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So anstrengend sind Ferien mit Kindern
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So idyllisch wie auf diesem Bild geht es in Familienskiferien nicht immer zu. (Bild: Emanuel Ammon/AURA)

Spass auf Kommando – nicht jedermanns Sache So anstrengend sind Ferien mit Kindern

4 min Lesezeit 01.03.2020, 10:51 Uhr

Ferien, das ist die schönste Zeit mit Kindern. Alle sind glücklich, alles läuft nach Plan, alle sind tiefenentspannt. Oder etwa doch nicht? Wenn Eltern manchmal ehrlich wären.

Wie habe ich mich auf unsere Skiferien gefreut: Die Kinder sind in Engelberg in der Skischule und wir geniessen jeden Tag, volle 5 Stunden für uns. Auf der Piste ein paar Kurven ziehen und am Nachmittag die erschöpften Kinder vom Kurs abholen und danach den Tag gemeinsam ausklingen lassen.

Klingt toll, oder? Ist es auch, wenn da nicht die Momente wären, die uns Eltern manchmal fast an den Rand des Wahnsinns treiben würden. Was ich meine? Ich erkläre es gerne:

Das Packen – ein Drama in mehreren Akten

Es beginnt beim Packen: Ich packe immer für drei Personen, die beiden Jungs und mich und natürlich auch das ganze Drumherum für die Familie: Apotheke, Essen, Unterhaltung etc. Während ich also packe, was machen die Kinder? Sie spielen und reissen wieder alles heraus, was ich feinsäuberlich eingepackt habe. Schön, könnte man meinen, aber nachdem ich sie bereits mehrere Male gebeten habe, ihre Spielsachen zu packen, ist das bereits die erste Nervenprobe.

Ich frage sie mehrmals: «Kinder, was wollt ihr zum Spielen mitnehmen?» Eigentlich eine einfache Aufgabe, aber mit spielenden Kindern eine Herkulesaufgabe. Erst nachdem ich mit erhobener Stimme die letzte Warnung ausgesprochen habe, dass die Kinder sonst ohne Spielzeug in die Ferien fahren, hat es schliesslich geklappt. Wir können los, phu!

Fangis in der Wohnung – eine blöde Idee

In der Ferienwohnung angekommen, zeigt sich die nächste Herausforderung: Die Kinder sollten sich einrichten und ihre Spielsachen an ihren Platz bringen, aber sie spielen lieber Fangen in der Wohnung. Toll! Nach einer Weile, nachdem ich sie dieses Spiel spielen lasse, kommt das, was jede Mutter schon zu Beginn weiss … der Kleine weint:

«Was ist passiert? Wer hat was gemacht?», frage ich, ohne die Antwort abzuwarten: «Ich hab’s euch gesagt, spielt doch etwas anderes, bei dem man nicht umherspringen muss …» Doch dies nutzt auch dieses Mal nichts. Der Kleine wischt sich die Tränen weg und alles beginnt von vorne.

Wir haben nicht viel Zeit … macht mal vorwärts

Sind die Kinder dann mal glückselig am Schlafen, beginnt die Vorbereitung für den nächsten Tag. Die Kinder gehen in die Skischule, das heisst: Kleider bereitlegen, Wecker stellen und den Zeitplan definieren. Schliesslich können wir nicht ewig frühstücken. Nach einer kurzen Nacht, in welcher der Kleine im Schlaf ein paarmal aufgeschreckt ist, weil er entweder fiebrig etwas gequasselt hat oder mehrere Hustenanfälle hatte, weckt uns der Grössere um kurz vor 6 Uhr:

«Mami, darf ich spielen?» Na toll … Die Nacht ist rum und ich fühle mich um ein paar Jahre älter. Auch in den Ferien kann der Grössere nicht länger schlafen und der Kleine ist unruhig. Alles ist wie immer, nur sind wir hier auf kleinerem Raum und jedes Luftholen hört man besser als zu Hause. Trotzdem, dass die Familie also bereits frühmorgens wach ist, wird es am Schluss wieder hektisch. «Kinder, los, los, nicht mehr spielen, anziehen, Zähne putzen und dann müssen wir los … schliesslich wollen wir nicht zu spät sein.»

Was nur soll der junge Mann anziehen

Ein Satz, den ich sicherlich abermals wiederholen werde. Als wäre dies nicht genug, platzt mir irgendeinmal der Kragen. Ein Kind steht bereits fertig angezogen im Hausflur, während das andere noch immer summend auf der Treppe sitzt und mit einem Auto spielt. Von angezogen keine Spur. «Jetzt dalli, dalli», sage ich in einem forschen Ton zu dem Kleinen. Dieser beginnt zu weinen: «Ich weiss doch nicht, was anziehen.»

Das reicht mir. Nachdem ich alles feinsäuberlich neben ihm hingelegt habe, ihn mehrmals dazu aufgefordert habe, dies anzuziehen, will ich nicht mehr. Ich packe meine Sachen und stampfe mit dem Grösseren davon. Im Hintergrund höre ich den Kleinen schreien und die beruhigenden Worte meines Mannes. Zum Glück weiss ich, dass er jetzt meinen Part übernimmt … «Mann, wieso muss das immer so mühsam sein?», sage ich leise, um dann im Skikeller auf ihn zu warten.

Nach mehreren langen Minuten sind dann alle wieder vereint, schweigend machen wir uns fertig. Danach ist für die Kinder wieder alles vergessen, die Wut und Traurigkeit ist verflogen, nur ich kämpfe noch mit dem säuerlichen Nachgeschmack. Erst als die Kinder glücklich zum Skilehrer stampfen, verfliegt auch bei mir das letzte ungute Gefühl. Endlich ein paar Stunden für uns, das ist Balsam für die Seele.

Das Fazit

Nachdem wir jeden Morgen und Abend mit ähnlichen Herausforderungen kämpfen, verfliegt die Woche Ferien aber wie immer wie im Flug. Am Schluss, wenn alles durch ist, ich wieder die Koffer packe und an die Skiferien zurückdenke, dann vergesse aber auch ich die vielen Tobsuchtsanfälle, die Streitigkeiten, die Mahnworte beim Essen und die viel zu kurzen Nächte. Wenn mich jemand fragt: «Wie waren eure Ferien?» Dann werde auch ich antworten: «Es war einfach nur grossartig!»

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