Ring frei für den Kampf des Lebens
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Jungs und ihre «einmal-drauf-hauen-dann-bin-ich-der-Chef»-Realität. (Bild: fotolia.ch/Markus Bormann)

Das Spiel der Spiele Ring frei für den Kampf des Lebens

3 min Lesezeit 1 Kommentar 17.04.2016, 08:17 Uhr

Meine Söhne haben ein neues Spiel. Das spielen sie stundenlang, ohne dass ich irgendwas dazu beitragen muss. Aber es lässt mich regelmässig die Nerven verlieren und graue Haare dazugewinnen.

Meine Söhne haben ein neues Spiel. Das spielen sie stundenlang, ohne dass ich irgendwas dazu beitragen muss. Sie fangen damit gleich morgens an (je früher desto besser!) und machen sogar abends im Bett noch weiter. Das Spiel ist super lustig, denn es wird die ganze Zeit laut gelacht und begeistert gejuchzt. Meine Söhne wollen es derzeit überall spielen: Zu Hause auf dem Sofa oder am Esstisch während dem Zmittag. Und sehr gerne auch in der Öffentlichkeit. Zum Beispiel in der treppenartigen Leseecke in der Luzerner Stadt-Bibliothek oder im engen, kleinen Einkaufsladen bei mir im Wesemlin-Quartier.

Wrestling-Mania

Bevor ihr mich beglückwünscht: Das Spiel heisst «schlegle» und lässt mich regelmässig die Nerven verlieren und graue Haare dazugewinnen. Den GANZEN TAG wird nur gehauen, gezwickt, gewürgt und gezogen. Meine drei Söhne sitzen auf einander drauf, springen sich in bester Wrestling-Manier an und schlagen mit Fäusten und allem was gerade in Reichweite liegt aufeinander ein.

Anfangs stand ich noch ängstlich daneben. Probierte darauf aufmerksam zu machen, dass die Sofalehne vielleicht nicht der ideale Ort für einen Ringkampf sei. Probierte zu sensibilisieren, dass man den Würgegriff etwas lockern müsse, wenn der eine anfange zu röcheln. Ich probierte mit vernünftigen Argumenten zu erklären, dass harte Gegenstände wie Fernsehbedienungen, Spielzeugautos und Esszimmerstühlen vielleicht eher nicht in den Kampf miteinbezogen werden sollten, da dies zu ziemlich ernsten Verletzungen führen könnte.

Ich hätte genauso gut versuchen können einem Zwerghamster die Relativitätstheorie zu erklären. Wenn der Hamster blind und taub wäre.

Kämpfen soll gut für die Karriere sein

Also habe ich kapituliert und lasse die Jungs kämpfen. Mittlerweile sogar in dem Wissen, dass ich damit vielleicht sogar einen wichtigen Beitrag zur beruflichen Zukunft meiner Raufbolde leiste. Denn kürzlich habe eine interessante Theorie gelesen: Fast alle Jungs kämpfen und das sei auch gut so – so würden sie sich nämlich schon früh wichtige kompetitive Fähigkeiten aneignen: Sich aneinander messen. Nicht aufgeben. Aktiv sein. Für seine Belange einstehen. Austeilen, aber auch Einstecken können. Die etwas gewagte Quintessenz des Textes: Durch das frühe Erlangen dieser Fähigkeiten kann fast jeder nur durchschnittlich begabte und ehrgeizige Mann auf einem Chef-Sessel landen. Während Frauen, die als Kind dazu angehalten werden, brav in der Ecke Barbie zu spielen, später auch brav in der Ecke arbeitende Angestellte abgeben.

Auch wenn ich dieser These nicht ganz folge, habe ich doch etwa für mich herausgenommen: Das tägliche Kämpfen – Verlieren und Gewinnen, Einstecken und Austeilen – ist gleichzeitig eine Vorbereitung für den grossen Kampf des Lebens. Und deshalb lasse ich sie jetzt mit gutem Gewissen kämpfen. Und zucke nur noch müde mit den Schultern, wenn sich mein Kleinster, mit einem Holzkochlöffel bewaffnet von der Sofalehne aus ins Getümmel stürzt. Denn auch er wird sich dem Kampf des Lebens stellen müssen. In dem Sinne: Ring frei!

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1 Kommentare
  1. Barbara Beck-Iselin, 17.04.2016, 14:13 Uhr

    Geanu so ist es mir ergangen mit unsern Jungs, die unterdessen 30, 28 und 24 sind. Es war für mich erst möglich, ruhig zu bleiben, als wir in eine Wohnung zogen, die verschiedene Stockwerke hatte. So musste ich nicht immer zusehen 🙂 Danke für den guten Artikel.

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