Wie ich mein Urteil revidieren musste
Sollen Kinder im Restaurant mit Handy und Tablet spielen?

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Kinder im Restaurant mit dem Handy beschäftigen – etwas, das unserer Bloggerin widerstrebt. (Bild: Symbolbild: Pexels)

Mit Kindern ins Restaurant ist nicht gerade einfach, im Gegenteil: Das Kind langweilt sich nach kürzester Zeit, die Eltern sind gestresst und die anderen Gäste werfen dir vorwurfsvolle Blicke zu. Lange Zeit waren Beizenbesuche für unsere Familie unvorstellbar. Mittlerweile traue ich mich wieder, dank meines Mannes – und seines Handys.

Ich hatte in der Schwangerschaft sehr klare Vorstellungen davon, wie ich als Mutter sein würde und wie ich bestimmt nicht werden wollte. Vor allem, was digitale Medien betrifft, war ich mir absolut sicher: Ich wollte mein Kind so lange wie nur möglich davon fernhalten. 

Finger weg vom Tablet

Nun, mit meinen perfekten Idealen neigte ich auch zu Vorurteilen. Besonders gegenüber den «Tablet-Freunden» im Restaurant. Mit seinem Kind ins Restaurant und es vors Handy oder Tablet setzen? Da würde ich doch besser zu Hause bleiben. Für mich absolut unvorstellbar.

Solche und ähnliche Gedanken schossen mir durch meinen schwangeren Kopf. Man kann doch auch ins Restaurant und mit dem Kind ein Buch anschauen oder etwas malen, während man aufs Essen wartet.

Eine schöne Idylle. Und ich würde dabei allen «Tablet-Eltern» zeigen, dass es eben auch ohne geht und absolut harmonisch sein kann.

Der erste Restaurantbesuch

Nun dann, das Kind war geboren und die ersten Wochen und Monate haben wir unser Leben ziemlich «normal» gelebt. Dabei gehörte auch der ein oder andere Besuch in der Lieblingspizzeria dazu. Das ging ganz einfach, Kind hat entweder im Tuch geschlafen oder wurde gestillt, während wir in absolutem Frieden essen und miteinander reden konnten.

Ich war überzeugt davon, dass das immer so bleiben wird.

Das Kind wurde grösser

Das Kind wuchs, entwickelte sich prächtig, fing bald an zu krabbeln und an still sitzen war nicht mehr zu denken. Auch im Restaurant nicht. Ich versuchte es mit allem! Klirrende Schlüssel, mein Portemonnaie, das ein- und ausgeräumt werden konnte, spannende Pappbücher, die sonst viel Begeisterung auslösten, usw.

Mein Kind interessierte nichts davon. Er wollte weg und seine Umgebung erkunden. Im vollen Restaurant nicht gerade die beste Idee.

Wir waren die Familie mit der gestressten Mutter, dem genervten Vater und dem unzufriedenen Kind. Das Auswärtsessen stellten wir ab da lieber ein und bestellten uns die Pizza nach Hause.

Hallo, ihr Tablet-Eltern

Bis zu dem einen schönen Sommertag. Er war perfekt für einen Besuch auf einer Terrasse, ein leckeres Abendessen, ein feines Glas Wein. 

Ich war ausgerüstet. Die fünf besten Bücher, zehn Lieblingsautos und Malstifte in allen erdenklichen Farben hatten Platz in meiner Tasche gefunden. Kind wird beschäftigt sein, wir werden den Abend geniessen und ich zeige es allen. Mein Plan stand fest.

Die ersten zwanzig Minuten verliefen hervorragend. Wir bestellten und warteten. Kind malte, spielte mit seinen Autos am Tisch und hatte nach exakt 25 Minuten keine Lust mehr. Er wollte weg. Ich versuchte ihn auf meinem Schoss zu beschäftigen, singend, schaukelnd. Nichts half. Er hatte seinen eigenen Plan. Ich schwitzte, war gestresst. Und dann tat mein Mann etwas, das ich immer vermeiden wollte.

Er holte sein Handy heraus, suchte ein paar Kinderlieder heraus und stellte es vor unserem Sohn auf.

Schlagartig war Ruhe. Kind sah gespannt den tanzenden Haifischen zu und ich nahm erst einmal einen Schluck Wein.

Ein gemeinsames Ziel

Ich sah mich um. Irgendjemand musste uns doch anstarren? Sehen, was für schlechte Eltern wir waren. Doch niemand nahm Notiz von uns. Mein Mann legte seine Hand auf meine, sah mir in die Augen und sagte: «Entspann dich und erzähl mir von deinem Tag.»

Liebe Eltern, ich habe mich geirrt. Niemand von uns ist besser oder schlechter, wenn er im Restaurant sein Kind etwas am Tablet schauen lässt. Wir möchten einfach nur entspannen, das Essen geniessen und auf Nummer sicher gehen, dass das auch alle anderen Gäste um uns herum tun können. Bitte verzeiht mir meinen früheren Hochmut!

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