Jetzt Community-Mitglied werden und profitieren!
Stoff- oder Wegwerfwindeln? So haben wir uns entschieden
  • Blog
  • Eltern-Blog
Bild: Adobe Stock

Pro und Kontra «Stoffis» – ein Praxistest Stoff- oder Wegwerfwindeln? So haben wir uns entschieden

4 min Lesezeit 1 Kommentar 30.12.2018, 11:00 Uhr

Unser Elternblogger testet beim Zweitgeborenen Stoffwindeln. Diese «Stoffis» sind bei werdenden Eltern gerade in. Doch was spricht dafür? Warum tut man sich das an? Ob das Wickeln mit Stoffwindeln tatsächlich überzeugt, schreibt Maël Leuenberger seinem aktuellen Blog.

Stoffwindeln – ja, ich widme mich in diesem Blog tatsächlich Windeln. Es mag nicht nur für Kinderlose absurd sein, aber in solche Dinge stecke ich momentan als Vater meine Energie. Windeln also. «Stoffis», wie sie auf einschlägigen Blogs von den Verfechtern liebevoll genannt werden. Als Eltern erscheint es uns nämlich seltsam, wöchentlich gefühlt 100 Kilogramm Plastik-Windeln wegzuwerfen (real sind es etwa 8 kg).

Rechnet man nach, schaut die Ökobilanz der «Stoffis» tatsächlich besser aus als jene der Wegwerfwindel mit ihrem erdölbasierten Superabsorber: In einer Studie, die das bestreitet, wird mit 47 neuen Stoffwindeln, Wäsche bei 95°C und Tumblertrocknung gerechnet. Jedoch reichen 16 Secondhand-Windeln, ebenso ein Waschgang von 40 oder 60 Grad mit anschliessender Lufttrocknung, heisst es in entsprechenden Blogs. Und die Kinder sollen sich damit auch wohler fühlen, jedenfalls seien Windeln aus Stoff hautverträglicher. Zudem sind Stoffwindeln langfristig billiger.

Unterstütze Zentralplus

Wie dicht sind sie wirklich?

Bliebe einzig: Dicht und geruchsneutral muss eine Windel schon sein, sonst wird das sehr bald sehr ungemütlich und ich greife rasch wieder zu den praktischen Wegwerfprodukten. Und wie verhält das sich mit dem Aufwand? Unterwegs? In den Ferien? Tragen wir dann immer einen Windeleimer mit uns? Es gibt Zweifel.  

Ich bin gespannt. Zusammengefasst: Kosten, Hautverträglichkeit, Ökologie und Ästhetik sprechen für Stoffwindeln; Aufwand, (Un-) Flexiblität und Zweifel an der Funktionalität wohl eher für die Wegwerfwindel. Wir wollen das ausprobiert haben, also los.

Testen vor Kaufen – die Überforderung

Doch wo beginnen? Einmal ins Internet und die Auswahl ist grenzenlos. Stoffwindel ist nicht gleich Stoffwindel. Verschiedenste Systeme, Knüpf-, Klett- und Knopftechniken, Einlagen, Überhosen, Vliese und Prefolds. All-In-One und Snap-In-One. Newborn oder OneSize. Dazu unterschiedlichste Materialien. Eines saugkräftiger, atmungsaktiver, erprobter, natürlicher, neuer und flexibler als das andere – ein horrendes, abschreckendes Chaos. Wir sind überfordert und haben noch nicht mal angefangen. Eine Kollegin rät uns, ein Testpaket zu bestellen. Immerhin: Da ist die Auswahl etwas übersichtlicher.

Bei einem Testpaket werden unterschiedliche Wickelsysteme gemietet. Geliefert werden die verschiedenen Windeln mit diversen Einlagen – verschiedene Systeme sind erklärt und unterschiedliche Marken können ausprobiert werden. Zum Schluss wird das ganze Material wieder zurückgeschickt. Das scheint uns eine sinnvolle Sache, wenn schon, denn schon. Wir entscheiden uns für eines der Testpakete und bestellen es auf den Geburtstermin.

Das Set ist da. Es passt in eine mittelgrosse Kartonkiste. Sogar Waschpulver ist dabei (auf Nachfrage sind gewisse normal erhältliche Waschmittel erlaubt) und die Windeln riechen frisch. Die beigelegte, bebilderte Erklärung ist super. Auch gilt als Mietbeginn erst der effektive Geburtstermin (und unser Kleines lässt auf sich warten), das kommt uns gelegen. Auf dem Tisch im Wohnzimmer haben wir gleich mal die Stoffpuppe durch die verschiedenen Systeme gewickelt. Favorit ist der grüne Dreiteiler.

Die Kleine ist da – alles halb so wild

Zeitsprung. Inzwischen ist unsere Kleine zwei Monate alt und wir wickeln seither mit Stoffwindeln. All-In-Ones, auf den ersten Blick recht praktisch, weil vom Prinzip her ähnlich der Wegwerfwindel, geben zu viel Wäsche. Der Dreiteiler erwies sich ebenfalls als nonsens (immer alles durchgenässt). Ästhetisch sind die Windeln überhaupt nichts (machen dem kleinen Neugeborenen einen überdimensionierten Po). Aber je speckiger die Kleine, desto passender das Ganze.

Das System war schnell gefunden: Eine Überwindel und eine Einlage (Bambus und/oder Baumwoll/Hanf), that’s it. Mit ein bisschen Übung hält sich auch die Wäsche in Grenzen. Bei wenig Nässe reicht etwas Ausspülen und über die Heizung legen, die Überwindel reicht mehrere Wickelphasen. Einzig: Den Wetbag immer mitzuschleppen, daran gewöhnen wir uns entweder, oder für unterwegs müssen klassische Wegwerfwindeln her.

Secondhand zum halben Preis

Jetzt ist die Kleine bald aus der Newborn-Grösse raus und auch der Testzeitraum von unserem Set geht zu Ende. Es gilt, uns mit dem gewählten Sytem für die nächsten gut zwei Jahre einzudecken. Ein guter Tipp von unserer Ausleiherin: Berücksichtigen, dass die Kleine mit zunehmendem Alter wilder wird, was eher für Klett- und gegen Druckknöpfe spricht. Wir schauen uns also um: Secondhand gibt’s die Windeln zum halben Preis und fast täglich werden neue Angebote gepostet: Auf Facebook in der Gruppe «stoffwindelverein schweiz verkaufsgruppe» und um Fragen zu stellen gibt es auch die Gruppe «stoffwindelmamis und -papis schweiz».

Die erste Bestellung wird von unserem Älteren getestet und sie passen tatsächlich auch ihm, er findet sie «mega cool». Die Stoffis haben gewonnen: Neben Ökologie, Preis und Hautverträglichkeit ist es mir einfach wohler, der Kleinen Stoff statt Wegwerfplastik um den Po zu wickeln.

Deine Meinung ist gefragt!

Um kommentieren zu können, musst Du auf zentralplus eingeloggt sein. Bitte logge dich ein oder registriere dich jetzt und profitiere von den Vorteilen für z+ Community Mitglieder.

Deine Meinung ist gefragt!

1 Kommentare
  1. Franz Peter Dinter, 30.12.2018, 21:05 Uhr

    Der Trend, Stoff- statt Wegwerfwindeln zu verwenden, begann schon vor ca. 40-50 Jahren. Wir haben unsere beiden Kinder genauso gewickelt wie Sie, solch “moderne” Sachen wie “All in one” gab’s damals gar nicht. Und unterwegs haben wir halt Wegwerfwindeln benutzt. Man muss eben manchmal mit Widersprüchen leben können……