinder an eine unliebsame Aufgabe erinnern: Zimmer aufräumen, für eine Prüfung lernen, ein Ämtli im Haushalt erledigen. Mama-Gemeckere wirkt Wunder gegen Geschwisterstreiterei. Und plötzlich halten die Streithähne wieder zusammen wie Bonny & Clyde.

Ich bin sicher, dass im Grunde auch hier das Allerwichtigste das schlichte Vorleben ist. Es hilft, davon bin ich überzeugt, sich seiner eigenen Streitkultur bewusst zu sein. Bleibe ich respektvoll, wenn ich streite oder schimpfe? Wie kommuniziere ich in einer Streitsituation? Themen, über die man auch mit kleinen Kindern schon sehr gut philosophieren kann: Was macht mich wütend? Wie gehe ich mit meiner Wut um, was kann ich tun? Was würde ich gern tun, darf es aber nicht? Wie können wir wieder Frieden schliessen und diesen auch ein Weilchen bei uns wohnen lassen? 

Ich wünsche euch ganz friedvolle Ostertage.

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