Was von der Schule bleibt Sätze von Lehrpersonen, die uns prägen

21.03.2021, 11:01 Uhr 4 min Lesezeit 2 Kommentare
Lehrpersonen prägen uns nachhaltig. (Bild: pixabay)
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Lehrpersonen prägen uns nachhaltig. (Bild: pixabay)

Wir alle sind zur Schule gegangen, und so haben wir auch alle etwas zu erzählen aus dieser Zeit. Da waren Lehrerinnen, die uns begleitet und gefördert haben und ihre Sprüche. Sätze, die sich einbrennen in unser Hirn. Für lange. Ganz lange. Vielleicht für immer.

Gebannte Blicke und Augen, die immer grösser werden. Meine Töchter kleben an Grosspapis Lippen. Er erzählt gerade, wie er damals in der 3. und 4. Klasse Diktat lernte. Damals bei «Fröili Wermelinger», einer ungefähr 60-jährigen Lehrerin der alten Schule. Sie schrieb das Diktat an die Wandtafel, es war direkt nach der Milchsuppe (so nannte man damals den Mittagstisch). Wer den ganzen Text fehlerfrei abzuschreiben vermochte, konnte nach Hause gehen.

Wem dies nicht gelang, kam nach vorne und kriegte pro Fehler «eins mit dem Holzlineal auf die Tatzen» und wurde zur Wiederholung zurück an den Platz geschickt. Dass die Kinder unbändige Angst hatten vor jedem weiteren Fehler, war logisch. Dass diese unter diesen Umständen zuhauf erfolgten, ebenfalls. Geblieben ist dies im Kopf meines 70-jährigen Vaters für immer.

Sätze von Lehrpersonen, die uns prägen

Lehrer sind Respektspersonen. Damals wie heute. Heute wird in den Schulen keine Gewalt mehr angewendet oder angedroht. «Ja, gottlob», sagt mein Vater. «Jesses, ja», sage ich, die diese Tatsache weniger der Religion zuschreibt als unserer Entwicklung. Zum Glück, sagen meine Töchter, Schülerinnen der ersten und vierten Primarschule.

Diesen Respektspersonen nicht zu widersprechen lehrte man uns früher und auch noch heute lernt man es. So nahmen wir ihre Sätze einfach an. Einige davon sind noch heute präsent. In meinem Kopf weniger die positiven als eher die grenzüberschreitenden. Ob das normal ist? Ich denke ja.

Man kann ja noch als schlechtes Beispiel dienen …

Letzthin sassen wir eine Runde Freundinnen ums Feuer und erzählten uns Geschichten aus der Schulzeit. Ein Lehrer sagte: «Niemand ist vergebens. Man kann immer noch als schlechtes Beispiel dienen!» Was haben wir gelacht. Damals war es wohl für den betroffenen Schüler alles andere als lustig und heute undenkbar, dass eine Lehrperson so etwas sagt.

Mich hat zum Beispiel Geschichte nie interessiert. Es war mir schlichtweg wurscht, was vor 400 Jahren an der spanischen Küste passiert ist. Ich war 13 Jahre alt und schampar mit meinem Leben und meinen Grenzen beschäftigt. Geschichte war für mich vor allem ein Rückwärts-Schauen und Jahreszahlen-Lernen. Ich jedoch, wollte vorwärts schauen, erwachsen und unabhängig werden. Als dann meine Geschichtslehrerin zu mir sagte: «In Geschichte wirst du es nie auf mehr als auf eine 4 schaffen», sah ich mich bestätigt – und was tat ich?

Eben genau das. Ich schaute, dass ich es gerade noch auf eine 4 schaffte. Alles andere war ja nicht nötig. Das war nicht weiter schlimm. Doch heute fuchst es mich manchmal, dass ich so schampar wenig über die Geschichte weiss und so oft etwas googeln muss, was ich eigentlich wissen könnte. Und dass ich ihren Spruch noch immer weiss, aber zum Beispiel ständig vergesse, was ich einkaufen wollte, sagt ja auch schon einiges. Es sind diese Sätze, die sich in unser Hirn einbrennen. Für viele, viele Jahre.

Die Schule heutzutage

Was werden unsere Kinder einmal aus ihrer Schulzeit erzählen, wenn sie zurückblicken, so frage ich mich. Mir gefällt, dass Projekte und Gruppenarbeiten immer mehr Einzug halten und der Frontalunterricht weniger wird. Auch macht die Digitalisierung nicht halt vor dem Schultor. Dies haben wir auf Zack in der Homeschooling-Zeit während dem Lockdown gemerkt. Eines beeindruckt mich zutiefst: Wie die Schülerinnen sich selbst einzuschätzen lernen und auch mit einer grossen Selbstverständlichkeit vor eine grosse Runde treten und über etwas berichten.

Aktuell sagt das grosse Frölein zum kleinen: «Ab der 3. Klasse beginnt dann der Ernst des Lebens!» Was sie damit meint ist, dass ab dann beim Schreiben die Fehler korrigiert werden und erstmals Noten verteilt werden. Ihr Tun wird sichtbar bewertet. Das Bewertungssystem ist für alle Schüler das Gleiche. Alle müssen, dürfen gleichviel leisten. Egal, ob es ihnen schampar leicht von der Hand geht oder ob es für sie ein unsagbarer Krampf ist. Es scheint, als werde ab da das Lustvolle und Freudige schrittweise durch eine gewisse Strenge ersetzt. Schade, denn der Druck nimmt die Freude, die ein wichtiger Antrieb zum Lernen ist. Die Ressourcenorientiertheit wird durch Defizitorientiertheit ersetzt. Ja, der Ernst des Lebens. So kann man es sagen.

Begreifen und erleben

Eines ist damals wie heute gleich – das Auswendiglernen. Da sitzt meine Tochter, spricht monoton einen Text nach und hat keine Vorstellung, wovon sie da redet. Dabei wäre es doch erstrebenswert, weniger auswendig zu lernen, dafür die Kinder anzuhalten, selbst zu denken. Sie sollen meiner Meinung nach Zusammenhänge erkennen und kritisch hinterfragen. Dies passiert beim schlichten Auswendiglernen nicht.

Das Lernen durch aktive Auseinandersetzungen ermöglicht Begreifen. Klingt hochgestochen, dabei ist es ganz einfach. Es sind doch die Experimente – ja, auch die verrückten und missglückten –, die uns so präsent im Kopf bleiben. Dann, wenn es im Chemieraum roch wie blöd, der Feuermelder schrill erklang und der Schulhausabwart in seinen Finken angerannt kam. Ich weiss noch genau, was wir damals mischten und ich wünsche mir solche Erinnerungen an die Schulzeit auch meinen Kindern.

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2 Kommentare
  1. Andy Bürkler, 21.03.2021, 16:59 Uhr

    Zu meiner Zeiten hiessen die Lehrpersonen noch Lehrer. Ich war zwar in Grammatik echt mies, aber ich glaube man nannte das «Genus».
    Lehrerinnen im Detail hiessen damals schon Lehrerinnen.
    Einer der Lehrer war durchaus selbstironisch und meinte «Ihr könnt später einmal sagen: Wir hatten schlechte Lehrer…. welch gute Schule.»

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  2. Peter Bitterli, 21.03.2021, 15:48 Uhr

    „Ein Lehrer sagte: «Niemand ist vergebens. Man kann immer noch als schlechtes Beispiel dienen!» Was haben wir gelacht. Damals war es wohl für den betroffenen Schüler alles andere als lustig und heute undenkbar, dass eine Lehrperson so etwas sagt.“ Wieso denn undenkbar? Ein guter Ausspruch. Die Textverfasserin meint ja selber, dass die Schülerinnen „Zusammenhänge erkennen und kritisch hinterfragen“ sollen. Hier ist mal ein guter Anlass. Was soll denn bitte kritisch hinterfragt werden, wenn nur kantenloser Mainstream gepredigt wird?

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