Mütterliche Sorgen und Bedenken – mal ganz ohne Kind
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Hund statt Kind – die Sorgen sind dieselben Mütterliche Sorgen und Bedenken – mal ganz ohne Kind

3 min Lesezeit 28.04.2018, 10:39 Uhr

Meine liebe Arbeitskollegin Sylvia wollte nie Kinder. Das sei ihr zu stressig, meinte sie, und würde sie in ihrer Freiheit einschränken. Nun ist Benno da. Ein Hund. Und seit Sylvia Benno hat, hat sich in ihrem Leben einiges geändert. Es ist jetzt oft stressig. Ihre Freiheit ist eingeschränkt.

 

Je nach Stimmung verdrehte Sylvia jeweils leicht die Augen oder lehnte sich entspannt zuhörend zurück, wenn wir anderen am Mittagstisch von den Sorgen und Ängsten mit unseren Bälgern erzählten. Ihre Körperhaltung sagte alles: ihr armen. Seid aber selbst schuld. Darum will ich eben keine.

Jetzt hat Sylvia ein Kind. Er heisst Benno, ist acht Jahre alt und geht vorzugsweise auf allen Vieren. Um sich verständlich zu machen, bellt und knurrt er. Nein, es ist kein Fall für die KESB: Sylvias Kind ist ein Hund.

Und seit Sylvia Benno hat, hat sich in ihrem Leben einiges geändert. Es ist jetzt oft stressig. Ihre Freiheit ist eingeschränkt. Und sie führt viele nervige Diskussionen mit ihrem Partner. Zum Beispiel gerade vor ein paar Wochen: Sylvia war zu müde, um mit Benno abends noch eine Runde zu drehen; ihr Partner war geschäftlich ausser Haus. Sylvia fand nichts Schlimmes daran, dass der abendliche Spaziergang einmal ausnahmsweise ausfällt. Ihr Freund schon. Das in seinen Augen untolerierbare Abweichen vom normalhundlichen Tagesablauf führte zu einer hitzigen Diskussion über Freuden und Leiden eines Hundes und endete in Schuldzuweisungen.

Ein Hundesitter? Da wurde es ihr gleich hunde-elend

Um solchen Diskussionen in Zukunft einen Riegel vorzuschieben, schlug Sylvia das Engagement eines Hundesitters vor. Das wäre doch super, meinte sie. Benno könnte sich an der Gesellschaft anderer Hunde erfreuen, neue Spiele spielen, sozial profitieren. Vielleicht sogar neues Futter kennen und schätzen lernen. «Einen Hundesitter?!», tönte der Freund am Abend, «das geht doch gar nicht! Benno müsste sich dabei bedingungslos dem Rhythmus des Rudels anpassen.»

Er wäre einer fremden Person ausgeliefert, die – auch wenn sie sich noch so Mühe gäbe – doch nie auf alle Hunde gleich eingehen könne. Sylvia wurde dazu genötigt, sich vorzustellen, was denn mit der empfindlichen Hunde-Seele von Benno passieren könnte, wenn er nicht zu den Lieblingen des Hundesitters gehören würde. Das trieb der sehr tierlieben Sylvia die Tränen in die Augen. Soweit hatte sie gar nicht gedacht. Das wollte sie doch nicht! Sie wollte doch nur das allerbeste für ihr Baby, ähm, ich meine für ihr Hundi!

Ferien light zu dritt oder doch zu den Grosseltern?

Bald stehen bei Sylvia und ihrem Partner wieder Ferien an. Im selben Hotel wie jedes Jahr. Nur sind sie jetzt nicht mehr nur zu zweit, sondern zu dritt. Und das wird in dem Hotel nicht so gerne gesehen. Also schlug Sylvia die Grosseltern als Babysitter vor. Doch je mehr sie darüber nachdachte, desto weniger gut schien die Idee. Würden die Grosseltern dem Bewegungsdrang von Benno nachkommen können? Würden sie ihn nicht gnadenlos verwöhnen und überfüttern? Und wo und wie sollte Benno denn schlafen? Und was, wenn er Sylvia und ihren Partner vermissen würde? Dann bleiben wir besser zu Hause, meinte Sylvia. Wir könnten es ja doch nicht geniessen, ergänzte ihr Partner.

Im Büro am Mittagstisch ist jetzt fertig mit Augenverdrehen, wenn wir Eltern drüber diskutieren, wie viele Ausnahmen der kindliche Tagesablauf vertragen kann. Fertig mit entspannt zurücklehnen, wenn wir über Probleme in der Kita, im Kindergarten oder beim Übernachten bei den Grosseltern klagen. Nein, Sylvia hört aktiv zu, lehnt sich interessiert vor und nicht selten hört man von ihr: «Ist es bei euren Kindern nicht auch so, dass…».

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